(Kiel) Der Bun­des­fi­nanz­hof (BFH) hat soeben ent­schie­den, dass das Finanz­amt (FA) auch in Fäl­len, in denen der Steu­er­pflich­ti­ge sei­ner Mit­wir­kungs­pflicht bei einer Außen­prü­fung schuld­haft nicht nach­ge­kom­men ist, ein Ver­zö­ge­rungs­geld nicht ohne nähe­re Begrün­dung fest­set­zen darf.

Dar­auf ver­weist der Kie­ler Steu­er­be­ra­ter Jörg Pas­sau, Vize­prä­si­dent und geschäfts­füh­ren­des Vor­stands­mit­glied des DUV Deut­scher Unter­neh­mens­steu­er Ver­band e. V. mit Sitz in Kiel, unter Hin­weis auf die Mit­tei­lung des Bun­des­fi­nanz­hofs (BFH) vom 6.08.2014 zu sei­nem Urteil vom 24. April 2014 — IV R 2511.

Das FA kann gegen den Steu­er­pflich­ti­gen ein Ver­zö­ge­rungs­geld von 2.500 € bis 250.000 € fest­set­zen, wenn die­ser sei­nen Mit­wir­kungs­pflich­ten (u.a. Ertei­lung von Aus­künf­ten oder Vor­la­ge von Unter­la­gen) im Rah­men einer Außen­prü­fung inner­halb einer ange­mes­se­nen Frist nicht nach­kommt (§ 146 Abs. 2b der Abga­ben­ord­nung). Ob es zur Fest­set­zung kommt, steht im Ermes­sen des FA. Die Ermes­sens­er­wä­gun­gen sind von dem FA aus­führ­lich dar­zu­le­gen, um eine gericht­li­che Kon­trol­le der Recht­mä­ßig­keit der Fest­set­zung zu ermög­li­chen. Des­halb muss das FA sämt­li­che Beson­der­hei­ten des Streit­fal­les in sei­ne Ermes­sens­ent­schei­dung ein­be­zie­hen und abwä­gen. So muss es bei­spiels­wei­se — wie im Streit­fall — berück­sich­ti­gen, dass sich der Steu­er­pflich­ti­ge gegen die Vor­la­ge der Unter­la­gen mit einem Antrag auf vor­läu­fi­gen Rechts­schutz gewandt hat und die­ser im Zeit­punkt des Ablaufs der Frist noch nicht beschie­den war. Das Ermes­sen wird zudem feh­ler­haft aus­ge­übt und führt zur Auf­he­bung des Ver­zö­ge­rungs­geld­be­schei­des, wenn das FA frü­he­res (Fehl-)Verhalten des Steu­er­pflich­ti­gen, wel­ches vor der Auf­for­de­rung zur Mit­wir­kung lag, in sei­ne Ermes­sens­er­wä­gun­gen mit ein­be­zieht.

Mit dem Ver­zö­ge­rungs­geld hat der Gesetz­ge­ber der Finanz­ver­wal­tung ein schar­fes Instru­ment an die Hand gege­ben, um den Steu­er­pflich­ti­gen zu einer zeit­na­hen Erfül­lung der Mit­wir­kungs­pflich­ten anzu­hal­ten, aber auch, um etwai­ges Ver­zö­ge­rungs­ver­hal­ten zu sank­tio­nie­ren. Um eine dem Ver­hält­nis­mä­ßig­keits­grund­satz geschul­de­te Waf­fen­gleich­heit zwi­schen der Finanz­ver­wal­tung und Steu­er­pflich­ti­gen zu gewähr­leis­ten, hat der BFH hohe Anfor­de­run­gen an die von der Finanz­ver­wal­tung zu tref­fen­de Ermes­sens­ent­schei­dung gestellt.

Im Streit­fall hat­te das Finanz­ge­richt (FG) dem Antrag des Steu­er­pflich­ti­gen statt­ge­ge­ben und den Bescheid über die Fest­set­zung des Ver­zö­ge­rungs­gelds wegen einer feh­ler­haf­ten Aus­übung des Ermes­sens auf­ge­ho­ben. Der BFH hat die Ent­schei­dung des FG bestä­tigt.

Pas­sau emp­fahl, dies zu beach­ten und ggfs. steu­er­li­chen Rat in Anspruch zu neh­men, wobei er dabei u. a. auf den DUV Deut­schen Unter­neh­mens­steu­er Ver­band – www.duv-verband.de – ver­wies.

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Jörg Pas­sau
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