(Kiel) Der Bun­des­fi­nanz­hof (BFH) hat soeben ent­schie­den, dass Bil­lig­keits­maß­nah­men nach den Vor­ga­ben des Schrei­bens des Bun­des­mi­nis­te­ri­ums der Finan­zen (BMF) vom 27. Mai 2003 IV A 6 -S 2140- 803 (BSt­Bl I 2003, 240) nur in Fäl­len von unter­neh­mens­be­zo­ge­nen Sanie­run­gen, mit denen das Unter­neh­men selbst vor dem Zusam­men­bruch bewahrt wer­den soll, mög­lich sind; unter­neh­mer­be­zo­ge­ne Sanie­run­gen, bei der der Schul­den­er­lass den Steu­er­pflich­ti­gen per­sön­lich zugu­te kom­men soll, wer­den nicht erfasst.

Dar­auf ver­weist der Nürn­ber­ger Erb- und Steu­er­fach­an­walt Dr. Nor­bert Gie­se­ler, Prä­si­dent des DUV Deut­scher Unter­neh­mens­steu­er Ver­band e. V. mit Sitz in Kiel, unter Hin­weis auf das am 01.09.2010 ver­öf­fent­lich­te Urteil des Bun­des­fi­nanz­hofs (BFH) vom 14. Juli 2010 — X R 3408.

Nach § 3 Nr. 66 des Ein­kom­men­steu­er­ge­set­zes a.F. waren Sanie­rungs­ge­win­ne steu­er­frei. Für nach dem 31. Dezem­ber 1997 enden­de Wirt­schafts­jah­re hat der Gesetz­ge­ber die­se Bestim­mung auf­ge­ho­ben, weil Ver­lus­te zu die­ser Zeit unbe­schränkt vor­trags­fä­hig waren. In der Geset­zes­be­grün­dung wur­de jedoch dar­auf hin­ge­wie­sen, ein­zel­nen per­sön­li­chen oder sach­li­chen Här­te­fäl­len kön­ne im Bil­lig­keits­we­ge (Erlass bzw. Stun­dung) begeg­net wer­den.

Nach Auf­fas­sung des BFH durf­te die Ver­wal­tung (zum Zweck der Ver­ein­heit­li­chung des Ver­wal­tungs­han­delns) in einer Ver­wal­tungs­vor­schrift regeln, in wel­chen Fäl­len der Erlass von auf Sanie­rungs­ge­win­nen beru­hen­den Steu­ern aus sach­li­chen Bil­lig­keits­grün­den mög­lich ist. Der BFH hat aber offen gelas­sen, ob die Ver­wal­tung im o. a. BMF-Schrei­ben — gemes­sen an der Inten­ti­on des Gesetz­ge­bers — zu weit rei­chen­de Bil­lig­keits­maß­nah­men für zuläs­sig hält. Die­se Fra­ge brauch­te das Gericht nicht zu ent­schei­den, da im Streit­fall “nur” eine unter­neh­mer­be­zo­ge­ne Sanie­rung vor­lag.

Ein sach­li­cher Bil­lig­keits­er­lass der auf einem Sanie­rungs­ge­winn beru­hen­den Steu­ern ist stets aus­ge­schlos­sen, wenn die von der Ver­wal­tung for­mu­lier­ten Vor­aus­set­zun­gen im o. a. BMF-Schrei­ben nicht erfüllt sind. Dane­ben kön­nen aber ohne wei­te­res per­sön­li­che Bil­lig­keits­grün­de gel­tend machen wer­den.

Gie­se­ler emp­fahl. das Urteil zu beach­ten und in allen Zwei­fels­fra­gen Rechts­rat ein­zu­ho­len, wozu er u. a.  auch auf den DUV Deut­scher Unter­neh­mens­steu­er Ver­band e. V. — www.duv-verband.de — ver­wies. 

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