(Kiel) Mit inzwi­schen rechts­kräf­ti­gem Urteil vom 8. Mai 2014 (6 K 148611) hat das Finanz­ge­richt Rhein­land-Pfalz (FG) ent­schie­den, dass ein ver­lust­brin­gen­der Fri­seur­sa­lon als Lieb­ha­be­rei­be­trieb ein­zu­stu­fen ist.

Dar­auf ver­weist der Kie­ler Steu­er­be­ra­ter Jörg Pas­sau, Vize­prä­si­dent und geschäfts­füh­ren­des Vor­stands­mit­glied des DUV Deut­scher Unter­neh­mens­steu­er Ver­band e. V. mit Sitz in Kiel, unter Hin­weis auf die Mit­tei­lung des Finanz­ge­richts Rhein­land-Pfalz vom 1.08.2014 zu sei­nem Urteil.
Die Klä­ge­rin ist Fri­seur­meis­te­rin, der Klä­ger — ihr Ehe­mann — erzielt als tech­ni­scher Ange­stell­ter Ein­künf­te aus nicht­selbst­stän­di­ger Arbeit. Die Klä­ge­rin eröff­ne­te zunächst einen klei­nen Fri­seur­sa­lon (ein Sitz­platz und ein Wasch­be­cken) in ihrer Miet­woh­nung. Nach zwei Jah­ren zogen sie und ihr Ehe­mann in ein (jedem zur Hälf­te gehö­ren­den) Eigen­heim. Einen Teil des Hau­ses mie­te­te die Klä­ge­rin von Ihrem Ehe­mann und betrieb nun dort ihren Fri­seur­sa­lon, den sie auf zwei Wasch­be­cken und vier Sitz­plät­ze erwei­ter­te. In der Zeit von 1992 bis 2008 erwirt­schaf­te­te sie Ver­lus­te in Höhe von ins­ge­samt 66.681,29 €.

Im Streit­jahr 2007 erziel­te die Klä­ge­rin nur Ein­nah­men aus unent­gelt­li­chen Wert­ab­ga­ben (= Eigen­ver­brauch). Die erklär­ten Betriebs­aus­ga­ben betru­gen rund 8.500 €. Sie setz­ten sich zusam­men aus den an den Klä­ger gezahl­ten Mie­ten, den antei­li­gen (auf ihre Hälf­te ent­fal­len­den ) Haus­kos­ten, Abschrei­bun­gen auf Sach­an­la­gen sowie wei­te­ren Posi­tio­nen, in denen Steu­er­be­ra­tungs­kos­ten, Ver­si­che­run­gen, Vor­steu­ern und ande­re Auf­wen­dun­gen ent­hal­ten waren. Das beklag­te Finanz­amt erkann­te den erklär­ten Ver­lust in Höhe von 8.166,75 € man­gels Gewinn­erzie­lungs­ab­sicht nicht mehr an.

Nach erfolg­lo­sem Ein­spruchs­ver­fah­ren erho­ben die Klä­ger Kla­ge beim Finanz­ge­richt Rhein­land-Pfalz. Auch die Kla­ge blieb erfolg­los.
Das FG ließ offen, ob nicht schon die Ver­lus­te für die Vor­jah­re mög­li­cher­wei­se zu Unrecht berück­sich­tigt wor­den waren. Jeden­falls im Streit­jahr 2007 – so das FG — habe kei­ne Gewinn­erzie­lungs­ab­sicht mehr vor­ge­le­gen. Die Klä­ge­rin sei in die­sem Jahr zwar krank­heits­be­dingt nicht in der Lage gewe­sen zu arbei­ten. Um die Kos­ten für das Vor­hal­ten der Infra­struk­tur für die spä­te­re Wie­der­auf­nah­me des Betriebs steu­er­lich aner­ken­nen zu kön­nen, hät­te der Betrieb aber sei­ner Struk­tur nach geeig­net und in der Lage sein müs­sen, Gewin­ne in einem Umfang abzu­wer­fen, der den Ein­nah­me­aus­fall hät­te auf­fan­gen kön­nen. Die in der Ver­gan­gen­heit ange­fal­le­nen Ver­lus­te zeig­ten, dass die­se Vor­aus­set­zun­gen im Streit­fall nicht gege­ben sei­en. Das beklag­te Finanz­amt habe auch zu Recht dar­auf hin­ge­wie­sen, dass die Klä­ge­rin zur Betriebs­auf­ga­be gezwun­gen gewe­sen wäre, wenn die Ver­lus­te nicht mit den Ein­künf­ten des Klä­gers hät­ten aus­ge­gli­chen wer­den kön­nen. Auf­grund der in der Ver­gan­gen­heit erwirt­schaf­te­ten Ver­lus­te habe die Klä­ge­rin über kei­ne Rück­la­gen ver­fügt und hät­te bei der gege­be­nen betrieb­li­chen Struk­tur auch kei­nen Über­brü­ckungs­kre­dit erhal­ten. Die Ver­lus­te hät­ten zudem über­wie­gend auf Haus­kos­ten und Abschrei­bun­gen (AfA) beruht. Dabei hand­le es sich um Aus­ga­ben, die ent­we­der „in der Fami­lie blei­ben“ wür­den (Haus­kos­ten) oder nur fik­ti­ver Natur sei­en (AfA). Nur des­halb hät­ten die­se Auf­wen­dun­gen über Jah­re hin­weg ver­kraf­tet wer­den kön­nen, ohne ent­spre­chen­de Ein­nah­men zu erzie­len. Die Klä­ge­rin sei auf­grund ver­schie­de­ner pri­va­ter Umstän­de (Schwan­ger­schaft, Kin­der­er­zie­hung, Krank­heit) über Jah­re hin­weg nicht in der Lage gewe­sen, in Voll­zeit zu arbei­ten. Des­halb hät­ten die not­wen­di­gen Ein­nah­men gefehlt, um die Betriebs­kos­ten aus­zu­glei­chen. Maß­nah­men zur Ände­rung der Kos­ten­si­tua­ti­on sei­en aller­dings nicht ergrif­fen wor­den. Der Betrieb sei viel­mehr in unver­än­der­ter Wei­se fort­ge­führt wor­den.
Pas­sau emp­fahl, dies zu beach­ten und ggfs. steu­er­li­chen Rat in Anspruch zu neh­men, wobei er dabei u. a. auf den DUV Deut­schen Unter­neh­mens­steu­er Ver­band – www.duv-verband.de – ver­wies.

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Jörg Pas­sau
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