(Kiel) Das Finanz­ge­richt Rhein­land-Pfalz hat soeben zu der Fra­ge Stel­lung genom­men, wel­che steu­er­li­chen Fol­gen aus unter­las­se­nen Anga­ben zum Bezug von Ren­ten­zah­lun­gen gezo­gen wer­den kön­nen.

Dar­auf ver­weist der Kie­ler Steu­er­be­ra­ter Jörg Pas­sau, Vize­prä­si­dent und geschäfts­füh­ren­des Vor­stands­mit­glied des DUV Deut­scher Unter­neh­mens­steu­er Ver­band e. V. mit Sitz in Kiel,  unter Hin­weis auf die Mit­tei­lung des Finanz­ge­richts (FG) Rhein­land-Pfalz vom 09. Juni 2011 zum Urteil vom 23. März 2011 zur Ein­kom­men­steu­er 1998 bis 2007 (Az.: 2 K 159210).

Im Streit­fall wur­den die Klä­ger zusam­men zur Ein­kom­men­steu­er ver­an­lagt. Der Klä­ger ist pen­sio­nier­ter Beam­ter, wäh­rend die Klä­ge­rin seit dem 1. Juli 1993 als Rent­ne­rin eine Regel­al­ters­ren­te von der Deut­schen Ren­ten­ver­si­che­rung mit Beträ­gen jähr­lich in Höhe von rd. 2860.- DM (1993) bis rd. 4060.- € (2007) bezog. In den abge­ge­be­nen Ein­kom­men­steu­er­erklä­run­gen 1993 bis 2006 hat­ten die Klä­ger jeweils kei­ne Anga­ben zur Ren­te der Klä­ge­rin gemacht, als deren Beruf hat­ten sie stets „Haus­frau” ein­ge­tra­gen. Ledig­lich in der Ein­kom­men­steu­er­erklä­rung 2007 hat­ten sie im Erklä­rungs­vor­druck bei „Ren­ten lt. Anla­ge R für Ehe­frau” ein Kreuz gesetzt, die­se Anla­ge aber zunächst nicht  ein­ge­reicht. Das Finanz­amt (FA) führ­te die Ver­an­la­gun­gen inso­weit erklä­rungs­ge­mäß durch und erließ ent­spre­chen­de Ein­kom­men­steu­er­be­schei­de 1993 bis 2007, die bestands­kräf­tig wur­den.

Im Vor­griff auf die Abga­be der Steu­er­erklä­rung 2008 kam in einem Tele­fon­ge­spräch zwi­schen dem FA und dem Enkel der Klä­ger die Alters­ren­te der Klä­ge­rin zur Spra­che. Dar­auf­hin änder­te im Jah­re 2009 das FA wegen Vor­lie­gens neu­er Tat­sa­chen die Ein­kom­men­steu­er­be­schei­de 1998 bis 2007 dahin, dass die Alters­ren­te der Klä­ge­rin nach den jeweils ein­schlä­gi­gen ein­kom­men­steu­er­recht­li­chen Rege­lun­gen erfasst und ent­spre­chen­de Nach­zah­lun­gen ver­an­lasst wur­den.

Dage­gen waren die Klä­ger u.a. der Ansicht, eine Ände­rung der Steu­er­be­schei­de wegen neu­er Tat­sa­chen kom­me nicht in Betracht. Es sei damals auf ihre Anfra­ge eine Aus­kunft dahin erteilt wor­den, dass die Ren­te der Klä­ge­rin wegen ihrer gerin­gen Höhe nicht steu­er­pflich­tig sei. Da das Geburts­da­tum der Klä­ge­rin sowie der Umstand bekannt gewe­sen sei, dass zur Ren­ten­be­rech­ti­gung füh­ren­de Kin­der­er­zie­hungs­zei­ten vor­ge­le­gen hät­ten, hät­te das FA bei gehö­ri­ger Erfül­lung sei­ner Amts­pflicht auch aus die­sem Grun­de von der Ren­te Kennt­nis haben kön­nen und müs­sen. Dar­über hin­aus sei für die Ver­an­la­gungs­zeit­räu­me 1998 bis 2003 Ver­jäh­rung ein­ge­tre­ten, eine Aus­deh­nung der Ver­jäh­rung auf 10 Jah­re wegen Steu­er­hin­ter­zie­hung kom­me nicht in Betracht. Die Klä­ge­rin sei auf­grund der Infor­ma­ti­on des FA irr­tüm­lich davon aus­ge­gan­gen, dass ihre Ren­te nicht der Besteue­rung unter­lie­ge. Bei die­sem Irr­tum han­de­le es sich um einen Vor­satz aus­schlie­ßen­den Tat­be­standsirr­tum.

Das FG Rhein­land-Pfalz war jedoch der Ansicht, dass das FA befugt und damit auch gleich­zei­tig ver­pflich­tet gewe­sen sei, die Ein­kom­men­steu­er­fest­set­zun­gen 1998 bis 2007 zu Las­ten der Klä­ger zu ändern und wies die gegen die Ände­rungs­be­schei­de gerich­te­te Kla­ge inso­weit ab, so Pas­sau.

