(Kiel)  Das Finanz­ge­richt (FG) Rhein­land-Pfalz hat­te sich soeben mit der Fra­ge befas­sen müs­sen, ob die Auf­wen­dun­gen für den Ersatz eines Maschen­draht­zauns durch einen blick­dich­ten Holz­lat­ten­zaun als außer­ge­wöhn­li­che Belas­tun­gen (agB) berück­sich­tigt wer­den kön­nen.

Dar­auf ver­weist der Kie­ler Steu­er­be­ra­ter Jörg Pas­sau, Vize­prä­si­dent und geschäfts­füh­ren­des Vor­stands­mit­glied des DUV Deut­scher Unter­neh­mens­steu­er Ver­band e. V. mit Sitz in Kiel,  unter Hin­weis auf die Mit­tei­lung des Finanz­ge­richts (FG) Rhein­land-Pfalz vom 28.05.2012 zu sei­nem Urteil zur Ein­kom­men­steu­er 2010 vom 30. April 2012 (Az.: 5 K 193411).

Der Sohn der Klä­ger lei­det an einer Autis­muser­kran­kung, mit der eine star­ke Weg­lauf­ten­denz ein­her­geht. Die Klä­ger hat­ten bereits im Jah­re 2009 um einen Teil ihres Grund­stücks als Weg­lauf­schutz einen Maschen­draht­zaun mit einem abschließ­ba­ren Tor für 350.- € errich­tet, was vom Finanz­amt (FA) im Rah­men der Ver­an­la­gung 2009 als außer­ge­wöhn­li­che Belas­tung aner­kannt wor­den war. Die Vor­gän­ge des Jah­res 2009 sind nicht im Streit.

Im Streit­jahr 2010 ersetz­ten die Klä­ger den auf der Grund­stücks­sei­te zu den Nach­barn gele­ge­nen Maschen­draht­zaun durch einen höhe­ren blick­dich­ten Holz­lat­ten­zaun. In der Ein­kom­men­steu­er­erklä­rung für das Jahr 2010 bean­trag­ten sie die Aner­ken­nung der Auf­wen­dun­gen für den Holz­zaun in Höhe von rd. 750.- € bei den agB. Das wur­de von den Klä­gern unter Vor­la­ge einer ärzt­li­chen Beschei­ni­gung damit begrün­det, dass die Umzäu­nung wegen der Autis­muser­kran­kung des Soh­nes not­wen­dig gewe­sen sei, um eine Selbst­ge­fähr­dung des Kin­des zu ver­hin­dern. Da FA lehn­te hin­ge­gen die begehr­te Berück­sich­ti­gung der Auf­wen­dun­gen bei den agB  u.a. mit der Begrün­dung ab, es han­de­le sich weder um mit­tel­ba­re noch um unmit­tel­ba­re Krank­heits­kos­ten.

Mit der Kla­ge tru­gen die Klä­ger wei­ter vor, der geschlos­se­ne Weg­lauf­zaun sei — ähn­lich einem Roll­stuhl oder einer Roll­stuhl­ram­pe — ein Hilfs­mit­tel, um die Krank­heit des Soh­nes erträg­li­cher zu machen, daher sei­en die Kos­ten zwangs­läu­fig ent­stan­den.

Die Kla­ge hat­te jedoch kei­nen Erfolg, so Pas­sau.

Das FG Rhein­land-Pfalz führ­te u.a. aus, Ziel der agB sei es, zwangs­läu­fi­ge Mehr­auf­wen­dun­gen für den exis­tenz­not­wen­di­gen Grund­be­darf zu berück­sich­ti­gen, die sich wegen ihrer Außer­ge­wöhn­lich­keit einer pau­scha­len Erfas­sung in all­ge­mei­nen Frei­be­trä­gen ent­zie­hen wür­den. Aus­ge­schlos­sen sei­en die übli­chen Auf­wen­dun­gen der Lebens­füh­rung, die in Höhe des Exis­tenz­mi­ni­mums durch den Grund­frei­be­trag abge­gol­ten sei­en. Auf­wen­dun­gen zur Errich­tung eines Gar­ten­zauns könn­ten nicht in die­sem Sin­ne als außer­ge­wöhn­lich ange­se­hen wer­den, da ein Gar­ten­zaun zu den übli­chen bau­li­chen Anla­gen eines Eigen­heims gehö­re. Die Kos­ten dafür gehör­ten daher zu den übli­chen Kos­ten der Lebens­füh­rung. Zudem habe sich der Senat nach den vor­ge­leg­ten Licht­bil­dern über­zeu­gen kön­nen, dass es sich um einen deko­ra­tiv gestal­te­ten, tra­di­tio­nel­len Holz­lat­ten­zaun han­de­le. Die Weg­lauf­ten­denz des Soh­nes möge zwar gene­rell für die Beur­tei­lung der Zwangs­läu­fig­keit einer agB von Bedeu­tung sein, das ände­re aber nichts dar­an, dass den Klä­gern durch die Errich­tung des Zau­nes kei­ne höhe­ren Auf­wen­dun­gen ent­stan­den sei­en, als der über­wie­gen-den Anzahl der Steu­er­pflich­ti­gen. Außer­dem sei im kon­kre­ten Streit­fall nicht ersicht­lich, dass mit dem errich­te­ten Holz­zaun — der sich nur auf einem klei­nen Teil des Grund­stücks erstre­cke — der Weg­lauf­ten­denz des Kin­des tat­säch­lich wirk­sam begeg­net wer­den kön­ne. Soweit der Zaun außer­dem Schutz vor dem Hund des Nach­barn bie­ten sol­le, sehe das Gericht nicht aus-schließ­lich die Behin­de­rung des Kin­des  als maß­geb­li­chen Beweg­grund für sei­ne Errich­tung an. Denn in die­ser Funk­ti­on schüt­ze der Zaun vor einer von außen kom­men­den von der Behin­de­rung unab­hän­gi­gen Gefahr. Inso­fern han­de­le es sich — anders als bei einem Trep­pen­lift oder einer Roll­stuhl­ram­pe — nicht um einen behin­de­rungs­be­ding­ten Ein­satz eines Hilfs­mit­tels.

Die Revi­si­on ist nicht zuge­las­sen wor­den, das Urteil ist noch nicht rechts­kräf­tig.

Pas­sau emp­fahl, dies zu beach­ten und ggfs. steu­er­li­chen Rat in Anspruch zu neh­men, wobei er dabei u. a. auf den DUV Deut­schen Unter­neh­mens­steu­er Ver­band — www.duv-verband.de — ver­wies.
 

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