(Kiel) Das Nie­der­säch­si­sche Finanz­ge­richt (FG) hat mit Beschluss vom 02.06.2009 (Az.: 7 V 7609) vor­läu­fi­gen Rechts­schutz zur ein­schrän­ken­den ein­kom­men­steu­er­li­chen Neu­re­ge­lung der Abzugs­fä­hig­keit von Kos­ten für ein häus­li­ches Arbeits­zim­mer gewährt.

Mit Beschluss vom 25.8.2009 — VI B 6909 -, so der  der Kie­ler Steu­er­be­ra­ter Jörg Pas­sau, Vize­prä­si­dent und geschäfts­füh­ren­des Vor­stands­mit­glied des DUV Deut­scher Unter­neh­mens­steu­er Ver­band e. V. mit Sitz in Kiel,  hat der Bun­des­fi­nanz­hof (BFH) die­se Ent­schei­dung bestä­tigt und damit eine Beschwer­de des zustän­di­gen Finanz­amts zurück­ge­wie­sen.

Hin­ter­grund

Seit 2007 sind Auf­wen­dun­gen für ein häus­li­ches Arbeits­zim­mer nur noch aus­nahms­wei­se abzugs­fä­hig, wenn ein Arbeits­zim­mer den Mit­tel­punkt der gesam­ten betrieblichen/beruflichen Betä­ti­gung bil­det. Auf­wen­dun­gen kön­nen des­halb i.d.R. nur noch gel­tend gemacht wer­den, wenn das häus­li­che Arbeits­zim­mer der ein­zi­ge Betä­ti­gungs­ort ist. Ins­be­son­de­re bei Arbeit­neh­mern, die auch am Sitz des Arbeit­ge­bers über einen Arbeits­platz ver­fü­gen, sind die Auf­wen­dun­gen für ein häus­li­ches Arbeits­zim­mer damit seit Anfang 2007 nicht mehr abzugs­fä­hig.

In dem o.a. Ver­fah­ren hat­ten  BFH und FG das  Finanz­amt ver­pflich­tet, die von einem Leh­rer­ehe­paar bean­trag­ten Frei­be­trä­ge für Auf­wen­dun­gen für ihre häus­li­chen Arbeits­zim­mer im Wege des vor­läu­fi­gen Rechts­schut­zes auf den Lohn­steu­er­kar­ten 2009 ein­zu­tra­gen.

Zur Begrün­dung führ­te das Nds. FG erheb­li­che Zwei­fel an der Ver­fas­sungs­mä­ßig­keit der ab 2007 gel­ten­den Neu­re­ge­lung an: Die Kos­ten der häus­li­chen Arbeits­zim­mer sei­en für das Leh­rer­ehe­paar beruf­lich ver­an­lasst. Sie sei­en zur Erwerbs­si­che­rung unver­meid­lich, denn wer als Leh­rer sei­ner Dienst­ver­pflich­tung nicht fol­ge und sei­nen Unter­richt — man­gels ange­mes­se­nen Arbeits­plat­zes in der Schu­le — zu Hau­se nicht vor- und nach­be­rei­te, kön­ne sei­ner beruf­li­chen Tätig­keit nicht nach­kom­men und dem­ge­mäß auch kei­ne Ein­künf­te erzie­len. Vor allem nach dem aus dem Gleich­be­hand­lungs­grund­satz (Art. 3 Abs. 1 GG) ent­wi­ckel­ten Gebot der Aus­rich­tung der Steu­er­last am Prin­zip der finan­zi­el­len Leis­tungs­fä­hig­keit und dem Gebot der Fol­ge­rich­tig­keit han­de­le es sich um Erwerbs­auf­wen­dun­gen.

Die ab 2007 gel­ten­de Rege­lung begeg­ne ver­fas­sungs­recht­li­chen Zwei­feln; dies wer­de auch durch einen erst kürz­lich ver­öf­fent­lich­ten Vor­la­ge­be­schluss des Finanz­ge­richts Müns­ter an das Bun­des­ver­fas­sungs­ge­richt bestä­tigt (FG Müns­ter, Beschl. v. 08.05.2009 — 1 K 287208).

Auch vor dem Hin­ter­grund der Recht­spre­chung des Bun­des­ver­fas­sungs­ge­richts, nach der gesetz­li­che Rege­lun­gen oft­mals zwar für mit dem Grund­ge­setz unver­ein­bar erklärt wer­den, dem Gesetz­ge­ber jedoch Über­gangs­fris­ten zur Geset­zes­än­de­rung ein­ge­räumt wer­den, hielt das Nds. FG die Gewäh­rung vor­läu­fi­gen Rechts­schut­zes für gebo­ten.

Neu: Finanz­ver­wal­tung wen­det die Recht­spre­chung an und geht noch dar­über hin­aus

Nach der Pres­se­mit­tei­lung des FG Nie­der­sach­sen vom 06.10.2009 weist das Bun­des­mi­nis­te­ri­um für Finan­zen (BMF) in einem aktu­el­len Erlass  vom 6.10.2009 (IV A 3 — S 0623÷09÷10001) die Finanz­äm­ter an, Anträ­gen auf Aus­set­zung der Voll­zie­hung, in denen ab Ver­an­la­gungs­zeit­raum 2007 Auf­wen­dun­gen für ein häus­li­ches Arbeits­zim­mer gel­tend gemacht wer­den, statt­zu­ge­ben. Vor­aus­set­zung dafür ist, dass die betriebliche/berufliche Nut­zung des Arbeits­zim­mers — ent­spre­chend der bis zum 31.12.2006 gel­ten­den Rechts­la­ge —  mehr als 50 v.H.  der gesam­ten betrieb­li­chen und beruf­li­chen Tätig­keit beträgt oder wenn für die betriebliche/berufliche Tätig­keit  kein ande­rer Arbeits­platz zur Ver­fü­gung steht.  Die Auf­wen­dun­gen sind dann höchs­tens bis zu einem Betrag von 1.250 EUR zu berück­sich­ti­gen.

In einem Punkt geht das BMF noch über die Recht­spre­chung der Finanz­ge­rich­te hin­aus:

Aus­set­zung der Voll­zie­hung — also vor­läu­fi­ger Rechts­schutz — ist auch dann zu gewäh­ren, wenn dies zu einer vor­läu­fi­gen Erstat­tung ent­rich­te­ter Vor­aus­zah­lun­gen bzw. anzu­rech­nen­der Steu­er­ab­zugs­be­trä­ge führt.

Hin­weis:

Die o.a. Vor­la­ge des FG Müns­ter an das BVerfG ist dort unter dem Az. 2 BvL 1309 anhän­gig.

Pas­sau emp­fahl ggfs. steu­er­li­chen Rat in Anspruch zu neh­men, wobei er dabei u. a. auf den DUV Deut­schen Unter­neh­mens­steu­er Ver­band — www.duv-verband.de — ver­wies.

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Jörg Pas­sau
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