(Kiel) Der Bun­des­fi­nanz­hof hat soeben dem Gerichts­hof der Euro­päi­schen Uni­on (EuGH) u. a. die Fra­gen zur Vor­ab­ent­schei­dung vor­ge­legt, ob eine steu­er­freie inner­ge­mein­schaft­li­che Lie­fe­rung nur dann anzu­neh­men ist, wenn der Steu­er­pflich­ti­ge die Umsatz­steu­er-Iden­ti­fi­ka­ti­ons­num­mer des Erwer­bers buch­mä­ßig nach­weist und ob es eine Rol­le spielt, dass es sich bei dem Erwer­ber um einen in einem Dritt­land ansäs­si­gen Unter­neh­mer han­delt, der in kei­nem Mit­glied­staat umsatz­steu­er­recht­lich regis­triert ist.

Dar­auf ver­weist der Kie­ler Steu­er­be­ra­ter Jörg Pas­sau, Vize­prä­si­dent und geschäfts­füh­ren­des Vor­stands­mit­glied des DUV Deut­scher Unter­neh­mens­steu­er Ver­band e. V. mit Sitz in Kiel, unter Hin­weis auf den am 22.12.2010 ver­öf­fent­li­chen Beschluss des Bun­des­fi­nanz­hofs (BFH) vom 10. Novem­ber 2010 — XI R 1109.

Wenn ein Gegen­stand durch einen Unter­neh­mer oder durch sei­nen Abneh­mer in das Gebiet eines ande­ren Mit­glied­staats der Euro­päi­schen Uni­on (sog. Bestim­mungs­land) beför­dert oder ver­sen­det wird, ist die­se inner­ge­mein­schaft­li­che Lie­fe­rung nach § 4 Nr. 1 Buchst. b i.V.m. § 6a Abs. 1 Satz 1 Nr. 3 des Umsatz­steu­er­ge­set­zes (UStG) nur dann steu­er­frei, wenn der Erwerb des Gegen­stan­des der Lie­fe­rung beim Abneh­mer in dem ande­ren Mit­glied­staat “den Vor­schrif­ten der Umsatz­be­steue­rung” unter­liegt. Durch die­se Rege­lung wird bezweckt, dass im inner­ge­mein­schaft­li­chen Han­del zwi­schen Unter­neh­mern die Mehr­wert­steu­er­ein­nah­men dem Mit­glied­staat zuste­hen, in dem der End­ver­brauch erfolgt (Bestim­mungs­land). Die Steu­er­frei­heit einer inner­ge­mein­schaft­li­chen Lie­fe­run­gen setzt nach natio­na­lem Recht aller­dings u. a. vor­aus, dass der Unter­neh­mer die Vor­aus­set­zun­gen der Steu­er­be­frei­ung “ein­schließ­lich Umsatz­steu­er-Iden­ti­fi­ka­ti­ons­num­mer des Abneh­mers” buch­mä­ßig nach­weist (§ 17c Abs. 1 Satz 1 der Umsatz­steu­er-Durch­füh­rungs­ver­ord­nung — USt­DV -).

In dem vom BFH zu ent­schei­den­den Fall, so Pas­sau, hat­te eine in Deutsch­land ansäs­si­ge GmbH zwei Maschi­nen an das Unter­neh­men A mit Sitz in den USA ver­kauft. A hat­te die Maschi­nen sogleich an ein Unter­neh­men (Ltd.) in Finn­land wei­ter­ver­äu­ßert. Die Maschi­nen wur­den durch eine von A beauf­trag­te Spe­di­ti­on unmit­tel­bar von der GmbH nach Finn­land beför­dert. Da A in kei­nem Mit­glied­staat der Uni­on für umsatz­steu­er­recht­li­che Zwe­cke regis­triert war, zeich­ne­te die GmbH (ledig­lich) die Umsatz­steu­er-Iden­ti­fi­ka­ti­ons­num­mer der fin­ni­schen Ltd. auf. Des­halb ver­sag­te das Finanz­amt die von der GmbH bean­trag­te Steu­er­frei­heit der Lie­fe­rung.

Da die Richt­li­nie 77/388/EWG für die Steu­er­frei­heit einer inner­ge­mein­schaft­li­chen Lie­fe­rung die Auf­zeich­nung der Umsatz­steu­er-Iden­ti­fi­ka­ti­ons­num­mer — jeden­falls nicht aus­drück­lich — ver­langt, hat der BFH durch den Beschluss vom 10. Novem­ber 2010 dem EuGH die Fra­ge vor­ge­legt, ob die Richt­li­nie es den Mit­glied­staa­ten erlaubt, eine steu­er­freie inner­ge­mein­schaft­li­che Lie­fe­rung nur dann anzu­neh­men, wenn der Steu­er­pflich­ti­ge die Umsatz­steu­er-Iden­ti­fi­ka­ti­ons­num­mer des Erwer­bers buch­mä­ßig nach­weist.

Pas­sau emp­fahl, den Fort­gang zu beach­ten und ggfs. steu­er­li­chen Rat in Anspruch zu neh­men, wobei er dabei u. a. auf den DUV Deut­schen Unter­neh­mens­steu­er Ver­band — www.duv-verband.de — ver­wies.

 Für Rück­fra­gen steht Ihnen zur Ver­fü­gung:

Jörg Pas­sau
Steu­er­be­ra­ter
DUV Vize­prä­si­dent und
geschäfts­füh­ren­des Vor­stands­mit­glied
Pas­sau, Nie­mey­er & Col­le­gen
Walk­er­damm 1
24103 Kiel
Tel:  0431 — 974 3010
Fax: 0431 — 974 3055
Email: info@duv-verband.de
www.duv-verband.de