(Kiel) In zwei neu­en Ent­schei­dun­gen hat der Bun­des­fi­nanz­hof (BFH) sei­ne Recht­spre­chung zu der Fra­ge fort­ent­wi­ckelt, unter wel­chen Vor­aus­set­zun­gen die Teil­nah­me an Betriebs­ver­an­stal­tun­gen bei Arbeit­neh­mern zu einem steu­er­ba­ren Lohn­zu­fluss führt.

Dar­auf ver­weist der Kie­ler Steu­er­be­ra­ter Jörg Pas­sau, Vize­prä­si­dent und geschäfts­füh­ren­des Vor­stands­mit­glied des DUV Deut­scher Unter­neh­mens­steu­er Ver­band e. V. mit Sitz in Kiel, unter Hin­weis auf die Mit­tei­lung des Bun­des­fi­nanz­hofs (BFH) vom 9.10.2013 zu sei­nen Urtei­len vom 16. Mai 2013 — VI R 9410 und VI R 711.

1. Nach stän­di­ger Recht­spre­chung des BFH sind Zuwen­dun­gen eines Arbeit­ge­bers anläss­lich einer Betriebs­ver­an­stal­tung erst bei Über­schrei­ten einer Frei­gren­ze (von 110 Euro/Person) als steu­er­pflich­ti­ger Arbeits­lohn zu qua­li­fi­zie­ren. Der Wert der den Arbeit­neh­mern zuge­wand­ten Leis­tun­gen kann anhand der Kos­ten geschätzt wer­den, die der Arbeit­ge­ber dafür sei­ner­seits auf­ge­wen­det hat. Die­se Kos­ten sind grund­sätz­lich zu glei­chen Tei­len sämt­li­chen Teil­neh­mern zuzu­rech­nen (s. BFH-Urteil vom 12. Dezem­ber 2012 VI R 7910, zur amt­li­chen Ver­öf­fent­li­chung bestimmt; PM vom 20. Febru­ar 2013 Nr. 1113).

2. Eine wei­te­re Vor­aus­set­zung für die Annah­me von Arbeits­lohn ist in die­sen Fäl­len, dass die Teil­neh­mer durch die Leis­tun­gen objek­tiv berei­chert sind. Dies hat der BFH nun durch Urteil vom 16. Mai 2013 (VI R 9410) ent­schie­den und sei­ne bis­her gegen­tei­li­ge Recht­spre­chung geän­dert. Zu einer objek­ti­ven Berei­che­rung füh­ren dabei nur sol­che Leis­tun­gen, die von den teil­neh­men­den Arbeit­neh­mern unmit­tel­bar kon­su­miert wer­den kön­nen, also vor allem Spei­sen, Geträn­ke und Musik­dar­bie­tun­gen. Auf­wen­dun­gen des Arbeit­ge­bers, die die Aus­ge­stal­tung der Betriebs­ver­an­stal­tung betref­fen (z.B. Mie­ten und Kos­ten für die Beauf­tra­gung eines Event­ver­an­stal­ters) berei­chern die Teil­neh­mer hin­ge­gen nicht und blei­ben des­halb bei der Ermitt­lung der maß­geb­li­chen Kos­ten unbe­rück­sich­tigt.

Im Streit­fall (VI R 9410) hat­te der Arbeit­ge­ber anläss­lich eines Fir­men­ju­bi­lä­ums sei­ne Arbeit­neh­mer zu einer Ver­an­stal­tung in ein Fuß­ball­sta­di­on ein­ge­la­den. Die Kos­ten hier­für betra­fen vor allem Künst­ler, Event­ver­an­stal­ter, Sta­di­on­mie­te und Cate­ring. Das Finanz­amt (FA) hat­te bei der Ermitt­lung der Frei­gren­ze sämt­li­che Kos­ten berück­sich­tigt. Die Frei­gren­ze war danach über­schrit­ten. Das Finanz­ge­richt (FG) war dem gefolgt. Der BFH hob die Vor­ent­schei­dung auf und gab der Kla­ge statt. Zwar habe das FG die Frei­gren­ze zu Recht mit 110 Euro bemes­sen. Die Kos­ten für den äuße­ren Rah­men der Ver­an­stal­tung hät­ten jedoch nicht berück­sich­tigt wer­den dür­fen. Blei­be allein die Sta­di­on­mie­te unbe­rück­sich­tigt, sei die Frei­gren­ze nicht über­schrit­ten.

3. In einem wei­te­ren Urteil vom 16. Mai 2013 (VI R 711) hat der BFH ent­schie­den, dass die Kos­ten der Ver­an­stal­tung nicht nur auf die Arbeit­neh­mer, son­dern auf alle Teil­neh­mer (z.B. auch Fami­li­en­an­ge­hö­ri­ge) zu ver­tei­len sind. Der danach auf Begleit­per­so­nen ent­fal­len­de Anteil der Kos­ten wird, so der BFH eben­falls ent­ge­gen sei­ner frü­he­ren Auf­fas­sung, den Arbeit­neh­mern bei der Berech­nung der Frei­gren­ze auch nicht als eige­ner Vor­teil zuge­rech­net.

In die­sem Fall (VI R 711) hat­ten nicht nur Arbeit­neh­mer, son­dern auch Fami­li­en­an­ge­hö­ri­ge und sons­ti­ge Begleit­per­so­nen der Arbeit­neh­mer an einer Betriebs­ver­an­stal­tung teil­ge­nom­men. Die Kos­ten der Ver­an­stal­tung belie­fen sich nach den Fest­stel­lun­gen des FA auf ca. 68 Euro pro Teil­neh­mer. Da das FA die auf einen Fami­li­en­an­ge­hö­ri­gen ent­fal­len­den Kos­ten dem Arbeit­neh­mer zurech­ne­te, ergab sich in ein­zel­nen Fäl­len eine Über­schrei­tung der Frei­gren­ze. Das FG hat­te der Kla­ge nur teil­wei­se statt­ge­ge­ben. Der BFH hat die Ent­schei­dung des FG auf­ge­ho­ben und der Kla­ge ins­ge­samt statt­ge­ge­ben.

Pas­sau emp­fahl, dies zu beach­ten und ggfs. steu­er­li­chen Rat in Anspruch zu neh­men, wobei er dabei u. a. auf den DUV Deut­schen Unter­neh­mens­steu­er Ver­band — www.duv-verband.de — ver­wies.

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Jörg Pas­sau
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