(Kiel) Der Bun­des­fi­nanz­hof hat soeben dem Gerichts­hof der Euro­päi­schen Uni­on Zwei­fels­fra­gen zur Ver­ein­bar­keit der Rege­lung zum sog. Rever­se-Char­ge-Ver­fah­ren vor­ge­legt.

Dar­auf ver­weist der Kie­ler Steu­er­be­ra­ter Jörg Pas­sau, Vize­prä­si­dent und geschäfts­füh­ren­des Vor­stands­mit­glied des DUV Deut­scher Unter­neh­mens­steu­er Ver­band e. V. mit Sitz in Kiel,  unter Hin­weis auf die Mit­tei­lung des Bun­des­fi­nanz­hofs (BFH) vom 3. August 2011 zu sei­nem Beschluss vom 30. Juni 2011 — V R 3710.

Wäh­rend im Regel­fall der leis­ten­de Unter­neh­mer die Umsatz­steu­er abzu­füh­ren hat, schul­det für Leis­tun­gen, die der Her­stel­lung, Instand­set­zung, Instand­hal­tung, Ände­rung oder Besei­ti­gung von Bau­wer­ken die­nen, mit Aus­nah­me von Pla­nungs- und Über­wa­chungs­leis­tun­gen, der Leis­tungs­emp­fän­ger die Umsatz­steu­er, wenn er selbst eben­falls sol­che Leis­tun­gen erbringt.

Die Rege­lung beruht auf der Ermäch­ti­gung des Rates vom 30. März 2004 (2004/290/EG) zum Rever­se-Char­ge-Ver­fah­ren “bei der Erbrin­gung von Bau­leis­tun­gen an einen Steu­er­pflich­ti­gen”. Uni­ons­recht­li­che Zwei­fel bestehen, ob die­se Ermäch­ti­gung nur Bau­di­enst­leis­tun­gen (sons­ti­ge Leis­tun­gen), nicht dage­gen (Werk-)Lieferungen betrifft. Denn nach der maß­geb­li­chen Richt­li­nie (77/388/EWG) kön­nen die Mit­glied­staa­ten “als Lie­fe­run­gen …die Erbrin­gung bestimm­ter Bau­leis­tun­gen betrach­ten.” Dies könn­te dar­auf hin­deu­ten, dass unter Bau­leis­tun­gen nur (Bau-)Dienstleistungen zu ver­ste­hen sind. Falls die Ermäch­ti­gung sich auch auf Lie­fe­run­gen erstreckt, ist wei­ter zu klä­ren, ob der Mit­glied­staat von der Ermäch­ti­gung abwei­chen und Unter­grup­pen bil­den kann. Denn wäh­rend der Rat die Ein­füh­rung des Rever­se-Char­ge-Ver­fah­rens erlaubt, wenn der Leis­tungs­emp­fän­ger “Steu­er­pflich­ti­ger” (d.h. Unter­neh­mer) ist, tritt nach dem deut­schen Umsatz­steu­er­ge­setz die Umkehr der Steu­er­schuld nur ein, wenn der Leis­tungs­emp­fän­ger ein Unter­neh­mer ist, der selbst Bau­leis­tun­gen erbringt. Dies war Anlass für das vor­lie­gen­de Ver­fah­ren; denn die Finanz­ver­wal­tung geht inso­weit davon aus, dass der Leis­tungs­emp­fän­ger beim Bezug einer Bau­leis­tung nur dann Steu­er­schuld­ner ist, wenn zumin­dest 10 % sei­nes “Welt­um­sat­zes” im Vor­jahr aus der­ar­ti­gen Bau­leis­tun­gen besteht. Ob die Klä­ge­rin die “10% Gren­ze” über­schrit­ten hat, war Aus­gangs­punkt des Rechts­streits, so Pas­sau.

Die Ent­schei­dung hat nicht nur für die Ver­gan­gen­heit Bedeu­tung. Die Ermäch­ti­gung wur­de zwar mit Wir­kung zum 1. Janu­ar 2008 durch eine Rege­lung zur Umkehr der Steu­er­schuld­ner­schaft in der Richt­li­nie selbst ersetzt (inzwi­schen Art. 199 der Richt­li­nie 2006/112/EG). Auch die­se Rege­lung ver­wen­det den Begriff “Bau­leis­tun­gen” und nimmt aus­drück­lich auf Art. 5 Satz 5 der Richt­li­nie 77/388/EWG (jetzt Art. 14 Abs. 3 der Richt­li­nie 2006/112/E

Pas­sau emp­fahl, den Aus­gang zu beach­ten und ggfs. steu­er­li­chen Rat in Anspruch zu neh­men, wobei er dabei u. a. auf den DUV Deut­schen Unter­neh­mens­steu­er Ver­band — www.duv-verband.de — ver­wies.

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Jörg Pas­sau
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