(Kiel)  Mit rechts­kräf­ti­gem Urteil vom 19. Febru­ar 2014 (1 K 242311) hat das Finanz­ge­richt Rhein­land-Pfalz (FG) ent­schie­den, dass ein Ver­ein, des­sen Ver­eins­zweck das gemein­schaft­li­che Aus­üben von (Turnier-)Paintball ist, nicht als gemein­nüt­zig im Sin­ne der Abga­ben­ord­nung (AO) anzu­se­hen und des­halb auch nicht von der Kör­per­schaft­steu­er befreit ist.

Dar­auf ver­weist der Kie­ler Steu­er­be­ra­ter Jörg Pas­sau, Vize­prä­si­dent und geschäfts­füh­ren­des Vor­stands­mit­glied des DUV Deut­scher Unter­neh­mens­steu­er Ver­band e. V. mit Sitz in Kiel,  unter Hin­weis auf die Mit­tei­lung des Finanz­ge­richts Rhein­land-Pfalz­vom 5.05.2014 zu sei­nem Urteil.

Der Klä­ger – ein im Juni 2010 gegrün­de­ter Paint­ball-Ver­ein — bean­trag­te die Fest­stel­lung der Gemein­nüt­zig­keit und den Erlass einer vor­läu­fi­gen Frei­stel­lungs­be­schei­ni­gung (zur Kör­per­schaft­steu­er). Das beklag­te Finanz­amt folg­te die­sem Antrag nicht und erließ am 01. Juni 2011 einen Bescheid über Kör­per­schaft­steu­er für 2010 mit der Begrün­dung, Paint­ball sei nicht als gemein­nüt­zi­gen Zwe­cken die­nend i.S.d. § 52 Abs. 2 AO aner­kannt und fal­le ins­be­son­de­re nicht unter die Rege­lung des § 52 Abs. 2 Nr. 21 AO (För­de­rung des Sports). Den hier­ge­gen erho­be­nen und im Wesent­li­chen mit einem Unter­schied zwi­schen Paint­ball und Tur­nier-Paint­ball begrün­de­ten Ein­spruch wies das Finanz­amt mit Ein­spruchs-ent­schei­dung vom 07. Novem­ber 2011 zurück. Zur Begrün­dung wur­de aus­ge­führt, die Vor­aus­set­zun­gen des § 52 Abs. 1 AO lägen nicht vor. Danach ver­fol­ge eine Kör­per­schaft gemein­nüt­zi­ge Zwe­cke, wenn ihre Tätig­keit dar­auf gerich­tet sei, die All­ge­mein­heit auf mate­ri­el­lem, geis­ti­gem oder sitt­li­chem Gebiet selbst­los zu för­dern. Gemäß § 52 Abs. 2 Nr. 21 AO sei unter den Vor­aus­set­zun­gen des Absat­zes 1 die För­de­rung des Sports als För­de­rung der All­ge­mein­heit anzu­er­ken­nen. Die Ver­eins­mit­glie­der des Paint­ball-Ver­eins übten zwar begriff­lich “Sport” aus, der Ver­ein ver­fol­ge aber gleich­zei­tig eine Tätig­keit, die als all­ge­mein­wohl­schäd­lich ein­zu­ord­nen sei. Paint­ball-Spie­le aller Varia­tio­nen ent­sprä­chen nicht der Wert­ord­nung unse­rer Gesell­schaft, weil die Gefahr des Abstump­fens, des Abbaus von Hemm­schwel­len und der För­de­rung der Anwen­dung von Gewalt bestehe.

Die dage­gen erho­be­ne Kla­ge wies das FG mit – inzwi­schen rechts­kräf­ti­gem — Urteil vom 19. Febru­ar 2014 (1 K 242311) ab.

