(Kiel) Der Bun­des­fi­nanz­hof einem Unter­neh­mer das Recht zuge­spro­chen, sich im Rah­men des Vor­steu­er­ab­zugs auch dann auf das Uni­ons­recht zu beru­fen, wenn die für einen Umsatz geschul­de­te Steu­er höher ist als nach natio­na­lem Recht.

Dar­auf ver­weist der Kie­ler Steu­er­be­ra­ter Jörg Pas­sau, Vize­prä­si­dent und geschäfts­füh­ren­des Vor­stands­mit­glied des DUV Deut­scher Unter­neh­mens­steu­er Ver­band e. V. mit Sitz in Kiel, unter Hin­weis auf die Mit­tei­lung des Bun­des­fi­nanz­hofs (BFH) vom 8.01.2014 zu sei­nem Urteil vom 24. Okto­ber 2013 (V R 1713).

Die Ent­schei­dung betrifft die Abgren­zung zwi­schen Spring- und Schlacht­pfer­den. Nach natio­na­lem Recht unter­lag die Lie­fe­rung aller Pfer­de dem ermä­ßig­ten Steu­er­satz. Uni­ons­recht­lich ist dies nur für die Lie­fe­rung der zum Ver­zehr bestimm­ten Schlacht­pfer­de, nicht aber auch für Spring­pfer­de zuläs­sig.

Im Streit­fall hat­te der Klä­ger ein Spring­pferd erwor­ben, das er als Unter­neh­mer für sein Gestüt ver­wen­de­te. Der Ver­käu­fer hat­te hier­für Umsatz­steu­er nach dem Regel­steu­er­satz berech­net. Das Finanz­amt bean­stan­de­te den Vor­steu­er­ab­zug beim Klä­ger, da nur die gesetz­lich geschul­de­te Steu­er zum Vor­steu­er­ab­zug berech­tigt. Die gesetz­lich geschul­de­te Steu­er bestim­me sich nach natio­na­lem Recht. Danach unter­lie­ge die Lie­fe­rung aller Pfer­de dem ermä­ßig­ten Steu­er­satz. Eine Beru­fung auf das Uni­ons­recht kom­me nicht in Betracht, da die­ses für die Lie­fe­rung des Pfer­des zu einer höhe­ren Steu­er füh­re und daher nicht güns­ti­ger sei. Die­ser Auf­fas­sung war auch das Finanz­ge­richt.

Dem trat der BFH ent­ge­gen. Nach dem sog. Anwen­dungs­vor­rang ist Uni­ons­rechts anzu­wen­den, wenn es für den jewei­li­gen Unter­neh­mer vor­teil­haf­ter ist. So wie im Streit­fall: Für den Klä­ger als Abneh­mer des Spring­pfer­des ist es güns­ti­ger, den Vor­steu­er­ab­zug nach dem höhe­ren Regel­steu­er­satz in Anspruch zu neh­men, statt zum Vor­steu­er­ab­zug nur im Umfang des ermä­ßig­ten Steu­er­sat­zes berech­tigt zu sein und den steu­er­li­chen Dif­fe­renz­be­trag vom Ver­käu­fer zurück­for­dern zu müs­sen. Daher kann der Klä­ger gel­tend machen, dass sich die gesetz­lich geschul­de­te Steu­er nach dem Uni­ons­recht bestimmt. Es kommt dem­ge­gen­über nicht dar­auf an, ob das natio­na­le Recht auch für den Ver­käu­fer vor­teil­haf­ter ist als das Uni­ons­recht.

Pas­sau emp­fahl, dies zu beach­ten und ggfs. steu­er­li­chen Rat in Anspruch zu neh­men, wobei er dabei u. a. auf den DUV Deut­schen Unter­neh­mens­steu­er Ver­band – www.duv-verband.de – ver­wies.
 

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Jörg Pas­sau
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