(Kiel) Der seit dem 01.01.2007 erho­be­ne Spit­zen­steu­er­satz bei der Ein­kom­men­steu­er von 45% („Rei­chen­steu­er”) ist teil­wei­se ver­fas­sungs­wid­rig. Das hat der 1. Senat des Finanz­ge­richts Düs­sel­dorf ent­schie­den und die Fra­ge zur Klä­rung dem Bun­des­ver­fas­sungs­ge­richt vor­ge­legt.

Dar­auf ver­weist der Kie­ler Steu­er­be­ra­ter Jörg Pas­sau, Vize­prä­si­dent und geschäfts­füh­ren­des Vor­stands­mit­glied des DUV Deut­scher Unter­neh­mens­steu­er Ver­band e. V. mit Sitz in Kiel,  unter Hin­weis auf die Mit­tei­lung des Finanz­ge­richts (FG) Düs­sel­dorf vom 28.02.2013 (Az. 1 K 230909 E).

In dem vom Finanz­ge­richt ent­schie­de­nen Fall bezog ein Arbeit­neh­mer ein Gehalt von mehr als 1,5 Mil­lio­nen Euro. Das Finanz­amt unter­warf daher die­se Ein­künf­te dem für Ein­kom­men über 250.000 € bei Ledi­gen und über 500.000 € bei Ver­hei­ra­te­ten gel­ten­den Spit­zen­steu­er­satz von 45%. Dage­gen wand­te sich der Arbeit­neh­mer und berief sich auf eine ver­fas­sungs­wid­ri­ge Ungleich­be­hand­lung. Denn im Jahr 2007 wür­den sehr gut ver­die­nen­de Ange­stell­te wie er dem Spit­zen­steu­er­satz unter­wor­fen. Selb­stän­di­ge Unter­neh­mer und Frei­be­ruf­ler, die gleich hohe Ein­künf­te erziel­ten, unter­lä­gen hin­ge­gen nur einem Höchst­steu­er­satz von 42%. 

Das Finanz­ge­richt ist mit sei­nem Vor­la­ge­be­schluss den Beden­ken des Steu­er­pflich­ti­gen gefolgt. Die Tat­sa­che, dass im Jahr 2007 Arbeit­neh­mer mit Lohn- und Gehalts­ein­künf­ten sowie Steu­er­pflich­ti­ge mit Miet- oder Zins­ein­künf­ten einem Steu­er­satz von 45% unter­wor­fen wür­den, ande­re Steu­er­pflich­ti­ge hin­ge­gen maxi­mal 42% zah­len muss­ten, hält es für eine ver­fas­sungs­wid­ri­ge Ungleich­be­hand­lung. Ein erkenn­ba­rer Recht­fer­ti­gungs­grund, gera­de sehr gut ver­die­nen­de Arbeit­neh­mer steu­er­lich beson­ders stark zu belas­ten, sei vom Gesetz­ge­ber nicht ange­führt wor­den.

Der Vor­sit­zen­de des 1. Senats, Bert­hold Mey­er, führt dazu klar­stel­lend aus: „Kei­nes­falls hält das Gericht den Spit­zen­steu­er­satz oder gar den Ein­kom­men­steu­er­ta­rif ins­ge­samt für ver­fas­sungs­wid­rig. Denn bei der Aus­ge­stal­tung des Steu­er­sat­zes kommt dem Gesetz­ge­ber ein wei­ter Gestal­tungs­spiel­raum zu. Vor dem Gleich­heits­ge­bot des Grund­ge­set­zes lässt es sich aber nicht recht­fer­ti­gen, dass nur eine bestimm­te Grup­pe von Steu­er­pflich­ti­gen — hier im Wesent­li­chen Arbeit­neh­mer sowie die Bezie­her von Miet- und Zins­ein­künf­ten — in 2007 der soge­nann­ten Rei­chen­steu­er unter­wor­fen wer­den, ande­re Steu­er­pflich­ti­ge wie Unter­neh­mer und Frei­be­ruf­ler hin­ge­gen nicht. Dabei ist zu berück­sich­ti­gen,” so führt Mey­er wei­ter aus, “dass sich die Ent­schei­dung des Gerichts und damit die ver­fas­sungs­recht­li­chen Zwei­fel nur auf das Jahr 2007 bezie­hen. Mit dem Inkraft­tre­ten der Unter­neh­mens­steu­er­re­form im Jahr 2008 unter­fal­len alle Steu­er­pflich­ti­gen, egal wel­che Ein­künf­te sie erzie­len, bei hohem Ein­kom­men dem Steu­er­satz von 45%.”

Das Finanz­ge­richt steht mit sei­ner Vor­la­ge­ent­schei­dung in Ein­klang mit einer Viel­zahl von Stim­men im steu­er­li­chen Schrift­tum. Auch dort wird die Anwen­dung der „Rei­chen­steu­er” im Jahr 2007 u. a. nur auf Ein­künf­te der Arbeit­neh­mer durch­weg für ver­fas­sungs­wid­rig gehal­ten. Nun­mehr ist es Auf­ga­be des Bun­des­ver­fas­sungs­ge­richts, über die Ver­fas­sungs­mä­ßig­keit der „Rei­chen­steu­er” im Jahr 2007 zu ent­schei­den. Dort wird aller Vor­aus­sicht nach der Zwei­te Senat für das Ver­fah­ren zustän­dig sein.

Pas­sau emp­fahl, dies zu beach­ten und ggfs. steu­er­li­chen Rat in Anspruch zu neh­men, wobei er dabei u. a. auf den DUV Deut­schen Unter­neh­mens­steu­er Ver­band — www.duv-verband.de — ver­wies. 

Für Rück­fra­gen steht Ihnen zur Ver­fü­gung:

Jörg Pas­sau
Steu­er­be­ra­ter
DUV Vize­prä­si­dent und geschäfts­füh­ren­des Vor­stands­mit­glied
Pas­sau, Nie­mey­er & Col­le­gen
Walk­er­damm 1
24103 Kiel
Tel:  0431 — 974 3010
Fax: 0431 — 974 3055
Email: info@duv-verband.de
www.duv-verband.de