(Kiel) Ver­äu­ßert ein i. S. des § 17 des Ein­kom­men­steu­er­ge­set­zes (EStG) qua­li­fi­ziert betei­lig­ter Gesell­schaf­ter Antei­le an der Kapi­tal­ge­sell­schaft, die er zuvor aus sei­nem Betriebs­ver­mö­gen in sein Pri­vat­ver­mö­gen über­führt hat, so tritt der Ent­nah­me­wert die­ser Antei­le nur dann an die Stel­le der (his­to­ri­schen) Anschaf­fungs­kos­ten, wenn durch die Ent­nah­me die stil­len Reser­ven tat­säch­lich auf­ge­deckt und bis zur Höhe des Teil­werts oder gemei­nen Werts steu­er­recht­lich erfasst sind oder noch erfasst wer­den kön­nen.

Dar­auf ver­weist der Nürn­ber­ger Erb- und Steu­er­fach­an­walt Dr. Nor­bert Gie­se­ler, Prä­si­dent des DUV Deut­scher Unter­neh­mens­steu­er Ver­band e. V. mit Sitz in Kiel, unter Hin­weis auf das am 14.07.2010 ver­öf­fent­lich­te Urteil des Bun­des­fi­nanz­hofs (BFH) vom 13. April 2010 —  IX R 22/09.

In dem Fall war der Klä­ger zunächst unmit­tel­bar und mit­tel­bar qua­li­fi­ziert an der Kom­ple­men­tär-GmbH einer KG betei­ligt und ent­nahm die Betei­li­gung dann in sein Pri­vat­ver­mö­gen. Der Ent­nah­me­ge­winn blieb unver­steu­ert. Spä­ter ver­äu­ßer­te der Klä­ger sei­ne unmit­tel­ba­re Betei­li­gung an der GmbH. Sein Begeh­ren, den Ver­äu­ße­rungs­ge­winn als Dif­fe­renz zwi­schen Ver­äu­ße­rungs­preis und Ent­nah­me­wert zu ver­steu­ern, hat­te letzt­lich kei­nen Erfolg.

Der Ver­äu­ße­rungs­ge­winn bil­det sich aus dem Unter­schied zwi­schen Ver­äu­ße­rungs­preis und Anschaf­fungs­kos­ten. Antei­le an einer Kapi­tal­ge­sell­schaft wer­den ange­schafft, indem sie ent­gelt­lich erwor­ben wer­den. Über­führt der Steu­er­pflich­ti­ge Antei­le in sein Pri­vat­ver­mö­gen, erwirbt er sie man­gels Recht­trä­ger­wech­sels nicht und schafft sie auch nicht an. Über den Wort­laut des Geset­zes hin­aus ist die Ent­nah­me einer Anschaf­fung aber gleich­zu­set­zen, wenn stil­le Reser­ven dadurch tat­säch­lich erfasst wur­den. Denn sonst wür­den Wert­stei­ge­run­gen bei einer anschlie­ßen­den Ver­äu­ße­rung ent­ge­gen der gesetz­li­chen Inten­ti­on noch­mals und damit dop­pelt erfasst. Einer ein­schrän­ken­den Aus­le­gung des § 17 Abs. 2 EStG bedarf es des­halb nicht, wenn wie im ent­schie­de­nen Fall kein Ent­nah­me­ge­winn erfasst wur­de und auch nicht erfasst wer­den kann.

Gie­se­ler emp­fahl. das Urteil zu beach­ten und in allen Zwei­fels­fra­gen Rechts­rat ein­zu­ho­len, wozu er u. a.  auch auf den DUV Deut­scher Unter­neh­mens­steu­er Ver­band e. V. — www.duv-verband.de — ver­wies.

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