(Kiel) Der Bun­des­fi­nanz­hof hat soeben ent­schie­den, dass ein Unter­neh­mer, der über sei­ne Inter­net­sei­te den Nut­zern die Mög­lich­keit ver­schafft, kos­ten­pflich­ti­ge ero­ti­sche oder por­no­gra­fi­sche Bil­der und Vide­os zu bezie­hen, auch dann umsatz­steu­er­recht­lich Leis­ten­der ist, wenn der Nut­zer hier­zu auf Inter­net­sei­ten ande­rer Unter­neh­mer wei­ter­ge­lei­tet wird, ohne dass dies in ein­deu­ti­ger Wei­se kennt­lich gemacht wird.

Dar­auf ver­weist der Kie­ler Steu­er­be­ra­ter Jörg Pas­sau, Vize­prä­si­dent und geschäfts­füh­ren­des Vor­stands­mit­glied des DUV Deut­scher Unter­neh­mens­steu­er Ver­band e. V. mit Sitz in Kiel,  unter Hin­weis auf die Mit­tei­lung des Bun­des­fi­nanz­hofs (BFH) vom 7.11.2012 zu sei­nem Urteil vom 15. Mai 2012  — XI R 1610.

Die inlän­di­sche Klä­ge­rin betrieb eine Inter­net­sei­te. Sie ver­schaff­te Nut­zern des Inter­nets die Mög­lich­keit, kos­ten­pflich­ti­ge Bil­der und Vide­os mit ero­ti­schen oder por­no­gra­fi­schen Inhal­ten anzu­se­hen. Die Nut­zer, die die Inter­net­sei­te der Klä­ge­rin auf­ge­ru­fen hat­ten, wur­den von dort auf die Inter­net­sei­te eines Unter­neh­mens mit Sitz in Spa­ni­en und von die­ser auf die Inter­net­sei­te einer GmbH wei­ter­ge­lei­tet, auf der die Bil­der und Vide­os ent­hal­ten waren. Das spa­ni­sche Unter­neh­men stell­te eine gebüh­ren­pflich­ti­ge Son­der­ruf­num­mer nebst Ein­wahl­platt­form zur Ver­fü­gung, über die Nut­zer mit Hil­fe eines sog. Web­dia­lers über ihre Tele­fon­rech­nun­gen Gebüh­ren für die bezo­ge­nen kos­ten­pflich­ti­gen Inter­net­an­ge­bo­te ent­rich­te­ten, und kehr­te die ein­ge­zo­ge­nen Ent­gel­te nach Abzug einer Pro­vi­si­on an die Klä­ge­rin aus. Die Klä­ge­rin behan­del­te die vor­be­zeich­ne­ten Umsät­ze als nicht steu­er­bar. Sie war der Ansicht, dass mit einer Inter­net­sei­te, die ein­la­dend auf eine ande­re ver­wei­se bzw. auf eine ande­re Inter­net­sei­te wei­ter­lei­te, gegen­über dem Nut­zer kei­ne Leis­tun­gen erbracht wür­den.

Dem folg­te der BFH nicht, so Pas­sau.

Der Betrei­ber einer Inter­net­sei­te, der dort kos­ten­pflich­ti­ge Leis­tun­gen anbie­te, sei ver­gleich­bar mit einem Unter­neh­mer, der im eige­nen Laden Waren ver­kau­fe. So wie die­ser umsatz­steu­er­recht­lich grund­sätz­lich als Eigen­händ­ler anzu­se­hen sei, sei der Betrei­ber einer Inter­net­sei­te als der­je­ni­ge zu behan­deln, der die dort ange­bo­te­nen kos­ten­pflich­ti­gen Leis­tun­gen erbracht habe. Nur wenn der Betrei­ber einer Inter­net­sei­te in ein­deu­ti­ger Wei­se vor oder bei dem Geschäfts­ab­schluss zu erken­nen gebe, dass er für einen ande­ren tätig wer­de, also in frem­dem Namen und für frem­de Rech­nung han­de­le, und der Kun­de, der dies erkannt habe, sich aus­drück­lich oder still­schwei­gend damit ein­ver­stan­den erklä­re, kön­ne des­sen Ver­mitt­ler­ei­gen­schaft umsatz­steu­er­recht­lich aner­kannt wer­den.

Pas­sau emp­fahl, dies zu beach­ten und ggfs. steu­er­li­chen Rat in Anspruch zu neh­men, wobei er dabei u. a. auf den DUV Deut­schen Unter­neh­mens­steu­er Ver­band — www.duv-verband.de — ver­wies.

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Jörg Pas­sau
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