(Kiel) Das Finanz­amt kann im Rah­men sei­nes pflicht­ge­mä­ßen Ermes­sens frei ent­schei­den, ob es einem Steu­er­pflich­ti­gen über­haupt eine ver­bind­li­che Aus­kunft zu einer bestimm­ten Rechts­fra­ge erteilt.

Ent­schei­det es sich aller­dings für eine inhalt­li­che Ant­wort, so kann die­se vom Finanz­ge­richt in vol­lem Umfang auf ihre Recht­mä­ßig­keit über­prüft wer­den. Der Finanz­be­hör­de ver­bleibt dann kein Ermes­sens­spiel­raum, wonach sie ihrer Aus­kunft eine von meh­re­ren ver­tret­ba­ren Rechts­auf­fas­sun­gen zugrun­de legen könn­te.

Dar­auf ver­weist der Kie­ler Steu­er­be­ra­ter Jörg Pas­sau, Vize­prä­si­dent und geschäfts­füh­ren­des Vor­stands­mit­glied des DUV Deut­scher Unter­neh­mens­steu­er Ver­band e. V. mit Sitz in Kiel, unter Hin­weis auf die Mit­tei­lung des Finanz­ge­richts (FG) Köln vom 15.05.2012 zu sei­nem Urteil vom vom 6. März 2012 (13 K 300611).

Der Senat hat­te über die Kla­ge einer inlän­di­schen GmbH zu ent­schei­den, an der eine fran­zö­si­sche und eine bri­ti­sche Kapi­tal­ge­sell­schaft betei­ligt waren. Die fran­zö­si­sche Mut­ter­ge­sell­schaft hat­te gegen­über der Klä­ge­rin eine offe­ne For­de­rung in Höhe von ca. 19 Mio. €, für die zur Ver­mei­dung einer Insol­venz der Klä­ge­rin ein Rang­rück­tritt ver­ein­bart wor­den war. Die Gesell­schaf­ter beschlos­sen 2009 die Auf­lö­sung der Klä­ge­rin. Zu die­sem Zeit­punkt betrug deren steu­er­li­cher Ver­lust­vor­trag ca. 21 Mio. €. Die Klä­ge­rin woll­te vom Finanz­amt eine ver­bind­li­che Aus­kunft des Inhalts, dass kein steu­er­pflich­ti­ger Gewinn ent­ste­he, wenn sie im Rah­men der Liqui­da­ti­on das Dar­le­hen ihrer fran­zö­si­schen Mut­ter­ge­sell­schaft nicht zurück­zah­le, die­se auf ihre For­de­rung aber auch nicht (förm­lich) ver­zich­te. Das Finanz­amt teil­te die­se Auf­fas­sung nicht und gab eine ander­wei­ti­ge (nega­ti­ve) ver­bind­li­che Aus­kunft. Die hier­ge­gen gerich­te­te Kla­ge, mit der die Klä­ge­rin das Finanz­amt zu der gewünsch­ten Aus­kunft ver­pflich­ten woll­te, war nur teil­wei­se erfolg­reich. Der 13. Senat schloss sich zwar inhalt­lich der Rechts­auf­fas­sung der Klä­ge­rin an. Er ging eben­falls davon aus, dass eine Kapi­tal­ge­sell­schaft und mit ihr die gegen sie gerich­te­ten For­de­run­gen erlö­schen wür­den, wenn kein Ver­mö­gen mehr vor­han­den sei, kein wei­te­rer Abwick­lungs­be­darf mehr bestehe und die Gesell­schaft im Han­dels­re­gis­ter gelöscht wer­de. Der dabei durch den Weg­fall der Ver­bind­lich­kei­ten ent­ste­hen­de Gewinn sei aller­dings man­gels Steu­er­sub­jekt nicht (mehr) steu­er­pflich­tig. Er hob des­halb die nega­ti­ve Aus­kunft des Finanz­am­tes auf und ver­pflich­te­te das Finanz­amt, unter Beach­tung der Rechts­auf­fas­sung des Gerichts neu über den Antrag der Klä­ge­rin auf ver­bind­li­che Aus­kunft zu ent­schei­den. Der Senat mach­te dabei aller­dings deut­lich, dass die Finanz­be­hör­de im Rah­men des ihr ver­blei­ben­den Ent­schlie­ßungs­er­mes­sens vor dem Hin­ter­grund der Gerichts­ent­schei­dung sehr wohl auch eine inhalt­li­che Aus­kunft ableh­nen kön­ne.

Gegen die Ent­schei­dung des 13. Sena­tes wur­de mitt­ler­wei­le Revi­si­on beim Bun­des­fi­nanz­hof in Mün­chen ein­ge­legt, die dort unter dem Akten­zei­chen I R 3412 anhän­gig ist.

Pas­sau emp­fahl, dies und den Fort­gang zu beach­ten und ggfs. steu­er­li­chen Rat in Anspruch zu neh­men, wobei er dabei u. a. auf den DUV Deut­schen Unter­neh­mens­steu­er Ver­band — www.duv-verband.de — ver­wies.

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Jörg Pas­sau
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