(Kiel)  Tele­fon­in­ter­view­er, die für ein Mei­nungs­for­schungs­in­sti­tut tätig wer­den, sind steu­er­recht­lich als Arbeit­neh­mer und nicht als Selb­stän­di­ge anzu­se­hen. Das Insti­tut hat des­halb als Arbeit­ge­ber Lohn­steu­er ein­zu­be­hal­ten und abzu­füh­ren. Andern­falls kann es für die Lohn­steu­er in Haf­tung genom­men wer­den.

Dar­auf ver­weist der Kie­ler Steu­er­be­ra­ter Jörg Pas­sau, Vize­prä­si­dent und geschäfts­füh­ren­des Vor­stands­mit­glied des DUV Deut­scher Unter­neh­mens­steu­er Ver­band e. V. mit Sitz in Kiel,  unter Hin­weis auf die Mit­tei­lung des Finanz­ge­richts (FG) Köln vom 2.07.2012 zu sei­nem Urteil vom 14.3.2012 (Az. 2 K 47606).

Der Senat beur­teil­te die Inter­view­tä­tig­keit damit anders als Arbeits- und Sozi­al­ge­rich­te, die in der Ver­gan­gen­heit die Tätig­keit häu­fig als selb­stän­dig ansa­hen.

Geklagt hat­te ein Mei­nungs­for­schungs­in­sti­tut, das Tele­fon­in­ter­view­er auf frei­be­ruf­li­cher Basis beschäf­tigt hat­te. Den Inter­view­ern stand ein Tele­fon­ar­beits­platz im Insti­tut zur Ver­fü­gung. Ihr Hono­rar wur­de im Wesent­li­chen danach kal­ku­liert, wie vie­le Inter­views durch­schnitt­lich je Stun­de durch­ge­führt wur­den, und nach der Anzahl erfolg­reich abge­schlos­se­ner Inter­views bemes­sen. Von den gezahl­ten Hono­ra­ren wur­den weder Sozi­al­ver­si­che­rungs­bei­trä­ge noch Lohn­steu­ern ein­be­hal­ten. Das Finanz­amt nahm das Insti­tut für Lohn­steu­er in Höhe von über einer hal­ben Mil­li­on Euro in Haf­tung. Das Gericht bejah­te zwar die Arbeit­neh­mer­ei­gen­schaft der Tele­fon­in­ter­view­er, redu­zier­te aber die Haf­tungs­sum­me auf rund ein Fünf­tel des vom Finanz­amt ange­setz­ten Steu­er­haf­tungs­be­tra­ges. Da die Inter­view­tä­tig­keit typi­scher­wei­se viel­fach von Per­so­nen ohne wei­te­re Ein­künf­te (z.B. Stu­den­ten) als Aus­hilfs- bzw. Neben­tä­tig­keit aus­ge­übt wer­de, nahm der Senat an, dass bei einem erheb­li­chen Teil der Arbeit­neh­mer gar kei­ne Ein­kom­men­steu­er ange­fal­len wäre bzw. die Zah­lun­gen ord­nungs­ge­mäß ver­steu­ert wor­den sei­en. Das Gericht ver­nein­te außer­dem die Arbeit­neh­mer­ei­gen­schaft von eben­falls beschäf­tig­ten sog. Codie­rern, die Ant­wor­ten nach einem vor­ge­schrie­be­nen Kenn­zah­len­plan ver­schlüs­sel­ten. Die­se Per­so­nen waren in Heim­ar­beit tätig und hät­ten daher eine freie­re und eigen­ver­ant­wort­li­che­re, gegen eine Arbeit­neh­merstel­lung spre­chen­de Tätig­keit aus­ge­übt. Bereits vor Kla­ge­er­he­bung hat­te das FA aus die­sem Grund sog. Face to Face-Inter­view­er, die per­sön­li­che Befra­gun­gen von Ziel­per­so­nen durch­führ­ten, nicht als Arbeit­neh­mer ange­se­hen.

Pas­sau emp­fahl, dies zu beach­ten und ggfs. steu­er­li­chen Rat in Anspruch zu neh­men, wobei er dabei u. a. auf den DUV Deut­schen Unter­neh­mens­steu­er Ver­band — www.duv-verband.de — ver­wies.

 

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Jörg Pas­sau
Steu­er­be­ra­ter
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