(Kiel) Der Bun­des­fi­nanz­hof (BFH) hat soeben eine in der Pra­xis der Insol­venz­ver­wal­tung häu­fig anzu­tref­fen­de Fall­ge­stal­tung ver­wor­fen und damit sicher­ge­stellt, dass aus einem vom Insol­venz­ver­wal­ter ver­ein­nahm­ten Ent­gelt ein­schließ­lich Umsatz­steu­er im Regel­fall auch die Umsatz­steu­er an das Finanz­amt abge­führt wer­den muss.

Dar­auf ver­weist der Nürn­ber­ger Fach­an­walt für Erb-, Steu­er sowie Han­dels- und Gesell­schafts­recht Dr. Nor­bert Gie­se­ler, Prä­si­dent des DUV Deut­scher Unter­neh­mens­steu­er Ver­band e. V. mit Sitz in Kiel, unter Hin­weis auf das am 13.04.2011 ver­öf­fent­lich­te Urteil des Bun­des­fi­nanz­hofs (BFH) vom 9. Dezem­ber 2010 — V R 2210.

Wird über das Ver­mö­gen eines Unter­neh­mers, der umsatz­steu­er­pflich­ti­ge Leis­tun­gen erbringt, das Insol­venz­ver­fah­ren eröff­net, ver­ein­nah­men Insol­venz­ver­wal­ter häu­fig For­de­run­gen aus Leis­tun­gen, die der Unter­neh­mer bis zur Ver­fah­rens­er­öff­nung erbracht hat. Die­se For­de­run­gen set­zen sich aus dem sog. Ent­gelt und dem Umsatz­steu­er­an­teil für die erbrach­te Leis­tung zusam­men. Zieht der Insol­venz­ver­wal­ter z.B. eine For­de­rung über 1.190 € ein, ist hier­in bei Leis­tun­gen, die dem Regel­steu­er­satz von 19 % unter­lie­gen, ein Umsatz­steu­er­an­teil von 190 € ent­hal­ten.

Bis­her wur­de die For­de­rung in der Pra­xis der Insol­venz­ver­wal­tung in vol­ler Höhe für die Mas­se ver­ein­nahmt, so dass der Fis­kus den Umsatz­steu­er­an­spruch nur als sog. Insol­venz­for­de­rung zur sog. Insol­venz­ta­bel­le anmel­den konn­te und er ledig­lich wie ein Insol­venz­gläu­bi­ger quo­tal befrie­digt wur­de. Trotz der Ver­ein­nah­mung des vol­len Steu­er­an­teils von 190 € durch den Insol­venz­ver­wal­ter erhielt der Fis­kus danach bei einer Insol­venz­quo­te von z.B. 5 % nur 9,50 €. Der BFH ist dem für den Son­der­fall der sog. Ist­be­steue­rung bereits in der Ver­gan­gen­heit ent­ge­gen­tre­ten, so dass die vom Insol­venz­ver­wal­ter ver­ein­nahm­te Umsatz­steu­er für eine vor Ver­fah­rens­er­öff­nung erbrach­te Leis­tung in die­sem Fall eine voll zu befrie­di­gen­den Mas­se­ver­bind­lich­keit ist.

Nach dem jetzt ver­öf­fent­lich­ten Urteil des BFH im Ver­fah­ren V R 2210 gilt dies auch, so Dr. Gie­se­ler, wenn der Unter­neh­mer wie im Regel­fall der sog. Soll­be­steue­rung unter­liegt.

Der BFH begrün­det sein Urteil mit dem Ent­ste­hen meh­re­rer Ver­mö­gens­mas­sen im Insol­venz­fall. Dem Urteil kommt gro­ße Bedeu­tung für die Pra­xis der Unter­neh­mens­in­sol­venz zu, da die Insol­venz­ver­wal­ter hier typi­scher­wei­se For­de­run­gen aus vor Ver­fah­rens­er­öff­nung erbrach­ten Leis­tun­gen bei­trei­ben. Das Urteil führt im Ver­gleich zur bis­her all­ge­mein geüb­ten Pra­xis zu einer deut­li­chen Schmä­le­rung der Insol­venz­mas­se, zu deren Las­ten nun auch im Fall der Soll­be­steue­rung der vol­le Umsatz­steu­er­an­teil als Mas­se­ver­bind­lich­keit an den Fis­kus aus­zu­keh­ren ist.

Gie­se­ler emp­fahl. dasl zu beach­ten und in allen Zwei­fels­fra­gen Rechts­rat ein­zu­ho­len, wozu er u. a.  auch auf den DUV Deut­scher Unter­neh­mens­steu­er Ver­band e. V. — www.duv-verband.de — ver­wies. 

Für Rück­fra­gen steht Ihnen zur Ver­fü­gung:

Dr. Nor­bert Gie­se­ler
Rechts­an­walt
Fach­an­walt für Erbrecht
Fach­an­walt für Steu­er­recht
Fach­an­walt für Han­dels- und Gesell­schafts­recht
DUV-Prä­si­dent
c/o Scholz & Weis­pfen­ning
Königstor­gra­ben 3
90402 Nürn­berg
Tel.:  0911 — 244 370
Fax:  0911 — 244 3799
Email: kanzlei@scho-wei.de
www.scho-wei.de