Auch das FG ver­trat die Auf­fas­sung, dass ein Ver­ein, des­sen Ver­eins­zweck das gemein­schaft­li­che Aus­üben von (Turnier-)Paintball ist, nicht als gemein­nüt­zig im Sin­ne der Abga­ben­ord­nung (AO) aner­kannt wer­den kön­ne. Das Paint­ball­spiel – so das FG – möge zwar seit sei­ner “Erfin­dung” unter­schied­li­che Ent­wick­lun­gen genom­men haben und inzwi­schen z.B. in der Form des Tur­nier-Paint­balls prak­ti­ziert wer­den. Gleich­wohl sei­en die das Spiel prä­gen­den Eigen­schaf­ten unver­än­dert fest­stell­bar, auch wenn sich die äuße­ren Umstän­de (wie z.B. Klei­dung, Spiel­fel­der, Spiel­ge­rä­te) und auch die Ver­brei­tung sowie Orga­ni­sa­ti­on wei­ter­ent­wi­ckelt hät­ten. Kern des Spiels sei nach wie vor, dass mit waf­fen­ähn­li­chen Spiel­ge­rä­ten auf Men­schen gezielt und geschos­sen wer­de mit dem Ziel, die­se zu tref­fen, zu “mar­kie­ren” und zu “eli­mi­nie­ren”, damit letzt­lich die­ser Mensch den Zugriff auf die Flag­ge der geg­ne­ri­schen Mann­schaft nicht mehr ver­hin­dern kön­ne. Der zwei­fels­frei vor­han­de­ne Gesichts­punkt der Aus­übung und Stei­ge­rung kör­per­li­cher Akti­vi­tä­ten und des Wett­kamp­fes wer­de in gemein­nüt­zig­keits­schäd­li­cher Wei­se von dem Aspekt der simu­lier­ten Tötung oder Ver­let­zung von Men­schen wäh­rend des Spiels­ver­laufs mas­siv über­la­gert. Die vom Klä­ger vor­ge­leg­ten Vide­os von ver­schie­de­nen Paint­ball­ver­an­stal­tun­gen doku­men­tier­ten Spiel­ver­läu­fe, die an krie­ge­ri­sche Aus­ein­an­der­set­zun­gen zwi­schen (jeden­falls zum gro­ßen Teil) mar­tia­lisch ver­klei­de­ten Teil­neh­mern erin­ner­ten und nicht zuletzt den Ein­druck einer mili­tä­ri­schen Übung etwa in der Form eines “Häu­ser­kamp­fes” ver­mit­tel­ten. Inso­fern bestehe auch ein Unter­schied zu den bei Schüt­zen­ver­ei­nen ange­bo­te­nen bzw. aus­ge­üb­ten Sport­ar­ten. Dort kämen zwar “ech­te Waf­fen” (etwa Gewehr, Pis­to­le oder Bogen) zum Ein­satz, es wer­de jedoch nicht – wie beim Paint­ball — auf Men­schen gezielt und es wür­den auch kei­ne Ver­let­zungs- oder Tötungs­sze­nen an Men­schen nach­ge­ahmt. Nach dem Waf­fen­ge­setz sei­en beim Schieß­sport sogar bereits sol­che Schieß­übun­gen unzu­läs­sig, bei denen Zie­le oder Schei­ben ver­wen­det wür­den, die Men­schen (nur) dar­stel­len oder sym­bo­li­sie­ren wür­den. Beim Paint­ball­spiel hin­ge­gen wer­de sogar tat­säch­lich auf rea­le Men­schen geschos­sen, wes­halb die­ses Spiel mit der Wer­te­ord­nung unse­rer Gesell­schaft nicht ansatz­wei­se in Ein­klang zu brin­gen sei.

Pas­sau emp­fahl, dies zu beach­ten und ggfs. steu­er­li­chen Rat in Anspruch zu neh­men, wobei er dabei u. a. auf den DUV Deut­schen Unter­neh­mens­steu­er Ver­band – www.duv-verband.de – ver­wies.

 

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