(Kiel) Der 4. Senat des Finanz­ge­richts Müns­ter hat soeben klar­ge­stellt, dass der Begriff des “Nahe­ste­hens” im Sin­ne des § 32d Abs. 2 Nr. 1a EStG eng am Geset­zes­zweck aus­zu­rich­ten ist.

Der dort vor­ge­se­he­ne Aus­schluss der Abgel­tungs­steu­er für Fäl­le, in denen Gläu­bi­ger und Schuld­ner der steu­er­pflich­ti­gen Kapi­tal­erträ­ge “ein­an­der nahe ste­hen­de Per­so­nen” sei­en, sol­le miss­bräuch­li­che Gestal­tun­gen ver­mei­den. Daher füh­re nicht jedes Nähe­ver­hält­nis zwi­schen Dar­le­hens­ge­ber und Dar­le­hens­neh­mer zur Besteue­rung mit dem pro­gres­si­ven Steu­er­satz. Viel­mehr müs­se auf­grund der kon­kre­ten Umstän­de des Ver­trags­ver­hält­nis­ses und der dar­an betei­lig­ten Per­so­nen der siche­re Schluss mög­lich sein, dass das Motiv der Dar­le­hens­ge­wäh­rung vor­der­grün­dig in der ertrags­ori­en­tier­ten Aus­nut­zung des Gefäl­les zwi­schen dem pro­gres­si­ven Ein­kom­men­steu­er­ta­rif und dem Abgel­tungs­steu­er­satz von 25% lie­ge. Sei dies nicht der Fall, so sei­en Dar­le­hens­gläu­bi­ger und Dar­le­hens­schuld­ner kei­ne “nahe ste­hen­den Per­so­nen” im Sin­ne des § 32d Abs. 2 Nr. 1a EStG.

Dar­auf ver­weist der Kie­ler Steu­er­be­ra­ter Jörg Pas­sau, Vize­prä­si­dent und geschäfts­füh­ren­des Vor­stands­mit­glied des DUV Deut­scher Unter­neh­mens­steu­er Ver­band e. V. mit Sitz in Kiel, unter Hin­weis auf die Mit­tei­lung des Finanz­ge­richts (FG) Müns­ter vom 10.10.2013 zu sei­nem Urteil vom 20. Sep­tem­ber casi­no james­halli­son 2013 (4 K 71813 E).

Im Streit­fall hat­te der Klä­ger einem Berufs­kol­le­gen ein Dar­le­hen gewährt, mit dem die­ser sei­nen Ein­stieg in die Steu­er­be­ra­tungs­ge­sell­schaft des Klä­gers finan­zier­te. Der Klä­ger war der Auf­fas­sung, dass die hier­aus erziel­ten Zin­sen mit dem Abgel­tungs­steu­er­satz von 25% — und nicht mit sei­nem deut­lich höhe­ren per­sön­li­chen Steu­er­satz — zu ver­steu­ern sei­en.

Der 4. Senat teil­te die­se Auf­fas­sung, so Pas­sau.

Er sah kei­ne hin­rei­chen­den Anhalts­punk­te für ein die Anwen­dung des Abgel­tungs­steu­er­sat­zes aus­schlie­ßen­des Nähe­ver­hält­nis zwi­schen dem Klä­ger und sei­nem gesell­schafts­recht­lich und beruf­lich ver­bun­de­nen Kol­le­gen, dem er das Dar­le­hen gewährt hat­te. Es müs­se — so der Senat — klar zwi­schen der gemein­sa­men, von glei­chen Inter­es­sen getra­ge­nen Berufs­aus­übung einer­seits und der Dar­le­hens­ge­wäh­rung ande­rer­seits unter­schie­den wer­den. Auch wenn der Klä­ger im Rah­men der gemein­sa­men Steu­er­be­ra­tungs­ge­sell­schaft eine beherr­schen­de Stel­lung inne­ha­be, sei nicht erkenn­bar, dass die­se Bezie­hung auch auf das „Ob” und „Wie” des Dar­le­hens­ver­tra­ges durch­ge­schla­gen sei. Viel­mehr hät­ten sich der Klä­ger und der Dar­le­hens­neh­mer auf der Ebe­ne des Dar­le­hens­ver­tra­ges wirt­schaft­lich gleich­wer­tig gegen­über gestan­den.

Das Gericht hat wegen der grund­sätz­li­chen Bedeu­tung der Rechts­sa­che die Revi­si­on zum Bun­des­fi­nanz­hof zuge­las­sen.

Pas­sau emp­fahl, dies zu beach­ten und ggfs. steu­er­li­chen Rat in Anspruch zu neh­men, wobei er dabei u. a. auf den DUV Deut­schen Unter­neh­mens­steu­er Ver­band — www.duv-verband.de — ver­wies.

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Jörg Pas­sau
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