(Kiel) In einem am 15.01.2010  ver­öf­fent­lich­ten Beschluss hat der Gro­ße Senat des Bun­des­fi­nanz­hofs (BFH) sei­ne Recht­spre­chung zu gemischt ver­an­lass­ten Rei­sen, also teils beruf­lich teils pri­vat, geän­dert und Auf­wen­dun­gen hier­für in grö­ße­rem Umfang als bis­her zum Abzug als Betriebs­aus­ga­ben oder Wer­bungs­kos­ten zuge­las­sen.

Dar­auf ver­weist der Kie­ler Steu­er­be­ra­ter Jörg Pas­sau, Vize­prä­si­dent und geschäfts­füh­ren­des Vor­stands­mit­glied des DUV Deut­scher Unter­neh­mens­steu­er Ver­band e. V. unter Hin­weis auf den am 15.01.2010 ver­öf­fent­lich­ten Beschluss des Bun­des­fi­nanz­hofs (BFH) vom 21.09.2009, Az.:  GrS 106.

In dem Fall bezog der Klä­ger, der frü­her auch in den USA berufs­tä­tig war, im Streit­jahr als kauf­män­ni­scher Ange­stell­ter Ein­künf­te aus nicht­selb­stän­di­ger Arbeit zunächst bei einem im Bereich der Infor­ma­ti­ons­tech­no­lo­gie täti­gen Unter­neh­men und im zwei­ten Halb­jahr aus einer Tätig­keit als “EDV-Con­trol­ler” bei einem Unter­neh­men der Ver­si­che­rungs­bran­che.

Er besuch­te — wie auch in den Vor­jah­ren — eine Com­pu­ter-Mes­se in Las Vegas, auf der er im Vor­jahr einen Vor­trag gehal­ten hat­te. Er flog am Frei­tag, dem 11. Novem­ber 1994 nach Las Vegas. Die Mes­se begann am dar­auf fol­gen­den Mon­tag und ende­te an dem dar­auf fol­gen­den Don­ners­tag. Von Mon­tag bis Mitt­woch fan­den in der Zeit von 10:30 Uhr bis 17:00 Uhr (mit drei halb­stün­di­gen Pau­sen) Fach­ver­an­stal­tun­gen und Fach­dis­kus­sio­nen statt. Am Don­ners­tag dau­er­ten die Fach­ver­an­stal­tun­gen von 9:00 Uhr bis 14:30 Uhr. Am dar­auf fol­gen­den Sams­tag flog der Klä­ger von Las Vegas zurück nach Köln; dort traf er am Sonn­tag ein. Er mach­te die gesam­ten Auf­wen­dun­gen für die Rei­se als Wer­bungs­kos­ten bei der Ermitt­lung sei­ner Ein­künf­te aus nicht­selb­stän­di­ger Arbeit gel­tend: Flug­kos­ten (inklu­si­ve Flug­ha­fen­ge­büh­ren), Tagungs­ge­büh­ren, Ver­pfle­gungs­mehr­auf­wand und Hotel­kos­ten für sechs Über­nach­tun­gen.

Das Finanz­amt berück­sich­tig­te nur die Tagungs­ge­büh­ren als Wer­bungs­kos­ten, woge­gen der Klä­ger Kla­ge erhob.

Das Finanz­ge­richt (FG) Köln gab der die­ser teil­wei­se statt. Von den sie­ben Tagen des USA-Auf­ent­halts sei­en nur vier Tage einem ein­deu­ti­gen beruf­li­chen Anlass zuzu­ord­nen. Des­halb sei­en nur Kos­ten für vier Über­nach­tun­gen und Ver­pfle­gungs­mehr­auf­wen­dun­gen für fünf Tage zu berück­sich­ti­gen. Die Flug­kos­ten sei­en zu 47 als Wer­bungs­kos­ten anzu­er­ken­nen. Die Auf­tei­lung die­ser Kos­ten sei mög­lich, weil an den ein­zel­nen Mes­se­ta­gen ganz­tä­gig beruf­li­che Ver­an­stal­tun­gen statt­ge­fun­den hät­ten.

Dage­gen leg­te das Finanz­amt Revi­si­on ein und mach­te gel­tend, die Auf­tei­lung der Flug­kos­ten wei­che von der stän­di­gen Recht­spre­chung des BFH ab.

Der für die­se Revi­si­on zustän­di­ge VI. Senat des BFH rief nun den Gro­ßen Senat des Bun­des­fi­nanz­hofs an, der die Recht­mä­ßig­keit der Auf­tei­lung der Flug­kos­ten nun bestä­tig­te, so Pas­sau.

Auf­wen­dun­gen für die Hin- und Rück­rei­se bei gemischt beruf­lich (betrieb­lich) und pri­vat ver­an­lass­ten Rei­sen kön­nen grund­sätz­lich in abzieh­ba­re Wer­bungs­kos­ten oder Betriebs­aus­ga­ben und nicht abzieh­ba­re Auf­wen­dun­gen für die pri­va­te Lebens­füh­rung nach Maß­ga­be der beruf­lich und pri­vat ver­an­lass­ten Zeit­an­tei­le der Rei­se auf­ge­teilt wer­den, wenn die beruf­lich ver­an­lass­ten Zeit­an­tei­le fest­ste­hen und nicht von unter­ge­ord­ne­ter Bedeu­tung sind. Hier­bei kann es das unter­schied­li­che Gewicht der ver­schie­de­nen Ver­an­las­sungs­bei­trä­ge im Ein­zel­fall jedoch erfor­dern, einen ande­ren Auf­tei­lungs­maß­stab her­an­zu­zie­hen oder ganz von einer Auf­tei­lung abzu­se­hen.

Damit, so betont Pas­sau, hat der Gro­ße Senat die bis­he­ri­ge Recht­spre­chung des Bun­des­fi­nanz­ho­fes auf­ge­ge­ben, der bis­her in der Bestim­mung § 12 Nr. 1 Satz 2 EStG (Ein­kom­men­steu­er­ge­setz) ein all­ge­mei­nes Auf­tei­lungs- und Abzugs­ver­bot für gemischt ver­an­lass­te Auf­wen­dun­gen gese­hen hat­te.

Pas­sau emp­fahl, das Urteil zu beach­ten und ggfs. steu­er­li­chen Rat in Anspruch zu neh­men, wobei er dabei u. a. auf den DUV Deut­schen Unter­neh­mens­steu­er Ver­band — www.duv-verband.de — ver­wies.

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