(Kiel) Das Finanz­ge­richt (FG) Rhein­land-Pfalz hat soeben zur Fra­ge der regel­mä­ßi­gen Arbeits­stät­te eines Pilo­ten Stel­lung genom­men.

Dar­auf ver­weist der Kie­ler Steu­er­be­ra­ter Jörg Pas­sau, Vize­prä­si­dent und geschäfts­füh­ren­des Vor­stands­mit­glied des DUV Deut­scher Unter­neh­mens­steu­er Ver­band e. V. mit Sitz in Kiel,  unter Hin­weis auf die Mit­tei­lung des Finanz­ge­richts (FG) Rhein­land-Pfalz vom 2.11.2012 zum Urteil zur Ein­kom­men­steu­er 2007 vom 21. Sep­tem­ber 2012 (Az.: 3 K 174010).

Der Klä­ger ist von Beruf Pilot und als Flug­zeug­füh­rer bei einer Flug­ge­sell­schaft beschäf­tigt. Nach Erge­hen des Ein­kom­men­steu­er­be­schei­des 2007 wur­de von dem Klä­ger wegen ver­schie­de­ner — hier nicht ange­spro­che­ner — Streit­punk­te im Jah­re 2010 Kla­ge vor dem FG erho­ben.

Nach­dem der Bun­des­fi­nanz­hof (BFH) im Jah­re 2011 sei­ne bis­he­ri­ge Recht­spre­chung zur regel­mä­ßi­gen Arbeits­stät­te eines Arbeit­neh­mers (AN) dahin geän­dert hat­te, dass ein AN nur noch eine regel­mä­ßi­ge Arbeits­stät­te haben kön­ne und dass der Hei­mat­flug­ha­fen bei einem Pilo­ten nicht mehr als regel­mä­ßi­ge Arbeits­stät­te anzu­se­hen sei, erwei­ter­te der Klä­ger sei­ne Kla­ge. Er bean­trag­te, den Flug­ha­fen Frank­furt nicht mehr als regel­mä­ßi­ge Arbeits­stät­te anzu­se­hen. Bis­her habe das Finanz­amt die Fahr­ten zwi­schen sei­ner Woh­nung und dem Flug­ha­fen Frank­furt nur mit der Ent­fer­nungs­pau­scha­le (0,30 € pro Ent­fer­nungs­ki­lo­me­ter) bei den Wer­bungs­kos­ten aus nicht­selb­stän­di­ger Arbeit berück­sich­tigt. Gehe man jedoch davon aus, dass das Cock­pit als sei­ne regel­mä­ßi­ge Arbeits­stel­le anzu­se­hen sei, müss­ten die Fahr­ten zum Flug­ha­fen nach Dienst­rei­se­grund­sät­zen (0,30 € pro tat­säch­lich gefah­re­nem Kilo­me­ter) ange­setzt wer­den.

Die Kla­ge war in die­sem Streit­punkt (zwar) erfolg­reich.

Das FG Rhein­land-Pfalz führ­te u.a. aus, so Pas­sau, dass ver­fah­rens­recht­lich von einer zuläs­si­gen Kla­ge­er­wei­te­rung aus­zu­ge­hen sei. Eine Anfech­tungs­kla­ge gegen einen Ein­kom­men­steu­er­be­scheid sei regel­mä­ßig auch inso­weit mög­lich, als sie nach Ablauf der Kla­ge­frist erwei­tert wer­de. Der Son­der­fall, dass ein Klä­ger ein­deu­tig zu erken­nen gege­ben habe, er wol­le von einem wei­ter­ge­hen­den Kla­ge­be­geh­ren abse­hen, lie­ge hier nicht vor. 

Wei­ter sei der BFH im Jah­re 2011 von sei­ner frü­he­ren Recht­spre­chung abge­rückt, nach der der Hei­mat­flug­ha­fen eines Pilo­ten als sei­ne regel­mä­ßi­ge Arbeits­stät­te anzu­se­hen war. Nach der neu­en Recht­spre­chung sei aber bei einem Pilo­ten davon aus­zu­ge­hen, dass die­ser im Cock­pit des ihm zuge­wie­sen Flug­zeu­ges schwer­punkt­mä­ßig tätig wer­de. Damit ver­fü­ge ein Pilot nicht über einen dau­er­haft ange­leg­ten orts­ge­bun­de­nen Bezugs­punkt sei­ner beruf­li­chen Tätig­keit und gehe daher einer Aus­wärts­tä­tig­keit nach. Der Abzug der Fahrt­kos­ten des Klä­gers vom und zum Flug­ha­fen sei daher nicht auf die Ent­fer­nungs­pau­scha­le beschränkt.

 Obwohl das FG Rhein­land-Pfalz der neu­en Recht­spre­chung des BFH folg­te, ließ es — mit aus­führ­li­cher Begrün­dung - die Revi­si­on zu: Sinn und Zweck der Abzugs­be­schrän­kung durch den Ansatz der Ent­fer­nungs­pau­scha­le sei der Umstand, dass sich der AN auf die immer glei­chen Wege zu sei­ner regel­mä­ßi­gen Arbeits­stel­le ein­stel­len und auf eine Min­de­rung der Wege­kos­ten hin­wir­ken kön­ne (z.B. Fahr­ge­mein­schaf­ten, Nut­zung öffent­li­cher Ver­kehrs­mit­tel, Wohn­sitz­nah­me, o.ä.). Im Streit­fall bedür­fe es für die Tätig­keit des Klä­gers jedoch zwin­gend einer betrieb­li­chen Ein­rich­tung des Arbeit­ge­bers als orts­ge­bun­de­nen Aus­gangs- und End­punkt der Flug­tä­tig­keit im Cock­pit des ihm zuge­wie­se­nen Flug­zeu­ges für Start und Lan­dung. Der Hei­mat­flug­ha­fen sei — von Beson­der­hei­ten abge­se­hen — auch regel­mä­ßig Ziel und Abschluss der Flug­tä­tig­keit eines Pilo­ten. Hin­zu kom­me, dass von Pilo­ten durch den Arbeit­ge­ber regel­mä­ßig ver­langt wer­de, im Ein­zugs­be­reich des Flug­ha­fens über eine Unter­kunft zu ver­fü­gen. Der Klä­ger kön­ne sich daher auf die immer glei­chen Wege von sei­ner Woh­nung zu sei­nem Hei­mat­flug­ha­fen in unter­schied­li­cher Wei­se ein­stel­len und auf eine Min­de­rung sei­ner Kos­ten hin­wir­ken, so dass es dem Sinn und Zweck der Ent­fer­nungs­pau­scha­le ent­spre­chen wür­de, den Webungs­kos­ten­ab­zug auf die Ent­fer­nungs­ki­lo­me­ter zu beschrän­ken. Des­we­gen bedür­fe es der höchst­rich­ter­li­chen Klä­rung der Fra­ge, ob der Hei­mat­flug­ha­fen eines Pilo­ten nicht doch eine regel­mä­ßi­ge Arbeits­stät­te im Sin­ne der Abzugs­be­schrän­kung der Ent­fer­nungs­pau­scha­le dar­stel­le. Dem­nach sei die Revi­si­on zuzu­las­sen.

Pas­sau emp­fahl, dies und einen etwai­gen Fort­gang zu beach­ten und ggfs. steu­er­li­chen Rat in Anspruch zu neh­men, wobei er dabei u. a. auf den DUV Deut­schen Unter­neh­mens­steu­er Ver­band — www.duv-verband.de — ver­wies.

 

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Jörg Pas­sau
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