(Kiel) Das Finanz­ge­richt Rhein­land-Pfalz hat soeben zur Fra­ge der Ange­mes­sen­heit von Betriebs­aus­ga­ben Stel­lung genom­men, hier der eines „Luxus­han­dys”.

Dar­auf ver­weist der Kie­ler Steu­er­be­ra­ter Jörg Pas­sau, Vize­prä­si­dent und geschäfts­füh­ren­des Vor­stands­mit­glied des DUV Deut­scher Unter­neh­mens­steu­er Ver­band e. V. mit Sitz in Kiel,  unter Hin­weis auf die Mit­tei­lung des Finanz­ge­richts (FG) Rhein­land-Pfalz vom 3. August 2011 zu sei­nem Urteil zur Ein­kom­men­steu­er 2007 vom 14. Juli 2011 (Az.: 6 K 213710).

In der Ein­kom­men­steu­er­erklä­rung 2007 mach­te der als Zahn­arzt täti­ge Klä­ger eine zeit­an­tei­li­ge AfA (Abset­zung für Abnut­zung) in Höhe von 289.- € für ein am 5. Novem­ber 2007 zum Preis von 5.200.- € gekauf­tes Han­dy (Abschrei­bungs­zeit­raum 3 Jah­re) als Betriebs­aus­ga­ben der Zahn­arzt­pra­xis gel­tend . Bei dem Han­dy han­delt es sich um ein hand­ge­fer­tig­tes, hoch­wer­ti­ges Tele­fon der Mar­ke V, einem Her­stel­ler von Luxus- Mobil­te­le­fo­nen. Die Tele­fo­ne die­ses Her­stel­lers sind nicht zuletzt durch die Ver­wen­dung von Edel­me­tal­len wie Gold oder Pla­tin und inno­va­ti­ven Werk­stof­fen wie Liquid­me­tal­len, Dia­man­ten, oder Kera­mik teu­rer als die Tele­fo­ne ande­rer Her­stel­ler. 

Bei einer Außen­prü­fung bewer­te­te die Betriebs­prü­fe­rin die Anschaf­fungs­kos­ten des Mobil­te­le­fons als unan­ge­mes­sen und ver­sag­te inso­weit die Aner­ken­nung als Betriebs­aus­ga­ben; für den Geschäfts­er­folg eines Zahn­arz­tes sei ein hand­ge­ar­bei­te­tes Han­dy nicht bedeu­tend. Zudem argu­men­tier­te das Finanz­amt, ein „nor­ma­les” Han­dy rei­che aus, um die Erreich­bar­keit eines Zahn­arz­tes an 2 – 3 Bereit­schafts­wo­chen­en­den im Jahr zu gewähr­leis­ten, es sei allen­falls ein ein­ma­li­ger Pau­schal­be­trag in Höhe von 300.- € bei den Betriebs­aus­ga­ben anzu­set­zen. 

Die ange­streng­te Kla­ge begrün­de­te der Klä­ger u.a. damit, dass er dar­auf geach­tet habe, ein wider­stands­fä­hi­ges Han­dy zu erwer­ben, das er für ca. 10 Jah­re und damit län­ger als güns­ti­ge­re Model­le nut­zen kön­ne; die Fra­ge der Ange­mes­sen­heit stel­le sich nicht im Hin­blick auf die Höhe des Anschaf­fungs­prei­ses, son­dern nur im Hin­blick auf das ange­schaff­te Wirt­schafts­gut. Auch habe das Han­dy einen beson­ders guten Emp­fang. Zudem sei die gesam­te Aus­stat­tung der Pra­xis sehr hoch­wer­tig, so dass das Han­dy nicht als unan­ge­mes­sen her­aus­ste­chen wür­de. 

Die Kla­ge hat­te jedoch kei­nen Erfolg, so Pas­sau. 

Das FG Rhein­land-Pfalz führ­te u.a. aus, bei Beant­wor­tung der Fra­ge, ob Auf­wen­dun­gen, die die Lebens­füh­rung berüh­ren, nach all­ge­mei­ner Ver­kehrs­auf­fas­sung als unan­ge­mes­sen anzu­se­hen sei­en, müs­se — unter Beach­tung der gesetz­li­chen Rege­lung des Ein­kom­men­steu­er­ge­set­zes — auf die Anschau­ung brei­tes­ter Bevöl­ke­rungs­krei­se abge­stellt wer­den. Die Anschau­ung brei­tes­ter Bevöl­ke­rungs­krei­se sei eine gerichts­be­kann­te Tat­sa­che. 

