(Kiel) Das beim Bun­des­ver­fas­sungs­ge­richt anhän­gi­ge Ver­fah­ren zur ver­fas­sungs­recht­li­chen Über­prü­fung der ab dem Jahr 2008 teil­wei­se erheb­lich geän­der­ten gewer­be­steu­er­li­chen Hin­zu­rech­nung von Zin­sen und Mie­ten (1 BvL 812) recht­fer­tigt nur dann eine Aus­set­zung der Voll­zie­hung eines Gewer­be­steu­er­mess­be­schei­des, wenn dem Steu­er­pflich­ti­gen irrepa­ra­ble Nach­tei­le dro­hen.

Dar­auf ver­weist der Kie­ler Steu­er­be­ra­ter Jörg Pas­sau, Vize­prä­si­dent und geschäfts­füh­ren­des Vor­stands­mit­glied des DUV Deut­scher Unter­neh­mens­steu­er Ver­band e. V. mit Sitz in Kiel, unter Hin­weis auf die Mit­tei­lung des Finanz­ge­richts (FG) Köln vom 1.08.2012 zu sei­nen Beschlüs­sen vom 4. Juli 2012 (13 V 129212 und 13 V 140812).

Die Antrag­stel­le­rin­nen begehr­ten unter Beru­fung auf den Vor­la­ge­be­schluss des Finanz­ge­richts Ham­burg vom 29.2.2012 (1 K 13810) die Aus­set­zung der Voll­zie­hung von Gewer­be­steu­er­mess­be­schei­den für die Jah­re 2009 bzw. 2010. Sie mach­ten gel­tend, dass die Neu­re­ge­lung der Hin­zu­rech­nungs­vor­schrif­ten durch das Unter­neh­men­steu­er­re­form­ge­setz 2008 in § 8 Nr. 1 GewStG das Prin­zip der Besteue­rung nach der wirt­schaft­li­chen Leis­tungs­fä­hig­keit ver­let­ze. Das gel­te ins­be­son­de­re bei den von ihnen betrie­be­nen Unter­neh­mens­mo­del­len, wonach die benö­tig­ten Wirt­schafts­gü­ter und Immo­bi­li­en zum Betrieb von Hotels bzw. Alten­hei­men aus­schließ­lich von Drit­ten ange­pach­tet wür­den. Trotz tat­säch­lich erziel­ter Ver­lus­te habe die gewer­be­steu­er­li­che Hin­zu­rech­nung eine erheb­li­che Steu­er­be­las­tung zur Fol­ge und gefähr­de damit ihre wirt­schaft­li­che Exis­tenz.

Der 13. Senat lehn­te wie das Finanz­amt eine Aus­set­zung der Voll­zie­hung ab, so Pas­sau.

Zwar bestün­den Zwei­fel an der Ver­fas­sungs­mä­ßig­keit der Neu­re­ge­lun­gen. Da die Gewäh­rung der bean­trag­ten Aus­set­zung der Voll­zie­hung aber einem einst­wei­li­gen Außer­kraft­set­zen der Neu­fas­sung des Gewer­be­steu­er­ge­set­zes gleich käme, kom­me eine Aus­set­zung nur dann in Betracht, wenn das Inter­es­se der Antrag­stel­le­rin­nen an der begehr­ten Aus­set­zung dem öffent­li­chen Inter­es­se an der Voll­zie­hung der ange­foch­te­nen Gewer­be­steu­er­be­schei­de über­wie­ge. Die Antrag­stel­le­rin­nen hät­ten hier­für glaub­haft machen müs­sen, dass ihnen durch die Voll­zie­hung der Gewer­be­steu­er­be­schei­de irrepa­ra­ble Nach­tei­le droh­ten, die ein Abwar­ten bis zur Ent­schei­dung in der Haupt­sa­che unzu­mut­bar mach­ten. Der­ar­ti­ge Nach­tei­le konn­te der Senat nicht fest­stel­len, so dass die Inter­es­sen­ab­wä­gung zu Las­ten der Steu­er­pflich­ti­gen aus­fiel.

Die Antrag­stel­le­rin­nen haben die vom Finanz­ge­richt zuge­las­se­nen Beschwer­den zum Bun­des­fi­nanz­hof in Mün­chen ein­ge­legt.

Pas­sau emp­fahl, dies zu beach­ten und ggfs. steu­er­li­chen Rat in Anspruch zu neh­men, wobei er dabei u. a. auf den DUV Deut­schen Unter­neh­mens­steu­er Ver­band — www.duv-verband.de — ver­wies.

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Jörg Pas­sau
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