(Kiel) Nach einem soeben ver­öf­fent­lich­ten Urteil des Bun­des­fi­nanz­hofs sind Betrei­ber von Glücks­spiel­au­to­ma­ten nicht berech­tigt, die Steu­er­frei­heit ihrer Umsät­ze nach der Sechs­ten Richt­li­nie zur Har­mo­ni­sie­rung der Rechts­vor­schrif­ten der Mit­glied­staa­ten über die Umsatz­steu­ern (Sechs­te EG-Richt­li­nie) für Zeit­räu­me gel­tend zu machen, für die bereits bestands­kräf­ti­ge Steu­er­be­schei­de ohne Vor­be­halt der Nach­prü­fung vor­lie­gen.

Dar­auf ver­weist der Kie­ler Steu­er­be­ra­ter Jörg Pas­sau, Vize­prä­si­dent und geschäfts­füh­ren­des Vor­stands­mit­glied des DUV Deut­scher Unter­neh­mens­steu­er Ver­band e. V. mit Sitz in Kiel, unter Hin­weis auf die am 24.11.2010 bekannt gege­be­ne Ent­schei­dung des Bun­des­fi­nanz­hofs (BGH) vom 16. Sep­tem­ber 2010 — V R 5709.

Das Urteil betrifft die frü­her gel­ten­de Rechts­la­ge vor Inkraft­tre­ten des Geset­zes zur Ein­däm­mung miss­bräuch­li­cher Steu­er­ge­stal­tun­gen aus dem Jahr 2006, nach der sich die Betrei­ber von Glücks­spiel­au­to­ma­ten gegen die nach natio­na­lem Recht bestehen­de Steu­er­pflicht ihrer Leis­tun­gen unmit­tel­bar auf eine Steu­er­frei­heit für Glücks­spiel­um­sät­ze nach der sog. Sechs­ten EG-Richt­li­nie beru­fen konn­ten, da Deutsch­land die Sechs­te EG-Richt­li­nie feh­ler­haft umge­setzt hat­te. Die Steu­er­frei­heit nach der Sechs­ten EG-Richt­li­nie ergab sich aus einem erst 2005 ergan­ge­nen Urteil des Gerichts­hofs der Euro­päi­schen Uni­on (EuGH). Die betrof­fe­nen Unter­neh­mer waren berech­tigt, die sich aus die­sem Urteil erge­ben­de Steu­er­frei­heit auch rück­wir­kend für die Ver­gan­gen­heit gel­tend zu machen.

In dem durch den BFH ent­schie­de­nen Streit­fall ging es um die Fra­ge, so Pas­sau, ob die sich aus der Sechs­ten EG-Richt­li­nie erge­ben­de Steu­er­frei­heit rück­wir­kend auch für Besteue­rungs­zeit­räu­me bean­sprucht wer­den kann, für die bestands­kräf­ti­ge Steu­er­be­schei­de ohne Vor­be­halt der Nach­prü­fung vor­lie­gen.

Der BFH hat dies in sei­nem jetzt ver­öf­fent­lich­ten Urteil –ent­spre­chend sei­ner bis­he­ri­gen Recht­spre­chung– ver­neint. Die feh­ler­haf­te Umset­zung der Sechs­ten EG-Richt­li­nie im natio­na­len Recht kann danach nur im Rah­men der all­ge­mei­nen Rechts­be­helfs- und Kor­rek­tur­vor­schrif­ten für Steu­er­be­schei­de, wie sie nach der Abga­ben­ord­nung vor­ge­se­hen sind, gel­tend gemacht wer­den. Der BFH stützt dies auf die Recht­spre­chung des EuGH. Danach kommt es nur dar­auf an, dass die feh­ler­haf­te Umset­zung des Uni­ons­rechts unter den­sel­ben Bedin­gun­gen gerügt wer­den kann, wie eine sich aus dem natio­na­len Recht erge­ben­de Rechts­wid­rig­keit. Da für bestands­kräf­ti­ge Steu­er­be­schei­de, die nicht unter Vor­be­halt der Nach­prü­fung ste­hen, nach natio­na­lem Recht kei­ne Kor­rek­tur­mög­lich­keit zur Behe­bung blo­ßer Rechts­feh­ler besteht, konn­te die Klä­ge­rin die aus dem EU-Recht fol­gen­de Steu­er­frei­heit aus ver­fah­rens­recht­li­chen Grün­den im Streit­fall nicht mehr gel­tend machen.  

Pas­sau emp­fahl, die Ent­schei­dung zu beach­ten und ggfs. steu­er­li­chen Rat in Anspruch zu neh­men, wobei er dabei u. a. auf den DUV Deut­schen Unter­neh­mens­steu­er Ver­band — www.duv-verband.de — ver­wies.

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Jörg Pas­sau
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