(Kiel) Ent­fällt der Gewinn aus der Ver­äu­ße­rung eines Grund­stü­ckes inner­halb der zehn­jäh­ri­gen sog. Spe­ku­la­ti­ons­frist auf Wert­stei­ge­run­gen, die nach „alter Rechts­la­ge” steu­er­frei hät­ten rea­li­siert kön­nen, so blei­ben die­se Gewinn­an­tei­le wei­ter­hin steu­er­frei. Dies müs­se auch für den Teil des Ver­äu­ße­rungs­ge­win­nes gel­ten, der dar­aus resul­tie­re, dass der Ver­käu­fer Son­der­ab­schrei­bun­gen und ande­re Abset­zun­gen bis zum 31. März 1999 in Anspruch genom­men habe.

Dar­auf ver­weist der Kie­ler Steu­er­be­ra­ter Jörg Pas­sau, Vize­prä­si­dent und geschäfts­füh­ren­des Vor­stands­mit­glied des DUV Deut­scher Unter­neh­mens­steu­er Ver­band e. V. mit Sitz in Kiel, unter Hin­weis auf die Mit­tei­lung des Finanz­ge­richts (FG) Köln vom 15.07.2013 zu sei­nem Urteil vom 21. Juni 2013 (4 K 191811 E).

Das Urteil betrifft eine bis­her unge­klär­te Rechts­fra­ge, die im Zusam­men­hang mit der im Jahr 1999 beschlos­se­nen Ver­län­ge­rung der sog. Spe­ku­la­ti­ons­frist für pri­va­te Ver­äu­ße­rungs­ge­schäf­te von zwei auf zehn Jah­re steht und die wei­ter­hin in einer Viel­zahl von Ver­äu­ße­rungs­fäl­len — ins­be­son­de­re bei Grund­stücks­ge­schäf­ten — rele­vant ist. Die Ver­län­ge­rung der Spe­ku­la­ti­ons­frist traf sei­ner­zeit unter ande­rem auch Steu­er­pflich­ti­ge, die ihre Grund­stü­cke zum Zeit­punkt der Ver­kün­dung des Geset­zes am 31. März 1999 bereits län­ger als zwei Jah­re besa­ßen. Sie hät­ten — nach alter Rechts­la­ge — den Gewinn, den sie beim Ver­kauf des Grund­stü­ckes erzie­len, nicht ver­steu­ern müs­sen. Die gesetz­li­che Neu­re­ge­lung führ­te aller­dings dazu, dass für die­se Grund­stücks­ei­gen­tü­mer eben­falls die neue zehn­jäh­ri­ge Spe­ku­la­ti­ons­frist galt. Ein steu­er­frei­er Ver­kauf war damit für die Betrof­fe­nen plötz­lich erst wie­der nach Ablauf einer Frist von ins­ge­samt zehn Jah­ren zwi­schen An- und Ver­kauf mög­lich. Das Bun­des­ver­fas­sungs­ge­richt hat dies inso­weit als ver­fas­sungs­wid­rig ange­se­hen, als durch die Neu­re­ge­lung Wert­stei­ge­run­gen erfasst wer­den, die bis zur Ver­kün­dung des Geset­zes am 31. März 1999 bereits ent­stan­den waren und die nach der bis dahin gel­ten­den Rechts­la­ge steu­er­frei hät­ten rea­li­siert wer­den kön­nen (BVerfG Beschluss vom 7. Juli 2010, 2 BvL14/02 u.a.). Daher sind in einer Viel­zahl von Ver­äu­ße­rungs­fäl­len die ent­stan­de­nen Gewin­ne auf­zu­tei­len. Soweit sie auf Wert­stei­ge­run­gen beru­hen, die bereits vor dem 31. März 1999 ein­ge­tre­ten sind, blei­ben die Gewin­ne steu­er­frei.

Der 4. Senat des Finanz­ge­richts Müns­ter hat jetzt ent­schie­den, so Pas­sau, dass der Ver­äu­ße­rungs­ge­winn, soweit er auf Son­der­ab­schrei­bun­gen bzw. ande­ren Abset­zun­gen beruht, die vor dem 31. März 1999 in Anspruch genom­men wor­den sind, eben­falls steu­er­frei bleibt. Auch inso­weit sei das Ver­trau­en des Steu­er­pflich­ti­gen in die Steu­er­frei­heit des Ver­äu­ße­rungs­ge­winns schutz­wür­dig. Der Senat gab der Kla­ge statt. Er folgt damit nicht der von der Finanz­ver­wal­tung all­ge­mein ver­tre­te­nen Auf­fas­sung, dass der­ar­ti­ge Abschrei­bun­gen und Abset­zun­gen bei der Auf­tei­lung eines Ver­äu­ße­rungs­ge­win­nes in steu­er­pflich­ti­ge und steu­er­freie Antei­le ledig­lich line­ar zu berück­sich­ti­gen sei­en.

Im Streit­fall hat­te der Klä­ger ein Grund­stück, das er im Dezem­ber 1996 erwor­ben hat­te, im Sep­tem­ber 1999 ver­kauft. Dabei erziel­te er einen Gewinn von rund 120.000 DM. Die­ser resul­tier­te zu einem erheb­li­chen Teil aus einer Son­der­ab­schrei­bung nach § 4 des För­der­ge­biets­ge­set­zes sowie ande­ren Abset­zun­gen, die der Klä­ger bereits vor dem 31. März 1999 in Anspruch genom­men hat­te. Als steu­er­pflich­tig sah er ledig­lich einen Gewinn in Höhe von 4.900 DM an, wäh­rend das Finanz­amt einen steu­er­pflich­ti­gen Gewinn von 18.200 DM errech­ne­te. Das Finanz­amt hat­te die sich aus der Inan­spruch­nah­me der Son­der­ab­schrei­bung und der sons­ti­gen Abset­zun­gen erge­ben­de „buch­mä­ßi­ge” Wert­stei­ge­rung line­ar ver­teilt und damit teil­wei­se auch dem Zeit­raum nach dem 31. März 1999 zuge­ord­net, wäh­rend der Klä­ger die­se als vor dem 31. März 1999 ein­ge­tre­te­ne, steu­er­freie Wert­stei­ge­rung behan­delt hat.

Wegen der grund­sätz­li­chen Bedeu­tung der Sache hat der Senat die Revi­si­on zuge­las­sen.

Pas­sau emp­fahl, dies zu beach­ten und ggfs. steu­er­li­chen Rat in Anspruch zu neh­men, wobei er dabei u. a. auf den DUV Deut­schen Unter­neh­mens­steu­er Ver­band — www.duv-verband.de — ver­wies.

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