(Kiel) In zwei Urtei­len hat der Bun­des­fi­nanz­hof (BFH) erst­mals zur Neu­re­ge­lung der Abzugs­be­schrän­kung bei häus­li­chen Arbeits­zim­mern ent­schie­den. Für die Berufs­grup­pen der Hoch­schul­leh­rer und Rich­ter bil­det danach das Arbeits­zim­mer (wie bis­her) nicht den Mit­tel­punkt der gesam­ten beruf­li­chen Betä­ti­gung mit der Fol­ge, dass sie die Auf­wen­dun­gen für das häus­li­che Arbeits­zim­mer auch nach neu­em Recht nicht als Wer­bungs­kos­ten abzie­hen kön­nen.

Dar­auf ver­weist der Kie­ler Steu­er­be­ra­ter Jörg Pas­sau, Vize­prä­si­dent und geschäfts­füh­ren­des Vor­stands­mit­glied des DUV Deut­scher Unter­neh­mens­steu­er Ver­band e. V. mit Sitz in Kiel,  unter Hin­weis auf die Mit­tei­lung des Bun­des­fi­nanz­hofs (BFH) vom 25.01.2012 zu sei­nen Urtei­lem vom 27. Okto­ber 2011 — VI R 7110 und 8. Dezem­ber 2011 — VI R 1311.

Nach­dem das Bun­des­ver­fas­sungs­ge­richt das frü­he­re Gesetz gekippt hat­te, hat der Gesetz­ge­ber im Jah­res­steu­er­ge­setz 2010 eine Neu­re­ge­lung geschaf­fen, die rück­wir­kend auch in den Streit­fäl­len anwend­bar war. Danach kön­nen die Auf­wen­dun­gen für ein häus­li­ches Arbeits­zim­mer abge­zo­gen wer­den, wenn ent­we­der ein ande­rer Arbeits­platz nicht zur Ver­fü­gung steht (die­se Erwei­te­rung hat­te das Bun­des­ver­fas­sungs­ge­richt ein­ge­for­dert) oder wenn (wie bis­her) das Arbeits­zim­mer den Mit­tel­punkt der gesam­ten beruf­li­chen oder betrieb­li­chen Betä­ti­gung bil­det. Der BFH geht davon aus, dass es sich hier­bei um zwei getrennt von­ein­an­der zu beur­tei­len­de Tat­be­stän­de han­delt.

Ein Abzug nach der ers­ten Vari­an­te (wegen feh­len­den Arbeits­plat­zes) kam in bei­den Streit­fäl­len nicht in Betracht, weil bei­de Klä­ger einen vom Arbeit­ge­ber zur Ver­fü­gung gestell­ten Arbeits­platz nut­zen konn­ten. Aber auch nach der zwei­ten Vari­an­te (Mit­tel­punkt) blieb den Klä­gern der Erfolg ver­sagt.

Der BFH hat ent­schie­den, dass der Mit­tel­punkt der gesam­ten Betä­ti­gung — wie bis­her — qua­li­ta­tiv und unter Berück­sich­ti­gung der Ver­kehrs­an­schau­ung zu bestim­men ist, so Pas­sau.

Das gilt jeden­falls, wenn der Steu­er­pflich­ti­ge — wie in den Streit­fäl­len — ledig­lich eine ein­zi­ge beruf­li­che Tätig­keit aus­übt. Danach ist für den Beruf des Hoch­schul­leh­rers die Vor­le­sung in der Uni­ver­si­tät und für den Rich­ter die Aus­übung der recht­spre­chen­den Tätig­keit im Gericht prä­gend; bei­de Tätig­kei­ten kön­nen nicht im häus­li­chen Arbeits­zim­mer ver­rich­tet wer­den. Uner­heb­lich ist dage­gen, wie vie­le Stun­den der Steu­er­pflich­ti­ge in sei­nem häus­li­chen Arbeits­zim­mer zubringt.

Pas­sau emp­fahl, dies zu beach­ten und ggfs. steu­er­li­chen Rat in Anspruch zu neh­men, wobei er dabei u. a. auf den DUV Deut­schen Unter­neh­mens­steu­er Ver­band — www.duv-verband.de — ver­wies.
 

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Jörg Pas­sau
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