(Kiel) Der 11. Senat des Finanz­ge­richts Müns­ter hat in einem soeben ver­öf­fent­lich­ten Beschluss deut­lich gemacht, dass eine Rechts­be­helfs­be­leh­rung nicht etwa des­halb unrich­tig ist, weil sie kei­nen Hin­weis auf die Mög­lich­keit der Ein­spruchs­ein­le­gung per E-Mail ent­hält.

Dar­auf ver­weist der Kie­ler Steu­er­be­ra­ter Jörg Pas­sau, Vize­prä­si­dent und geschäfts­füh­ren­des Vor­stands­mit­glied des DUV Deut­scher Unter­neh­mens­steu­er Ver­band e. V. mit Sitz in Kiel, unter Hin­weis auf die Mit­tei­lung des Finanz­ge­richts (FG) Müns­ter vom 1.08.2012 zu sei­nem Beschluss vom 6. Juli 2012 — 11 V 170612 E.

Die im sum­ma­ri­schen Aus­set­zungs­ver­fah­ren getrof­fe­ne Ent­schei­dung betrifft eine in der Finanz­ver­wal­tung stan­dard­mä­ßig ver­wen­de­te Rechts­be­helfs­be­leh­rung. Die­se weist Steu­er­pflich­ti­ge unter ande­rem dar­auf hin, dass der gegen den Bescheid mög­li­che Ein­spruch beim betref­fen­den Finanz­amt „schrift­lich ein­zu­rei­chen oder zur Nie­der­schrift zu erklä­ren ist”. Die Fra­ge der (Un-)Richtigkeit der Rechts­be­helfs­be­leh­rung ist ent­schei­dend dafür, ob der Ein­spruch eines Steu­er­pflich­ti­gen inner­halb eines Mona­tes oder aber eines Jah­res ein­ge­legt wer­den muss.

Im Streit­fall hat­te das Finanz­amt die Antrag­stel­le­rin durch Bescheid ver­pflich­tet, einen Steu­er­ab­zug gem. § 50a Abs. 7 EStG durch­zu­füh­ren, d.h. aus dem an eine aus­län­di­sche Gesell­schaft zu zah­len­den Kauf­preis einen Teil­be­trag in Höhe von 750.000 EUR an den Fis­kus zu leis­ten. Der hier­ge­gen gerich­te­te Ein­spruch der Antrag­stel­le­rin ging erst nach Ablauf der ein­mo­na­ti­gen Ein­spruchs­frist beim Finanz­amt ein. Aller­dings wand­te die Antrag­stel­le­rin ein, die in dem Bescheid ent­hal­te­ne Rechts­be­helfs­be­leh­rung sei unzu­tref­fend, da sie kei­nen Hin­weis dar­auf ent­hal­te, dass der Ein­spruch auch per E-Mail ein­ge­legt wer­den kön­ne. Ihr Ein­spruch sei daher zuläs­sig, da bei einer unrich­ti­gen Rechts­be­helfs­be­leh­rung kei­ne Monats-, son­dern eine Jah­res­frist für die Ein­spruchs­er­he­bung gel­te (§ 356 Abs. 2 AO).

Der 11. Senat des Finanz­ge­richts Müns­ter folg­te die­ser Auf­fas­sung nicht, so Pas­sau.

Er lehn­te die begehr­te Aus­set­zung der Voll­zie­hung ab, weil die ein­mo­na­ti­ge Ein­spruchs­frist ver­stri­chen und der Bescheid damit bestands­kräf­tig gewor­den sei. Die Jah­res­frist des § 356 Abs. 2 AO gel­te nicht, da die Rechts­be­helfs­be­leh­rung nicht unrich­tig sei. Die Ent­schei­dung dar­über, wel­chen Inhalt eine ord­nungs­ge­mä­ße Rechts­be­helfs­be­leh­rung haben müs­se, ver­lan­ge die Abwä­gung zum Teil wider­strei­ten­der Inter­es­sen. Eine Rechts­be­helfs­be­leh­rung müs­se einer­seits dem ver­fas­sungs­recht­li­chen Anspruch auf wir­kungs­vol­len Rechts­schutz ent­spre­chen, ande­rer­seits aber auch so ein­fach und klar wie mög­lich gehal­ten sein. Der ein­fa­che Hin­weis auf die Mög­lich­keit der Ein­spruchs­ein­le­gung per E-Mail sei weder recht­lich unpro­ble­ma­tisch noch voll­stän­dig. In erwei­ter­ter Form füh­re er zu einer über­frach­te­ten Rechts­be­helfs­be­leh­rung, die statt Klar­heit Ver­wir­rung schaf­fe.

Wegen der grund­sätz­li­chen Bedeu­tung der Rechts­sa­che hat das Gericht die Beschwer­de zum Bun­des­fi­nanz­hof zuge­las­sen.

Pas­sau emp­fahl, dies zu beach­ten und ggfs. steu­er­li­chen Rat in Anspruch zu neh­men, wobei er dabei u. a. auf den DUV Deut­schen Unter­neh­mens­steu­er Ver­band — www.duv-verband.de — ver­wies.

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Jörg Pas­sau
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