(Kiel) Der Bun­des­fi­nanz­hof hat ent­schie­den, dass die Ent­fer­nungs­pau­scha­le für eine wöchent­li­che Fami­li­en­heim­fahrt im Rah­men einer dop­pel­ten Haus­halts­füh­rung auch dann in Anspruch genom­men wer­den kann, wenn der Steu­er­pflich­ti­ge für die Fahrt kei­ne Kos­ten hat­te. Vom Arbeit­ge­ber steu­er­frei geleis­te­te Rei­se­kos­ten­ver­gü­tun­gen und steu­er­frei gewähr­te Frei­fahr­ten sind jedoch min­dernd auf die Ent­fer­nungs­pau­scha­le anzu­rech­nen.

Dar­auf ver­weist der Kie­ler Steu­er­be­ra­ter Jörg Pas­sau, Vize­prä­si­dent und geschäfts­füh­ren­des Vor­stands­mit­glied des DUV Deut­scher Unter­neh­mens­steu­er Ver­band e. V. mit Sitz in Kiel, unter Hin­weis auf die Mit­tei­lung des Bun­des­fi­nanz­hofs (BFH) vom 3.07.2013 zu sei­nem Urteil vom 18. April 2013 — VI R 2912.

Nach § 9 Abs. 1 Satz 3 Nr. 5 Satz 3 des Ein­kom­men­steu­er­ge­set­zes (EStG) kön­nen im Rah­men einer dop­pel­ten Haus­halts­füh­rung Auf­wen­dun­gen für die Wege vom Beschäf­ti­gungs­ort zum Ort des eige­nen Haus­stands und zurück (Fami­li­en­heim­fahr­ten) für jeweils eine Fami­li­en­heim­fahrt wöchent­lich als Wer­bungs­kos­ten abge­zo­gen wer­den. Zur Abgel­tung der Auf­wen­dun­gen ist eine Ent­fer­nungs­pau­scha­le von 0,30 € für jeden vol­len Kilo­me­ter der Ent­fer­nung zwi­schen dem Ort des eige­nen Haus­stands und dem Beschäf­ti­gungs­ort anzu­set­zen (§ 9 Abs. 1 Satz 3 Nr. 5 Satz 4 EStG).

Im Streit­fall mach­te der ver­hei­ra­te­te Klä­ger in sei­ner Ein­kom­men­steu­er­erklä­rung für das Streit­jahr (2007) u.a. Mehr­auf­wen­dun­gen für dop­pel­te Haus­halts­füh­rung für 48 Heim­fahr­ten in Höhe von 5.199 € (48 Fahr­ten x 361 Ent­fer­nungs­ki­lo­me­ter x 0,30 € = 5.198,40 €) gel­tend. Elf Fami­li­en­heim­fahr­ten, die der Klä­ger mit dem eige­nen PKW durch­ge­führt hat­te, berück­sich­tig­te das Finanz­amt, die übri­gen mit der Bahn durch­ge­führ­ten Fami­li­en­heim­fahr­ten hin­ge­gen nicht. Hier­für sei­en dem bei der Bahn ange­stell­ten Klä­ger kei­ne Auf­wen­dun­gen ent­stan­den. Ein­spruch und Kla­ge blie­ben ohne Erfolg. Das Finanz­ge­richt (FG) argu­men­tier­te, der Klä­ger kön­ne die Ent­fer­nungs­pau­scha­le nicht in Anspruch neh­men, soweit er die Auf­wen­dun­gen für die Heim­fahr­ten nicht selbst getra­gen habe.

Dem hat der BFH nun wider­spro­chen, so Pas­sau, und die Sache an das FG zurück­ver­wie­sen. Denn die Ent­fer­nungs­pau­scha­le für eine wöchent­li­che Fami­li­en­heim­fahrt im Rah­men einer dop­pel­ten Haus­halts­füh­rung kann wie die Ent­fer­nungs­pau­scha­le für Fahr­ten zwi­schen Woh­nung und regel­mä­ßi­ger Arbeits­stät­te (ab VZ 2014 ers­te Tätig­keits­stät­te) ver­kehrs­mit­tel­un­ab­hän­gig und selbst dann in Anspruch genom­men wer­den, wenn der Steu­er­pflich­ti­ge für die­se Fahr­ten kei­ne Kos­ten getra­gen hat. Die dar­in lie­gen­de Begüns­ti­gung ist vom Gesetz­ge­ber gewollt und durch umwelt- und ver­kehrs­po­li­ti­sche Len­kungs­zwe­cke gerecht­fer­tigt.

Dies bedeu­tet aber nicht, dass steu­er­frei geleis­te­te Rei­se­kos­ten­ver­gü­tun­gen oder steu­er­freie Sach­be­zü­ge, bei­spiels­wei­se Frei­fahr­ten, inso­weit kei­ne Berück­sich­ti­gung fin­den dür­fen. Der­ar­ti­ge Arbeit­ge­ber­leis­tun­gen sind viel­mehr auf die Pau­scha­len anzu­rech­nen, da in sol­chen Fäl­len jeden­falls ein voll­um­fäng­li­cher Wer­bungs­kos­ten­ab­zug nicht gebo­ten ist. Des­halb hat das FG im zwei­ten Rechts­gang noch Fest­stel­lun­gen zur Anzahl der Fami­li­en­heim­fahr­ten und den anre­chen­ba­ren Arbeit­ge­ber­leis­tun­gen zu tref­fen.

Pas­sau emp­fahl, dies zu beach­ten und ggfs. steu­er­li­chen Rat in Anspruch zu neh­men, wobei er dabei u. a. auf den DUV Deut­schen Unter­neh­mens­steu­er Ver­band — www.duv-verband.de — ver­wies.

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Jörg Pas­sau
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