(Kiel) Der Bun­des­fi­nanz­hof (BFH) in Mün­chen hat mit einem am 18.03.2009 ver­öf­fent­lich­ten Urteil das Bank­ge­heim­nis wei­ter gelo­ckert. Danach dür­fen Ban­ken  Kon­to­da­ten ihrer Kun­den auch dann an die Finanz­äm­ter wei­ter­rei­chen, wenn kein kon­kre­ter straf­recht­li­cher Ver­dacht auf Steu­er­hin­ter­zie­hung vor­liegt.

Dar­auf ver­weist der Nürn­ber­ger Steu­er­fach­an­walt Dr. Nor­bert Gie­se­ler, Prä­si­dent des DUV Deut­scher Unter­neh­mens­steu­er Ver­band e. V. mit Sitz in Kiel, unter Hin­weis auf das am 18.03.2009 ver­öf­fent­lich­te Urteil des Bun­des­fi­nanz­hofs vom 09.12.2008 — AZ.: VII R 4707 -.

In dem aus­ge­ur­teil­ten Fall führ­te das Finanz­amt bei einem Kre­dit­in­sti­tut eine Außen­prü­fung durch, bei der Gegen­stand der Prü­fung u. a. auch ein Auf­wands­kon­to “Wert­pa­pier-Fehl­ge­schäf­te” war. Nach Aus­wer­tung der Unter­la­gen kün­dig­te das Finanz­amt an, zu den Steu­er­ak­ten von 34 Kun­den Kon­troll­mit­tei­lun­gen anzu­fer­ti­gen und an die Wohn­sitz­fi­nanz­äm­ter der Kun­den wei­ter­zu­lei­ten. Die­se 34 Fäl­le sei­en aus der Gesamt­heit der das Auf­wands­kon­to “Wert­pa­pier-Fehl­ge­schäf­te” betref­fen­den Geschäfts­vor­fäl­le selek­tiert wor­den, weil der Umfang der vor­ge­fun­de­nen Unter­la­gen und die Höhe der erstat­te­ten Gebüh­ren Schluss­fol­ge­run­gen auf die Höhe der Ein­künf­te aus Kapi­tal­ver­mö­gen und ggf. auf ver­meint­li­che Ver­äu­ße­rungs­ge­win­ne zuge­las­sen habe.

Die Kla­ge des Kre­dit­in­sti­tuts gegen die Ankün­di­gung des Finanz­amts  blieb erfolg­los. Das Finanz­ge­richt  war der Auf­fas­sung, dass das Kon­to “Wert­pa­pier-Fehl­ge­schäf­te” nicht unter den Schutz­be­reich des § 30a Abs. 3 AO fal­le und das Finanz­amt  schon des­halb nicht gehin­dert gewe­sen sei, dar­aus gewon­ne­ne Erkennt­nis­se durch Kon­troll­mit­tei­lun­gen zu ver­wer­ten.

Die dage­gen gerich­te­te Revi­si­on des Kre­dit­in­sti­tuts blieb vor dem BFH nun erfolg­los, so Gie­se­ler.

Das Gericht war der Auf­fas­sung, dass Kon­troll­mit­tei­lun­gen anläss­lich einer Ban­ken­prü­fung trotz des Bank­ge­heim­nis­ses dann zuläs­sig sind, wenn sich ein unter Berück­sich­ti­gung des gesetz­li­chen Schut­zes des sog. Bank­ge­heim­nis­ses zu bestim­men­der hin­rei­chen­der Anlass für die “Nach­prü­fung der steu­er­li­chen Ver­hält­nis­se” anhand der kon­kre­ten Ermitt­lun­gen im Ein­zel­fall und der in ver­gleich­ba­ren Prüf­si­tua­tio­nen gewon­ne­nen ver­all­ge­mei­ne­rungs­fä­hi­gen Erkennt­nis­se nach­voll­zieh­bar ergibt. Dazu rei­che es aus, wenn das zu prü­fen­de Bank­ge­schäft „Auf­fäl­lig­kei­ten” auf­wei­se, die es aus dem Kreis der all­täg­li­chen und bank­üb­li­chen Geschäf­te her­vor­he­be.

Zwar sind nach dem Urteil auch wei­ter­hin „stan­dard­mä­ßi­ge”  Kon­troll­mit­tei­lun­gen unzu­läs­sig, betont Gie­se­ler. Dem Urteil sei jedoch zu ent­neh­men, dass der Bun­des­fi­nanz­hof   Kon­troll­mit­tei­lun­gen schon dann für zuläs­sig hält, wenn aus­rei­chen­de Hin­wei­se auf Feh­ler bei der Steu­er­erklä­rung vor­lie­gen, also nicht erst beim Vor­lie­gen des Ver­dachts auf eine Straf­tat.

Im Streit­fall hat­te das Finanz­ge­richt (FG) die beab­sich­tig­ten Kon­troll­mit­tei­lun­gen für zuläs­sig gehal­ten. Der BFH hat das Urteil nun auf­ge­ho­ben und die Sache an das Finanz­ge­richt  zur wei­te­ren Prü­fung zurück­ver­wie­sen. Des­sen Fest­stel­lun­gen sei nicht ent­neh­men, wel­che Umstän­de den Prü­fer im Ein­zel­nen ver­an­lasst hat­ten, die Kon­troll­mit­tei­lun­gen fer­ti­gen zu wol­len. Anders als das Finanz­ge­richt hielt der BFH es nicht für aus­rei­chend, pau­schal auf­grund von hohen Scha­dens­er­satz­zah­lun­gen für Wert­pa­pier­fehl­käu­fe des Kre­dit­in­sti­tuts auf ein nicht uner­heb­li­ches Kapi­tal­ver­mö­gen und hier­aus erziel­te höhe­re Kapi­tal­ein­nah­men als vom Steu­er­pflich­ti­gen ange­ge­ben schlie­ßen zu wol­len und dies damit zu begrün­den, dass gera­de im Bereich der Kapi­tal­ein­künf­te das Erklä­rungs­ver­hal­ten vie­ler Steu­er­pflich­ti­ger „alles ande­re als vor­bild­lich sei”. Das Finanz­ge­richt wer­de nun  Gele­gen­heit haben, sein dies­be­züg­li­ches Vor­brin­gen zu ergän­zen, ins­be­son­de­re Kri­te­ri­en auf­zu­zei­gen, die einen hin­rei­chen­den Anlass für wei­te­re steu­er­li­che Ermitt­lun­gen bie­ten und im Streit­fall von Bedeu­tung sei­en.

Gie­se­ler emp­fahl drin­gend, das Urteil zu beach­ten und ohne vor­he­ri­ge aus­führ­li­che steu­er­li­che Bera­tung kei­ne ent­spre­chen­den Gestal­tun­gen vor­zu­neh­men, wobei er u. a.  auch auf den DUV Deut­scher Unter­neh­mens­steu­er Ver­band e. V. — www.duv-verband.de — ver­wies.

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