Eine betrieb­li­che Ver­an­las­sung zur Anschaf­fung des Han­dys sei wegen der zahn­ärzt­li­chen Bereit­schafts­diens­te zwar unbe­strit­ten. Für die beruf­lich­te Tätig­keit des Klä­gers hät­te es aller­dings aus­ge­reicht, wenn er sei­ne Erreich­bar­keit an den 2 – 3 Bereit­schafts­wo­chen­en­den durch ein gewöhn­li­ches Mobil­funk­ge­rät sicher gestellt hät­te. Grün­de dafür, dass ein Gerät mit einem beson­ders guten Emp­fang not­wen­dig gewe­sen sei, sei­en nicht vor­ge­tra­gen wor­den. Dass sich der Klä­ger zum Erwerb eines hand­ge­fer­tig­ten hoch­wer­ti­gen Tele­fons eines Luxus­her­stel­lers mit über die blo­ße Funk­ti­ons­fä­hig­keit als Tele­fon hin­aus­ge­hen­den Eigen­schaf­ten ent­schie­den habe, sei jeden­falls nicht allein durch betrieb­li­che Not­wen­dig­kei­ten zu erklä­ren. 

Die Auf­wen­dun­gen sei­en auch unan­ge­mes­sen. Sie berühr­ten so stark die Lebens­füh­rung des Klä­gers, dass die betrieb­li­che Ver­an­las­sung dabei voll­stän­dig zurück trä­te. Set­ze man den Preis für ein Mobil­te­le­fon mit dem Beklag­ten zum — inso­weit unbe­strit­te­nen — Preis von 300.- € an, so ergä­be sich im Ver­hält­nis zum streit­ge­gen­ständ­li­chen Han­dy ein betrieb­li­cher Ver­an­las­sungs­an­teil von 5,8%. Ent­spre­chend der zu § 12 des Ein­kom­men­steu­er­ge­set­zes nach der Recht­spre­chung auf­ge­stell­ten Gren­ze von 10% sei die­ser betrieb­li­che Ver­an­las­sungs­an­teil der­art gering, dass er zu ver­nach­läs­si­gen sei. Eine Prü­fung der Ange­mes­sen­heit im Ver­hält­nis zum Jah­res­um­satz des Klä­gers kön­ne daher unter­blei­ben. 

Im Hin­blick auf die vor­ge­tra­ge­ne hoch­wer­ti­ge Pra­xis­aus­stat­tung ent­fal­te das Mobil­te­le­fon kei­nen Bei­trag zur Behand­lung, es wer­de auch nicht im Vor­feld der Behand­lung sicht­bar. Soweit der Klä­ger auf eine zehn­jäh­ri­ge Nut­zungs­dau­er abstel­le, sei dar­auf hin­zu­wei­sen, dass er in sei­ner Ein­kom­men­steu­er­erklä­rung selbst von einer nur drei­jäh­ri­gen Nut­zungs­dau­er aus­ge­gan­gen sei, was der Nut­zungs­dau­er nor­ma­ler Gerä­te ent­spre­che. Die vom Gericht ver­tre­te­ne Auf­fas­sung ent­spre­che auch der Anschau­ung brei­tes­ter Bevöl­ke­rungs­krei­se. Aus deren Sicht sei es nicht nach­voll­zieh­bar, war­um ein Zahn­arzt ein Luxus­han­dy zur Sicher­stel­lung sei­ner Erreich­bar­keit erwer­ben müs­se, wo er dies auch zu einem wesent­lich gerin­ge­ren Preis errei­chen kön­ne. 

Die Revi­si­on wur­de nicht zuge­las­sen. Das Urteil ist noch nicht rechts­kräf­tig.

Pas­sau emp­fahl, den Aus­gang zu beach­ten und ggfs. steu­er­li­chen Rat in Anspruch zu neh­men, wobei er dabei u. a. auf den DUV Deut­schen Unter­neh­mens­steu­er Ver­band — www.duv-verband.de — ver­wies.

Für Rück­fra­gen steht Ihnen zur Ver­fü­gung: 

Jörg Pas­sau
Steu­er­be­ra­ter
DUV Vize­prä­si­dent und geschäfts­füh­ren­des Vor­stands­mit­glied
Pas­sau, Nie­mey­er & Col­le­gen
Walk­er­damm 1
24103 Kiel
Tel:  0431 — 974 3010
Fax: 0431 — 974 3055
Email: info@duv-verband.de
www.duv-verband.de