(Kiel) Der Bun­des­ge­richts­hof hat am 01.03.2010 einen Eil­an­trag der IKB Deut­sche Indus­trie­bank AG (IKB) als unzu­läs­sig ver­wor­fen, mit dem die IKB das Tätig­wer­den eines vom Land­ge­richt Düs­sel­dorf im Ver­fah­ren nach § 142 AktG bestell­ten Son­der­prü­fers einst­wei­len ver­hin­dern woll­te.

Dar­auf ver­weist der Müns­te­ra­ner Fach­an­walt für Steu­er- und Erbrecht Dr. Chris­toph Goez, Vize­prä­si­dent des DUV Deut­scher Unter­neh­mens­steu­er Ver­band e. V. mit Sitz in Kiel, unter Hin­weis auf den Beschluss des Bun­des­ge­richts­hofs (BGH) vom 01.03.2010, Az.: II ZB 110.

Nach § 142 Abs. 1 Satz 1 AktG kann die Haupt­ver­samm­lung einer Akti­en­ge­sell­schaft Son­der­prü­fer bestel­len, die die tat­säch­li­chen Grund­la­gen für Ersatz­an­sprü­che im Zusam­men­hang mit Pflicht­ver­let­zun­gen des Vor­stands und des Auf­sichts­rats auf­klä­ren. Lehnt die Haupt­ver­samm­lung einen Antrag von Aktio­nä­ren auf Bestel­lung von Son­der­prü­fern ab, kann nach § 142 Abs. 2 AktG das Land­ge­richt am Sitz der Gesell­schaft auf Antrag von Aktio­nä­ren mit einem bestimm­ten Min­dest­an­teil am Grund­ka­pi­tal anstel­le der Haupt­ver­samm­lung Son­der­prü­fer bestel­len. Glei­ches gilt, wenn die Haupt­ver­samm­lung einen eige­nen Beschluss über die Bestel­lung von Son­der­prü­fern nach­träg­lich auf­hebt. Das Gericht ent­schei­det in einem Ver­fah­ren der frei­wil­li­gen Gerichts­bar­keit, in dem von der Zivil­pro­zess­ord­nung abwei­chen­de Grund­sät­ze gel­ten.

Der Vor­stand der IKB, einer Bank, deren wesent­li­che Auf­ga­be es war, den Mit­tel­stand mit Kre­di­ten zu ver­sor­gen, ent­schied im Geschäfts­jahr 2001/2002, in Geld­markt­pa­pie­re zu inves­tie­ren, die mit US-ame­ri­ka­ni­schen Kon­su­men­ten­kre­di­ten besi­chert waren. Außer­dem räum­te die IKB so genann­ten Zweck­ge­sell­schaf­ten, die For­de­run­gen aus sol­chen Kre­di­ten auf­kauf­ten und als Sicher­hei­ten für die eige­ne Refi­nan­zie­rung am Kapi­tal­markt ein­setz­ten, Liqui­di­täts­li­ni­en ein. Die­ses Geschäfts­mo­dell führ­te die IKB im Juli 2007 in eine schwe­re Kri­se, weil sich der Markt für mit US-ame­ri­ka­ni­schen Kon­su­men­ten­kre­di­ten besi­cher­te Geld­markt­pa­pie­re ver­schlech­ter­te, die IKB aus den Liqui­di­täts­li­ni­en in erheb­li­chem Maß in Anspruch genom­men wur­de und sich über den Inter­ban­ken­markt nicht mehr refi­nan­zie­ren konn­te.

Die Haupt­ver­samm­lung der IKB beschloss im März 2008 mit den Stim­men ihrer dama­li­gen Haupt­ak­tio­nä­rin, der Kre­dit­an­stalt für Wie­der­auf­bau (KfW), einen Son­der­prü­fer zu bestel­len, um mög­li­che Pflicht­ver­let­zun­gen des Vor­stands und Auf­sichts­rats im Vor­feld der Kri­se vom Juli 2007 auf­zu­klä­ren. Nach Ver­äu­ße­rung der Akti­en der KfW an eine US-ame­ri­ka­ni­sche Betei­li­gungs­ge­sell­schaft hob eine außer­or­dent­li­che Haupt­ver­samm­lung der IKB am 25. März 2009 auf Initia­ti­ve der neu­en Haupt­ak­tio­nä­rin den Beschluss über die Son­der­prü­fung auf und wider­rief die Bestel­lung des Son­der­prü­fers. Gegen die­se Ent­schei­dung weh­ren sich Min­der­heits­ak­tio­nä­re mit einer bei dem Land­ge­richt Düs­sel­dorf anhän­gig gemach­ten Kla­ge.

