(Kiel) Der 2. Senat des Finanz­ge­richts Müns­ter hat in zwei Urtei­len klar­ge­stellt, dass Zin­sen, die der Fis­kus auf Steu­er­erstat­tun­gen zahlt (sog. Erstat­tungs­zin­sen), unge­ach­tet der durch das Jah­res­steu­er­ge­setz 2010 ein­ge­füg­ten Neu­re­ge­lung des § 20 Abs. 1 Nr. 7 Satz 3 EStG nicht steu­er­bar sind.

Dies gilt nach Auf­fas­sung des Sena­tes auch dann, wenn die Erstat­tungs­zin­sen in Zeit­räu­men ange­fal­len sind, in denen vom Steu­er­pflich­ti­gen gezahl­te Nach­zah­lungs­zin­sen als Son­der­aus­ga­ben abzieh­bar waren.

Dar­auf ver­weist der Kie­ler Steu­er­be­ra­ter Jörg Pas­sau, Vize­prä­si­dent und geschäfts­füh­ren­des Vor­stands­mit­glied des DUV Deut­scher Unter­neh­mens­steu­er Ver­band e. V. mit Sitz in Kiel, unter Hin­weis auf die Mit­tei­lung des Finanz­ge­richts (FG) Müns­ter vom 16.07.2012 zu sei­nen Urtei­len vom 10. Mai 2012 — 2 K 194700 E, 2 K 195000 E.

In den Streit­fäl­len hat­ten die Klä­ger in den Jah­ren 1992 bzw. 1996 Erstat­tungs­zin­sen (§ 233a AO) in erheb­li­cher Höhe erhal­ten. Zugleich hat­ten sie in ihrer Steu­er­erklä­rung auch Nach­zah­lungs­zin­sen gel­tend gemacht. Das Finanz­amt besteu­er­te die Erstat­tungs­zin­sen als Ein­künf­te aus Kapi­tal­ver­mö­gen und berück­sich­tig­te die Nach­zah­lungs­zin­sen als Son­der­aus­ga­ben. Im Jahr 2010 bean­trag­ten die Klä­ger sodann unter Hin­weis auf eine aktu­el­le Ent­schei­dung des Bun­des­fi­nanz­ho­fes (Urteil vom 15. Juni 2010, VIII R 3307, BSt­Bl II 2011, 503), die Erstat­tungs­zin­sen steu­er­frei zu stel­len. Ver­fah­rens­recht­lich war dies noch mög­lich, da die ange­foch­te­nen Beschei­de auf­grund von Ein­spruchs- und Kla­ge­ver­fah­ren noch nicht bestands­kräf­tig und damit noch änder­bar waren.

Der 2. Senat des Finanz­ge­richts Müns­ter gab den Klä­gern jetzt Recht, so Pas­sau.

Der Gesetz­ge­ber habe mit § 12 Nr. 3 EStG die Grund­ent­schei­dung getrof­fen, Erstat­tungs­zin­sen zur Ein­kom­men­steu­er dem nicht­steu­er­ba­ren Bereich zuzu­wei­sen. Dies habe auch der Bun­des­fi­nanz­hof in sei­ner Ent­schei­dung vom 15. Juni 2010 so gese­hen. Soweit der Bun­des­fi­nanz­hof dies auch unter Hin­weis auf den ab 1999 bestehen­den Gleich­klang zwi­schen der Steu­er­frei­heit von Erstat­tungs­zin­sen einer­seits und der Nicht­ab­zieh­bar­keit von Nach­zah­lungs­zin­sen ande­rer­seits begrün­det habe, fol­ge hier­aus nicht, dass Erstat­tungs­zin­sen steu­er­bar sei­en, solan­ge Nach­zah­lungs­zin­sen — wie in den Streit­jah­ren — noch als Son­der­aus­ga­ben abzugs­fä­hig gewe­sen sei­en. Ein sol­cher Umkehr­schluss ver­stie­ße gegen die Grund­ent­schei­dung des § 12 Nr. 3 EStG und stell­te eine unzu­läs­si­ge rich­ter­li­che Rechts­fort­bil­dung dar.

Auf die Fra­ge, ob die durch das Jah­res­steu­er­ge­setz 2010 als Reak­ti­on auf die Recht­spre­chung des Bun­des­fi­nanz­ho­fes neu ein­ge­füg­te Rege­lung des § 20 Abs. 1 Nr. 7 Satz 3 EStG, die Erstat­tungs­zin­sen aus­drück­lich den Ein­künf­ten aus Kapi­tal­ver­mö­gen zuord­ne, auch rück­wir­kend auf die Streit­jah­re Anwen­dung fin­de, kom­me es — so der 2. Senat — nicht an. § 20 Abs. 1 Nr. 7 Satz 3 EStG sei kei­ne Spe­zi­al­re­ge­lung gegen­über § 12 Nr. 3 EStG. Viel­mehr gehe § 12 Nr. 3 EStG als eine den ein­zel­nen Ein­kunfts­ar­ten sys­te­ma­tisch vor­an­ge­stell­te Vor­schrift § 20 Abs. 1 EStG vor.

Wegen der grund­sätz­li­chen Bedeu­tung der Rechts­sa­che hat das Gericht die Revi­si­on zum Bun­des­fi­nanz­hof zuge­las­sen.

Pas­sau emp­fahl, dies zu beach­ten und ggfs. steu­er­li­chen Rat in Anspruch zu neh­men, wobei er dabei u. a. auf den DUV Deut­schen Unter­neh­mens­steu­er Ver­band — www.duv-verband.de — ver­wies.

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