(Kiel) In einem soeben vom Finanz­ge­richt Rhein­land-Pfalz rechts­kräf­tig ent­schie­de­nen Fall ging es um die Fra­ge, ob der Klä­ger als Geschäfts­füh­rer für nicht an das Finanz­amt abge­führ­te Lohn­steu­ern haf­ten muss.

Dar­auf ver­weist Fach­an­walt für Erb-, Steu­er sowie Han­dels- und Gesell­schafts­recht Dr. Nor­bert Gie­se­ler aus der Nürn­ber­ger Kanz­lei Mein­hardt, Gie­se­ler & Part­ner, Prä­si­dent des DUV Deut­scher Unter­neh­mens­steu­er Ver­band e. V. mit Sitz in Kiel, unter Hin­weis auf die Mit­tei­lung des Finanz­ge­richts (FG) Rhein­land-Pfalz vom 24.02.2014 zu sei­nem Urteil vom 10. Dezem­ber 2013 — 3 K 163212.

Der Klä­ger und Herr H. waren Geschäfts­füh­rer einer GmbH. Im Jahr 2010 wur­de für die beschäf­tig­ten Arbeit­neh­mer für meh­re­re Mona­te kei­ne Lohn­steu­er an das Finanz­amt abge­führt. Da Voll­stre­ckungs­maß­nah­men in das Ver­mö­gen der Arbeit­ge­be­rin (= Gesell­schaft) erfolg­los geblie­ben waren, nahm das Finanz­amt den Klä­ger mit einem sog. Haf­tungs­be­scheid in Anspruch. Auch Herr H. wur­de – aller­dings in gerin­ge­rem Umfang — zur Haf­tung her­an­ge­zo­gen.

Gegen den Haf­tungs­be­scheid leg­te der Klä­ger Ein­spruch ein und mach­te (u.a.) gel­tend, dass nach der inter­nen Zustän­dig­keits­ver­ein­ba­rung nur Herr H. für die Erle­di­gung steu­er­li­cher Auf­ga­ben und somit für die Abfüh­rung der Lohn­steu­er zustän­dig gewe­sen sei. Er – der Klä­ger – sei auch sei­ner Über­wa­chungs­pflicht nach­ge­kom­men, indem er sich in regel­mä­ßi­gen Abstän­den dar­über infor­miert habe, dass die steu­er­li­chen Pflich­ten der Gesell­schaft erfüllt wür­den.

Nach erfolg­lo­sem Ein­spruchs­ver­fah­ren erhob der Klä­ger Kla­ge, die das FG als unbe­grün­det zurück­wies.

Zur Begrün­dung führ­te das FG aus, so Dr. Gie­se­ler, der Haf­tungs­be­scheid sei recht­mä­ßig, weil die Inan­spruch­nah­me des Klä­gers nicht zu bean­stan­den sei. Der Klä­ger sei Geschäfts­füh­rer und haf­te daher als gesetz­li­cher Ver­tre­ter. Er kön­ne sich auch nicht auf die gel­tend gemach­te inter­ne Auf­ga­ben­ver­tei­lung zwi­schen ihm und dem Mit­ge­schäfts­füh­rer H. beru­fen. Grund­sätz­lich gel­te das Prin­zip der Gesamt­ver­ant­wor­tung eines jeden gesetz­li­chen Ver­tre­ters. Die­ses Prin­zip ver­lan­ge zumin­dest eine gewis­se Über­wa­chung der Geschäfts­füh­rung im Gan­zen. Durch eine ent­spre­chen­de Geschäfts­ver­tei­lung kön­ne zwar die Ver­ant­wort­lich­keit eines Geschäfts­füh­rers begrenzt wer­den. Dies erfor­de­re aller­dings eine im Vor­hin­ein getrof­fe­ne, ein­deu­ti­ge — und des­halb schrift­li­che — Klar­stel­lung, wel­cher Geschäfts­füh­rer für wel­chen Bereich zustän­dig sei. Ande­ren­falls bestün­de die Gefahr, dass im Haf­tungs­fall jeder Geschäfts­füh­rer auf die Ver­ant­wort­lich­keit eines ande­ren ver­wei­se. Aber selbst bei Vor-lie­gen einer kla­ren, ein­deu­ti­gen und schrift­li­chen Auf­ga­ben­ver­tei­lung müs­se der nicht mit den steu­er­li­chen Ange­le­gen­hei­ten einer Gesell­schaft betrau­te Geschäfts­füh­rer ein­schrei­ten, wenn die Per­son des Mit­ge­schäfts­füh­rers oder die wirt­schaft­li­che Lage der Gesell­schaft dies erfor­dern wür­den, bei­spiels­wei­se in finan­zi­el­len Kri­sen­si­tua­tio­nen. Zudem müs­se er dafür sor­gen, dass er im Fal­le des Ein­tritts einer sol­chen Kri­se recht­zei­tig davon erfah­re.

Im Streit­fall feh­le es bereits an einer schrift­li­chen Auf­ga­ben­ver­tei­lung zwi­schen dem Klä­ger und dem wei­te­ren Geschäfts­füh­rer. Schon aus die­sem Grund sei die gel­tend gemach­te Geschäfts­ver­tei­lung haf­tungs­recht­lich ohne Bedeu­tung. Unge­ach­tet des­sen habe der Klä­ger eine gestei­ger­te Über­wa­chungs­pflicht gehabt, weil er gewusst habe, dass sich die Gesell­schaft in einer finan­zi­el­len Schief­la­ge befun­den habe. In Anbe­tracht die­ser Situa­ti­on wäre selbst im Fal­le einer schrift­li­chen Auf­ga­ben­ver­tei­lung die Gesamt­ver­ant­wor­tung des Klä­gers wie­der auf­ge­lebt. Der Klä­ger kön­ne sich auch nicht damit ent­schul­di­gen, dass eine Steu­er­be­ra­te­rin ein­ge­bun­den gewe­sen sei und dass er sich in regel­mä­ßi­gen Abstän­den dar­über infor­miert habe, dass die steu­er­li­chen Pflich­ten der Gesell­schaft erfüllt wür­den. Sein schuld­haf­tes Ver­hal­ten lie­ge dar­in, dass er nicht dar­auf hin­ge­wirkt habe, dass die Löh­ne nur gekürzt aus­ge­zahlt wor­den sei­en. Dann hät­te näm­lich die — auf die gekürz­ten Löh­ne ent­fal­len­de — Lohn­steu­er aus dem ver­blei­ben­den Geld ord­nungs­ge­mäß ein­be­hal­ten und an das Finanz­amt abge­führt wer­den kön­nen.

Dr. Gie­se­ler emp­fahl, den Aus­gang zu beach­ten und in allen Zwei­fels­fra­gen Rechts­rat ein­zu­ho­len, wozu er u. a. auch auf den DUV Deut­scher Unter­neh­mens­steu­er Ver­band e. V. – www.duv-verband.de – ver­wies.
 

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