(Kiel) Der 2. Senat des Finanz­ge­richts Müns­ter hat in einem soeben ver­öf­fent­lich­ten Beschluss ernst­li­che Zwei­fel an der durch das Jah­res­steu­er­ge­setz 2010 rück­wir­kend ange­ord­ne­ten Besteue­rung von Zin­sen, die der Fis­kus auf Steu­er­erstat­tun­gen zahlt (sog. Erstat­tungs­zin­sen), geäu­ßert.

Dar­auf ver­weist der Kie­ler Steu­er­be­ra­ter Jörg Pas­sau, Vize­prä­si­dent und geschäfts­füh­ren­des Vor­stands­mit­glied des DUV Deut­scher Unter­neh­mens­steu­er Ver­band e. V. mit Sitz in Kiel,  unter Hin­weis auf die Mit­tei­lung des Finanz­ge­richts (FG)  Müns­ter vom 18.11.2011 zu sei­nem Beschluss vom 27. Okto­ber 2011 — (2 V 91311 E).

Im Streit­fall hat­te die Antrag­stel­le­rin im Jahr 2008 Erstat­tungs­zin­sen (§ 233a AO) für die Jah­re 2001 bis 2003 erhal­ten. Der Antrags­geg­ner besteu­er­te die Zin­sen nach Maß­ga­be des § 20 Abs. 1 Nr. 7 Satz 3 EStG in der Fas­sung des Jah­res­steu­er­ge­set­zes 2010 vom 8. Dezem­ber 2010 als Ein­künf­te aus Kapi­tal­ver­mö­gen. Die durch das Jah­res­steu­er­ge­setz geän­der­te Fas­sung des § 20 Abs. 1 Nr. 7 EStG sei gem. § 52a Abs. 8 Satz 2 EStG auf alle Fäl­le anwend­bar, in denen die Steu­er — wie im Streit­fall — noch nicht rechts­kräf­tig fest­ge­setzt sei.

Die Antrag­stel­le­rin sah dies anders und bean­trag­te beim Finanz­ge­richt, die Voll­zie­hung der strei­ti­gen Steu­er für die Erstat­tungs­zin­sen aus­zu­set­zen, da die durch das Jah­res­steu­er­ge­setz ange­ord­ne­te Rück­wir­kung der Neu­re­ge­lung nicht im Ein­klang mit dem Grund­ge­setz ste­he.

Der 2. Senat des Finanz­ge­richts Müns­ter gab der Antrag­stel­le­rin Recht, so Pas­sau.

Der Senat stell­te — im Rah­men einer im Aus­set­zungs­ver­fah­ren gebo­te­nen sum­ma­ri­schen Prü­fung — nicht nur in Fra­ge, ob die Rege­lung des § 52a Abs. 8 Satz 2 EStG gegen das aus dem Rechts­staats­prin­zip (Art. 20 Abs. 3 GG) fol­gen­de Rück­wir­kungs­ver­bot ver­sto­ße. Er monier­te zudem, dass der Gesetz­ge­ber auf eine umfas­sen­de gesetz­ge­be­ri­sche Neu­re­ge­lung zur steu­er­li­chen Behand­lung von Erstat­tungs- und Nach­zah­lungs­zin­sen ver­zich­tet habe. Zwar sei der Gesetz­ge­ber befugt, grund­le­gen­de Sys­tem­wech­sel her­bei­zu­füh­ren. Aller­dings bedür­fe es hier­für eines „wirk­lich neu­en Regel­wer­kes” mit einem Min­dest­maß von Ansät­zen neu­er Prin­zi­pi­en- oder Sys­tem­ori­en­tie­rung. Hebe der Gesetz­ge­ber durch die im Jah­res­steu­er­ge­setz gere­gel­te iso­lier­te Begrün­dung der Steu­er­pflicht für Erstat­tungs­zin­sen die nach der bis dahin gel­ten­den gesetz­ge­be­ri­schen Grund­ent­schei­dung mög­li­cher­wei­se gebo­te­ne Gleich­be­hand­lung von Erstat­tungs- und Nach­zah­lungs­zin­sen auf, so bedür­fe es hier­für wohl einer sys­te­ma­ti­schen Klar­stel­lung, Ergän­zung oder Ände­rung wei­te­rer Vor­schrif­ten. Unklar sei ins­be­son­de­re, wel­che Bedeu­tung der Rege­lung des § 12 Nr. 3 EStG, die (wei­ter­hin) die Nicht­ab­zugs­fä­hig­keit von Nach­zah­lungs­zin­sen fest­schrei­be, im Hin­blick auf das Leis­tungs­fä­hig­keits-, das Net­to- und das Ver­an­las­sungs­prin­zip zukom­men sol­le.

Wegen der grund­sätz­li­chen Bedeu­tung der Rechts­sa­che hat das Gericht die Beschwer­de zum Bun­des­fi­nanz­hof zuge­las­sen.

Pas­sau emp­fahl, dies zu beach­ten und ggfs. steu­er­li­chen Rat in Anspruch zu neh­men, wobei er dabei u. a. auf den DUV Deut­schen Unter­neh­mens­steu­er Ver­band — www.duv-verband.de — ver­wies.

 

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Jörg Pas­sau
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