(Kiel) Der Bun­des­fi­nanz­hof (BFH) hat soeben in einem Ver­fah­ren des vor­läu­fi­gen Rechts­schut­zes ent­schie­den, dass die sog. Min­dest­be­steue­rung in bestimm­ten Situa­tio­nen zu einer ver­fas­sungs­recht­lich unan­ge­mes­se­nen Besteue­rung füh­ren kann.

Dar­auf ver­weist der Nürn­ber­ger Erb- und Steu­er­fach­an­walt Dr. Nor­bert Gie­se­ler, Prä­si­dent des DUV Deut­scher Unter­neh­mens­steu­er Ver­band e. V. mit Sitz in Kiel, unter Hin­weis auf das am 27.10.2010 ver­öf­fent­lich­te Urteil des Bun­des­fi­nanz­hofs (BFH) vom 26. August 2010 —  I B 4910.

Seit 2004 dür­fen in den Vor­jah­ren nicht aus­ge­gli­che­ne nega­ti­ve Ein­künf­te in den fol­gen­den Ver­an­la­gungs­zeit­räu­men zwar bis zur Höhe von 1 Mio. Euro unbe­schränkt von einem ent­spre­chend hohen posi­ti­ven Gesamt­be­trag der Ein­künf­te abge­zo­gen wer­den, ein über­stei­gen­der Ver­lust­be­trag aber nur bis zu 60% des 1 Mio. Euro über­stei­gen­den Gesamt­be­trags der Ein­künf­te. Bei einem bestehen­den Ver­lust­vor­trag in Höhe von z.B. 3 Mio. Euro und einem zu ver­steu­ern­den Ein­kom­men vor Ver­lust­aus­gleich im aktu­el­len Jahr in Höhe von z.B. 2 Mio. Euro bedeu­tet das: Es kön­nen ledig­lich 1,6 Mio. Euro der Ver­lus­te aus­ge­gli­chen wer­den, wäh­rend für 400 000 Euro Steu­ern anfal­len. Die ver­blei­ben­den Ver­lus­te kön­nen erst in den Fol­ge­jah­ren abge­zo­gen wer­den.

All­ge­mein wird in die­ser liqui­di­täts­be­las­ten­den zeit­li­chen „Stre­ckung” des Ver­lust­ab­zugs kein Ver­fas­sungs­ver­stoß gese­hen. Das gilt aber nur solan­ge, wie ein Abzug der ver­blei­ben­den Ver­lus­te in den Fol­ge­jah­ren prin­zi­pi­ell mög­lich ist. Beden­ken bestehen jedoch, wenn es zu einem end­gül­ti­gen Fort­fall der Ver­lust­nut­zungs­mög­lich­keit kommt.

Die­sen Beden­ken, so betont Dr. Gie­se­ler, hat sich der BFH nun ange­schlos­sen.

Das kon­kre­te Ver­fah­ren betraf eine GmbH, die hohe Ver­lus­te erwirt­schaf­tet und die­se wegen der Min­dest­be­steue­rung nur teil­wei­se abzie­hen konn­te. In der Fol­ge­zeit kam es zu einer Umstruk­tu­rie­rung und einem Gesell­schaf­ter­wech­sel, der dazu führ­te, dass der wegen der Min­dest­be­steue­rung nicht aus­ge­nutz­te Ver­lust­vor­trag nach § 8c des Kör­per­schaft­steu­er­ge­set­zes (KStG) in Gän­ze ver­lo­ren ging. Der BFH hat ernst­li­che Zwei­fel an der Ver­fas­sungs­mä­ßig­keit der Min­dest­be­steue­rung, soweit sie für einen der­ar­ti­gen end­gül­ti­gen Aus­fall des Ver­lust­ab­zugs kei­ne gesetz­li­che Vor­sor­ge trifft. Er erwägt des­we­gen eine ver­fas­sungs­kon­for­me Normaus­le­gung. Offen bleibt, ob § 8c KStG nicht sei­ner­seits Ver­fas­sungs­be­den­ken auf­wirft.

Gie­se­ler emp­fahl. das Urteil zu beach­ten und in allen Zwei­fels­fra­gen Rechts­rat ein­zu­ho­len, wozu er u. a.  auch auf den DUV Deut­scher Unter­neh­mens­steu­er Ver­band e. V. — www.duv-verband.de — ver­wies.

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