(Kiel)  Mit Urteil zur Abga­ben­ord­nung vom 8. Febru­ar 2012 (Az.: 2 K 189310) hat sich das Finanz­ge­richt (FG) Rhein­land-Pfalz zu der abga­ben­recht­li­chen Fra­ge geäu­ßert, ob ein die Steu­er-Zah­lungs­ver­jäh­rung unter­bre­chen­der Voll­stre­ckungs­auf­schub nur dann ange­nom­men wer­den kann, wenn die­ser schrift­lich erteilt wor­den ist.

Dar­auf ver­weist der Kie­ler Steu­er­be­ra­ter Jörg Pas­sau, Vize­prä­si­dent und geschäfts­füh­ren­des Vor­stands­mit­glied des DUV Deut­scher Unter­neh­mens­steu­er Ver­band e. V. mit Sitz in Kiel,  unter Hin­weis auf die Mit­tei­lung des Finanz­ge­richts (FG) Rhein­land-Pfalz vom 13.03.2012.

Die Klä­ge­rin hat­te Steu­er­rück­stän­de in Höhe von rd. 35.000,- € (Haupt­for­de­rung Ein­kom­men­steu­er etc. rd. 8.000.- €, Säum­nis­zu­schlä­ge rd. 27.000.- €), die Steu­er­for­de­run­gen waren in den Jah­ren 1995 bis 1999 fäl­lig gewor­den. Zur Erör­te­rung, wie die aus­ste­hen­den Rück­stän­de getilgt wer­den könn­ten, sprach die Klä­ge­rin am 16. Mai 2001 am Finanz­amt (FA) vor. In dem Gespräch wur­de ihr mit­ge­teilt, dass sie wei­ter­hin per Dau­er­auf­trag monat­lich 300.- € an das FA über­wei­sen sol­le. In der Fol­ge­zeit leis­te­te die Klä­ge­rin die auf­er­leg­ten Raten­zah­lun­gen regel­mä­ßig. Im Jah­re 2007 teil­te sie jedoch dem FA mit, Ihrer Ansicht nach sei zum 31. Dezem­ber 2006 Zah­lungs­ver­jäh­rung ein­ge­tre­ten. Der im münd­li­chen Gespräch am 16. Mai 2001 zuge­sag­te „Voll­stre­ckungs­auf­schub” kön­ne nicht als ver­jäh­rungs­un­ter­bre­chen­de Hand­lung ange­se­hen wer­den, da es sich hier­bei nur um eine inner­dienst­li­che Maß­nah­me ohne Außen­wir­kung gehan­delt habe. Das FA schloss sich die­ser Sicht­wei­se nicht an, wes­we­gen es zu einem Kla­ge­ver­fah­ren vor dem FG Rhein­land-Pfalz kam. 

Die Kla­ge hat­te aller­dings kei­nen Erfolg, so Pas­sau. 

Das FG Rhein­land-Pfalz führ­te u.a. aus, die Zah­lungs­ver­jäh­rung eines Steu­er­an­spruchs wer­de „durch Voll­stre­ckungs­auf­schub” unter­bro­chen. Die Ver­jäh­rungs­un­ter­bre­chung daue­re fort, bis der Voll­stre­ckungs­auf­schub abge­lau­fen sei. Soweit die Klä­ge­rin mei­ne, hin­sicht­lich der Bespre­chung vom 16. Mai 2001 lie­ge eine ver­jäh­rungs­un­ter­bre­chen­de Hand­lung nicht vor, weil die Zusa­ge nicht schrift­lich erteilt wor­den sei, folg­te dem der Senat nicht. Dem Gesetz und der Recht­spre­chung des Bun­des­fi­nanz­hofs las­se sich ein sol­ches Schrift­form­erfor­der­nis nicht ent­neh­men. Zu beach­ten sei nur, dass eine Hand­lung oder Maß­nah­me, um die Unter­bre­chung der Zah­lungs­ver­jäh­rung her­bei­füh­ren zu kön­nen, den inne­ren Dienst­be­reich über­schrei­ten müs­se. An der münd­li­chen Mit­tei­lung des Voll­stre­ckungs­auf­schubs durch das FA bestän­den im Streit­fall jedoch kei­ne Zwei­fel.

Im Übri­gen sei dar­auf hin­zu­wei­sen, dass ein Ver­wal­tungs­akt nur dann schrift­lich, bzw. durch „Bescheid” zu erlas­sen sei, wenn dies — wie bei­spiels­wei­se für einen Haf­tungs- bzw. Dul­dungs­be­scheid — gesetz­lich vor­ge­schrie­ben sei. Für die Ver­jäh­rungs­un­ter­bre­chung bedür­fe es kei­nes „schrift­li­chen” Voll­stre­ckungs­auf­schu­bes. Unzu­tref­fend sei auch der Ein­wand der Klä­ge­rin, der Voll­stre­ckungs­auf­schub sei nich­tig, weil mit einer kurz­fris­ti­gen Til­gung der Steu­er­schuld nicht gerech­net wer­den kön­ne. Ent­schei­dend sei, dass der Voll­stre­ckungs­schuld­ner erken­nen kön­ne, dass das FA den Steu­er­an­spruch wei­ter­hin durch­set­zen wol­le. Hier­an hät­te es für die Klä­ge­rin nach dem Gespräch vom 16. Mai 2001 kei­ne ernst­haf­ten Zwei­fel geben kön­nen. Sie sei daher in kei­nem Fal­le schutz­wür­dig. Die Revi­si­on wur­de nicht zuge­las­sen, das Urteil ist noch nicht rechts­kräf­tig.

Pas­sau emp­fahl, dies zu beach­ten und ggfs. steu­er­li­chen Rat in Anspruch zu neh­men, wobei er dabei u. a. auf den DUV Deut­schen Unter­neh­mens­steu­er Ver­band — www.duv-verband.de — ver­wies.

 

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