Unab­hän­gig davon haben die Antrag­stel­ler des Aus­gangs­ver­fah­rens, Aktio­nä­re der IKB, im Juni 2009 bei dem Land­ge­richt Düs­sel­dorf die gericht­li­che Bestel­lung eines Son­der­prü­fers bean­tragt, um die Prü­fung mög­li­cher Pflicht­ver­let­zun­gen zu einem Abschluss zu brin­gen. Das Land­ge­richt hat dem Antrag im August 2009 ent­spro­chen. Das Ober­lan­des­ge­richt Düs­sel­dorf hat die land­ge­richt­li­che Ent­schei­dung durch Beschluss vom 9. Dezem­ber 2009 bestä­tigt; eine Aus­sa­ge über die Zulas­sung der Rechts­be­schwer­de ent­hält der Beschluss nicht. Dage­gen hat die IKB Rechts­be­schwer­de zum Bun­des­ge­richts­hof ein­ge­legt und for­mu­lar­mä­ßig um Ver­län­ge­rung der Begrün­dungs­frist gebe­ten. Spä­ter haben ihre Ver­fah­rens­be­voll­mäch­tig­ten mit Rück­sicht dar­auf, dass ihnen die umfang­rei­chen Gerichts­ak­ten für die zu erstel­len­de Rechts­be­schwer­de­be­grün­dung noch nicht zugäng­lich gemacht wer­den konn­ten, bean­tragt, im Wege der einst­wei­li­gen Anord­nung den Beschluss des Land­ge­richts über die Bestel­lung des Son­der­prü­fers so lan­ge außer Voll­zug zu set­zen, bis die Rechts­be­schwer­de­be­grün­dung vor­ge­legt wor­den ist.

Der für das Gesell­schafts­recht zustän­di­ge II. Zivil­se­nat des Bun­des­ge­richts­hofs hat die­sen Antrag ver­wor­fen, weil der Antrag der IKB unzu­läs­sig ist, betont Goez.

Wie schon im Instan­zen­zug so fin­det auch auf das von der IKB nun­mehr ein­ge­lei­te­te Rechts­mit­tel­ver­fah­ren das zum 1. Sep­tem­ber 2009 durch das Gesetz über das Ver­fah­ren in Fami­li­en­sa­chen und in den Ange­le­gen­hei­ten der frei­wil­li­gen Gerichts­bar­keit (FamFG) ersetz­te Gesetz über die Ange­le­gen­hei­ten der frei­wil­li­gen Gerichts­bar­keit (FGG) Anwen­dung. Nach die­sem Gesetz ist gegen eine End­ent­schei­dung des Ober­lan­des­ge­richts ein Rechts­mit­tel­ver­fah­ren nicht eröff­net. Nach dem neu­en Recht ist dies anders — nach § 70 FamFG ist unter den dort näher genann­ten Vor­aus­set­zun­gen eine Rechts­be­schwer­de gegen End­ent­schei­dun­gen des Ober­lan­des­ge­richts statt­haft. Die in Arti­kel 111 Abs. 1 des FGG-Reform­ge­set­zes (FGG-RG) vor­ge­se­he­ne Über­gangs­vor­schrift bestimmt jedoch, dass Gerichts­ver­fah­ren inst­anz­über­grei­fend nach altem Ver­fah­rens- und Rechts­mit­tel­recht zu Ende geführt wer­den, wenn der Antrag in ers­ter Instanz vor dem 1. Sep­tem­ber 2009 gestellt wor­den ist. Aus der engen Defi­ni­ti­on des “gericht­li­chen Ver­fah­rens” in Arti­kel 111 Abs. 2 FGG-RG ergibt sich nichts ande­res, weil die­se Bestim­mung nach dem Wil­len des Gesetz­ge­bers nur eine Klar­stel­lung für so genann­te Bestands­ver­fah­ren (Vor­mund­schaft, Betreu­ung oder Bei­stand­schaft) ent­hält. Die Zuläs­sig­keit einer (sofor­ti­gen wei­te­ren) Beschwer­de zum Bun­des­ge­richts­hof lässt sich dem Akti­en­ge­setz nicht ent­neh­men. Da mit­hin schon das Rechts­be­schwer­de­ver­fah­ren unstatt­haft ist, ist für den — allen­falls in des­sen Rah­men denk­ba­ren — Eil­an­trag kein Raum.

Goez emp­fahl, dies zu beach­ten, sowie bei ähn­li­chen Fra­gen ggfs. recht­li­chen und steu­er­li­chen Rat in Anspruch zu neh­men, wobei er dabei u. a. auf den DUV Deut­schen Unter­neh­mens­steu­er Ver­band — www.duv-verband.de — ver­wies.

Für Rück­fra­gen steht Ihnen zur Ver­fü­gung: 

Dr. Chris­toph Goez
Rechtsanwalt/Fachanwalt für Steuerrecht/
Fach­an­walt für Erbrecht
DUV Vize­prä­si­dent
Alp­mann Fröh­lich Rechts­an­walts­ge­sell­schaft mbH
Vers­poel 12
48143 Müns­ter
Tel.: 025141 70 10
Fax: 025141 70 163
Email: goez@alpmann-froehlich.de
www.alpmann-froehlich.de