(Kiel) Der Bun­des­fi­nanz­hof (BFH) hat soeben ent­schie­den, dass nach­hal­tig und gegen Ent­gelt erbrach­te Leis­tun­gen der öffent­li­che Hand der Umsatz­steu­er unter­lie­gen, wenn die­se Tätig­kei­ten auf zivil­recht­li­cher Grund­la­ge oder — im Wett­be­werb zu Pri­va­ten — auf öffent­lich-recht­li­cher Grund­la­ge aus­ge­führt wer­den.

Dabei reicht es aus, wenn die Nicht­be­steue­rung der öffent­li­chen Hand zu einer nicht nur unbe­deu­ten­den Wett­be­werbs­ver­zer­rung füh­ren wür­de. Die­se, auf einem EuGH-Urteil von 2008 beru­hen­de, geän­der­te Sicht­wei­se führt zu einer erheb­li­chen Aus­wei­tung der Umsatz­steu­er­pflicht für die öffent­li­che Hand im Ver­gleich zur gegen­wär­ti­gen Besteue­rungs­pra­xis der Finanz­ver­wal­tung; sie kann sich bei Inves­ti­ti­ons­maß­nah­men aber auch zuguns­ten der öffent­li­chen Hand aus­wir­ken.

Dar­auf ver­weist der Kie­ler Steu­er­be­ra­ter Jörg Pas­sau, Vize­prä­si­dent und geschäfts­füh­ren­des Vor­stands­mit­glied des DUV Deut­scher Unter­neh­mens­steu­er Ver­band e. V. mit Sitz in Kiel,  unter Hin­weis auf die Mit­tei­lung des Bun­des­fi­nanz­hofs (BFH) vom 15.02.2012 zu sei­nem Urteil vom 10. Novem­ber 2011 — V R 4110.

Im Streit­fall begehr­te eine Gemein­de den Vor­steu­er­ab­zug für die Errich­tung einer Sport- und Frei­zeit­hal­le. Die Gemein­de nutz­te die Hal­le für den Schul­sport ihrer Schu­len, über­ließ die Hal­le aber auch gegen Ent­gelt an pri­va­te Nut­zer sowie an eine Nach­bar­ge­mein­de für den dor­ti­gen Schul­un­ter­richt.

Der BFH hat die Umsatz­steu­er­pflicht der Tätig­kei­ten mit Aus­nah­me der Nut­zung für den eige­nen Schul­sport bejaht, so Pas­sau. Die Gemein­de ist des­halb zum antei­li­gen Abzug der Vor­steu­er ent­spre­chend der Ver­wen­dungs­ab­sicht bei Errich­tung der Hal­le berech­tigt.

Von all­ge­mei­nem Inter­es­se ist die Klar­stel­lung, dass auch sog. Bei­stands­leis­tun­gen, die zwi­schen juris­ti­schen Per­so­nen des öffent­li­chen Rechts wie z.B. Gemein­den erbracht wer­den, steu­er­pflich­tig sind, sofern es sich um Leis­tun­gen han­delt, die auch von Pri­vat­an­bie­tern erbracht wer­den kön­nen. Ent­ge­gen der der­zei­ti­gen Besteue­rungs­pra­xis kön­nen danach z.B. auch die Leis­tun­gen kom­mu­na­ler Rechen­zen­tren umsatz­steu­er­pflich­tig sein.

Mit dem Urteil setzt der BFH sei­ne jün­ge­re Recht­spre­chung fort, nach der auch die pri­vat­recht­lich erteil­te Erlaub­nis zum Auf­stel­len von Auto­ma­ten in Uni­ver­si­tä­ten (BFH v. 15. April 2010 V R 1009) oder die Über­las­sung von Pkw-Stell­plät­zen in Tief­ga­ra­gen durch eine Gemein­de auf hoheit­li­cher Grund­la­ge als ent­gelt­li­che Umsät­ze der Umsatz­steu­er unter­lie­gen (BFH v. 1. Dezem­ber 2011 V R 111).

Pas­sau emp­fahl, dies zu beach­ten und ggfs. steu­er­li­chen Rat in Anspruch zu neh­men, wobei er dabei u. a. auf den DUV Deut­schen Unter­neh­mens­steu­er Ver­band — www.duv-verband.de — ver­wies.

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Jörg Pas­sau
Steu­er­be­ra­ter
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