Aus­gangs­punkt der gericht­li­chen Über­prü­fung war der Umstand, dass ein Steu­er­pflich­ti­ger den steu­er­lich rele­van­ten Sach­ver­halt dem FA rich­tig, voll­stän­dig und deut­lich zur Prü­fung zu unter­brei­ten hat. Das Gericht war u.a. der Mei­nung, dass im Streit­fall neue Tat­sa­chen gege­ben sei­en. Aus den Akten ergä­ben sich kei­ne objek­ti­ven Hin­wei­se auf einen Ren­ten­be­zug. Eine Ren­te der Klä­ge­rin wer­de an kei­ner Stel­le erwähnt, in den Steu­er­erklä­run­gen sei als Beruf immer „Haus­frau” und nicht „Rent­ne­rin” ange­ge­ben wor­den. Ein Hin­weis, dass auf die genaue Dekla­ra­ti­on der Ren­te wegen einer Aus­kunft, sie sei steu­er­frei, ver­zich­tet wor­den wäre, gebe es nicht. Dem FA sei der Ren­ten­be­zug daher nicht bekannt gewe­sen. Allein aus dem Alter der Klä­ge­rin und dem Vor­lie­gen von Kin­der­er­zie­hungs­zei­ten kön­ne nicht ohne Wei­te­res auf einen Ren­ten­be­zug geschlos­sen wer­den. Die Klä­ger hät­ten damit unvoll­stän­di­ge Anga­ben gemacht, obwohl auf Sei­te 1 der Anlei­tun­gen zu den Ein­kom­men­steu­er­erklä­run­gen alle Rent­ner mit dem Hin­weis ange­spro­chen wür­den, dass eine ent­spre­chen­de Anla­ge abzu­ge­ben sei. Eine Ände­rung sei auch für 2007 zuläs­sig. Zwar sei in der Steu­er­erklä­rung erst­mals ein Ren­ten­be­zug ange­ge­ben wor­den, die erfor­der­li­che Anla­ge sei aber nicht aus­ge­füllt wor­den.   

Für die Ver­an­la­gungs­zeit­räu­me 1998 bis 2003 sei kei­ne Ver­jäh­rung ein­ge­tre­ten, denn im Streit­fall sei vom Vor­lie­gen einer Steu­er­hin­ter­zie­hung aus­zu­ge­hen (Ver­län­ge­rung der Ver­jäh­rungs­frist auf 10 Jah­re, also zurück bis ein­schließ­lich 1998). Für eine Steu­er­hin­ter­zie­hung sei es aus­rei­chend, wenn der Steu­er­pflich­ti­ge anhand einer u.U. lai­en­haf­ten Bewer­tung der Tat­sa­chen erken­ne, dass ein Steu­er­an­spruch exis­tiert, auf den er ein­wir­ken kön­ne, denn sonst käme nur die Straf­bar­keit von Steu­er­fach­leu­ten in Betracht. Indem die Klä­ger in ihren Ein­kom­men­steu­er­erklä­run­gen kei­ne Anga­ben zur Ren­te der Klä­ge­rin gemacht hät­ten, so dass deren steu­er­pflich­ti­ger Teil bei der Ein­kom­men­steu­er­fest­set­zung unbe­rück­sich­tigt geblie­ben sei, hät­ten sie den objek­ti­ven Tat­be­stand der Steu­er­hin­ter­zie­hung erfüllt. Dies sei nach Über­zeu­gung des Senats auch in der Absicht gesche­hen, die ent­spre­chen­den Ein­künf­te zu ver­schlei­ern. Die Klä­ger hät­ten es von 1993 an unter­las­sen, die Ren­te der Klä­ge­rin zu erklä­ren oder auch nur auf sie hin­zu­wei­sen, obwohl in den Anlei­tun­gen zur Ein­kom­men­steu­er­erklä­run­gen aller Streit­jah­re — dort gleich auf der ers­ten Sei­te — alle Rent­ner ange­spro­chen und auf­ge­for­dert wür­den eine ent­spre­chen­de Anla­ge abzu­ge­ben. In den von den Klä­gern abge­ge­ben Anla­gen zu Kapi­tal­ein­künf­ten sei auf deren Rück­sei­te aus­drück­lich nach sämt­li­chen Alters­ru­he­gel­dern, getrennt nach Ehe­mann und Ehe­frau, gefragt wor­den, ohne dass sich hier­aus ein Hin­weis auf irgend­ei­ne Min­dest­gren­ze oder einen „Ren­ten­frei­be­trag” her­aus­le­sen lie­ße. Zudem sei durch­gän­gig als Beruf „Haus­frau” und nicht „Rent­ne­rin” ange­ge­ben wor­den. Die von den Klä­gern ange­spro­che­ne Aus­kunft, die Ren­te sei steu­er­frei, sei dem­ge­gen­über nicht hin­rei­chend erläu­tert wor­den. Die Klä­ger hät­ten eben nicht dar­ge­legt (noch erge­be sich das aus den Ver­wal­tungs­ak­ten), wer die­se Aus­kunft wann, wo und bei wel­cher Gele­gen­heit gege­ben habe sol­le. Das Urteil ist noch nicht rechts­kräf­tig, die Revi­si­on wur­de nicht zuge­las­sen.

Pas­sau emp­fahl, dies zu beach­ten und ggfs. steu­er­li­chen und/oder steu­er­straf­recht­li­chen Rat in Anspruch zu neh­men, wobei er dabei u. a. auf den DUV Deut­schen Unter­neh­mens­steu­er Ver­band — www.duv-verband.de — ver­wies.

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Jörg Pas­sau
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