(Kiel) Der 2. Senat des Finanz­ge­richts Köln hat in sie­ben, am 09.09.2010 bekannt­ge­ge­be­nen, (Mus­ter-) Ent­schei­dun­gen die Kla­gen gegen die Ver­ga­be der Steu­er­iden­ti­fi­ka­ti­ons­num­mer (Steu­er-ID) abge­wie­sen.    

Das Gericht hat zwar erheb­li­che Zwei­fel an der Ver­fas­sungs­mä­ßig­keit der Steu­er-ID geäu­ßert. Die­se Zwei­fel führ­ten aber nicht zu einer Vor­la­ge an das Bun­des­ver­fas­sungs­ge­richt in Karls­ru­he, weil eine Anru­fung des Bun­des­ver­fas­sungs­ge­richts nur mög­lich ist, wenn ein Gericht von der Ver­fas­sungs­wid­rig­keit einer Norm völ­lig über­zeugt ist. Der Senat konn­te in Bezug auf die Ver­ga­be der Steu­er-ID nicht die Über­zeu­gung gewin­nen, dass das Recht des ein­zel­nen Bür­gers auf infor­ma­tio­nel­le Selbst­be­stim­mung das Inter­es­se der All­ge­mein­heit an einer gleich­mä­ßi­gen Besteue­rung über­wiegt.

Dar­auf ver­weist der Kie­ler Steu­er­be­ra­ter Jörg Pas­sau, Vize­prä­si­dent und geschäfts­füh­ren­des Vor­stands­mit­glied des DUV Deut­scher Unter­neh­mens­steu­er Ver­band e. V. mit Sitz in Kiel, unter Hin­weis auf die am 09. Sep­tem­ber 2010 ver­öf­fent­lich­ten Ent­schei­dun­gen des Finanz­ge­richts Köln vom 7.Juli 2010 (u.a. 2 K 309308, 2 K 398608, 2 K 326508).

Hin­ter den Mus­ter­ver­fah­ren ste­hen über 170 Kla­gen von Bür­gern, die sich vor dem in Deutsch­land allein zustän­di­gen Finanz­ge­richt Köln auf die Ver­fas­sungs­wid­rig­keit der Ver­ga­be der Steu­er-ID beru­fen. Nach Auf­fas­sung der Klä­ger berei­te die bun­des­ein­heit­li­che Steu­er-ID den Weg zum “glä­ser­nen Bür­ger”. Dies zei­ge sich auch dar­an, dass selbst Babys unmit­tel­bar nach der Geburt mit Post vom Bun­des­zen­tral­amt für Steu­ern (BZSt) eine Steu­er-ID erhal­ten. Außer­dem wird die “Num­me­rie­rung” der Men­schen als “Per­so­nen­kenn­zei­chen” aus reli­giö­sen Grün­den abge­lehnt.

Sei­ne ver­fas­sungs­recht­li­chen Zwei­fel stütz­te der Senat u.a. dar­auf, so Pas­sau, dass durch die Steu­er-ID letzt­lich alle in der Bun­des­re­pu­blik Deutsch­land ansäs­si­gen Bür­ger zen­tral durch den Staat erfasst wür­den. Damit bestehe die Mög­lich­keit, durch ent­spre­chen­de Erwei­te­run­gen der zu spei­chern­den Daten bzw. durch die Ver­net­zung ver­schie­de­ner Daten­pools einen gro­ßen zen­tra­len Daten­be­stand zu schaf­fen. Hier­aus könn­te sich künf­tig auch die Gefahr der Erstel­lung von Per­sön­lich­keits­pro­fi­len erge­ben. Auch sei es frag­lich, ob es zum Zwe­cke der gleich­mä­ßi­gen Besteue­rung tat­säch­lich erfor­der­lich sei, die Steu­er-ID “flä­chen­de­ckend” zuzu­tei­len und “flä­chen­de­ckend” Daten zu spei­chern, unab­hän­gig davon, ob die betref­fen­den Per­so­nen schon einen Besteue­rungs­tat­be­stand erfüllt hät­ten. Dies­be­züg­lich kom­me es in gewis­ser Wei­se zu einer “Vor­rats­da­ten­spei­che­rung”.

Soweit ein­zel­ne Klä­ger auch die Ver­let­zung der Reli­gi­ons­frei­heit nach Art. 4 Abs. 1 GG gel­tend gemacht haben (z.B. im Ver­fah­ren 2 K 309308, 2 K 398608), besteht nach Auf­fas­sung des Senats schon kein Ein­griff in den Schutz­be­reich. Die Steu­er-ID stel­le ledig­lich ein behör­den­in­ter­nes Ord­nungs­merk­mal dar. Den Klä­gern wer­de nicht ihr christ­li­cher Name abge­spro­chen. Er blei­be erhal­ten und wer­de auch wie bis­her ver­wen­det.

Der 2. Senat hat gegen die Urtei­le die Revi­si­on beim Bun­des­fi­nanz­hof in Mün­chen zuge­las­sen.

Die Steu­er-ID wird seit dem 1. August 2008 vom BZSt in Bonn an alle Ein­woh­ner ver­sandt (§ 139b AO). Deutsch­land folgt damit dem Bei­spiel vie­ler Nach­barn in der Euro­päi­schen Uni­on. Die Ein­füh­rung der Steu­er-ID soll das Besteue­rungs­ver­fah­ren ver­ein­fa­chen und Büro­kra­tie abbau­en. Hier­zu erhält das zustän­di­ge BZSt von allen Mel­de­be­hör­den elek­tro­nisch die im Mel­de­re­gis­ter gespei­cher­ten Daten. Dane­ben wer­den u.a. lohn­steu­er­erheb­li­che Daten, wie z.B. Reli­gi­ons­zu­ge­hö­rig­keit, Kran­ken­ver­si­che­rungs­bei­trä­ge, Zahl der Lohn­steu­er­kar­ten und Kin­der mit ihren Steu­er-ID gespei­chert (§ 39e EStG). Die Steu­er-ID hat elf Zif­fern, aus denen kei­ne Rück­schlüs­se auf den Steu­er­pflich­ti­gen gezo­gen wer­den kön­nen.

Pas­sau emp­fahl, die Ent­schei­dun­gen und einen etwai­gen Fort­gang zu beach­ten und ggfs. steu­er­li­chen Rat in Anspruch zu neh­men, wobei er dabei u. a. auf den DUV Deut­schen Unter­neh­mens­steu­er Ver­band — www.duv-verband.de — ver­wies. 

Für Rück­fra­gen steht Ihnen zur Ver­fü­gung: 

Jörg Pas­sau
Steu­er­be­ra­ter
DUV Vize­prä­si­dent und
geschäfts­füh­ren­des Vor­stands­mit­glied
Pas­sau, Nie­mey­er & Col­le­gen
Walk­er­damm 1
24103 Kiel
Tel:  0431 — 974 3010
Fax: 0431 — 974 3055
Email: info@duv-verband.de
ww.duv-verband.de