(Kiel) In einem am 12.11.2008 ver­öf­fent­lich­ten Urteil hat der Bun­des­fi­nanz­hof (BFH) ent­schie­den, dass eine steu­er­be­güns­tig­te Ver­äu­ße­rung des Betrie­bes im Sin­ne des § 16 Ein­kom­men­steu­er­ge­setz (EStG) auch dann vor­liegt, wenn der Über­tra­gen­de danach für den Erwer­ber als selb­stän­di­ger Unter­neh­mer als Bera­ter tätig wird. (AZ.: X R 4007)

In dem aus­ge­ur­teil­ten Fall, so der Nürn­ber­ger Steu­er­fach­an­walt Dr. Nor­bert Gie­se­ler, Prä­si­dent des DUV — Deut­scher Unter­neh­mens­steu­er Ver­band e. V. mit Sitz in Kiel, ver­kauf­te ein Fir­men­in­ha­ber sei­nen Gewer­be­be­trieb (Ver­trieb von Kli­ma­sys­te­men) im Jah­re 2001 an einen Mit­ar­bei­ter, nach­dem ihm sei­ne Ver­si­che­rung eine Berufs­un­fä­hig­keits­ren­te bewil­ligt hat­te. Gleich­zei­tig schlos­sen Ver­käu­fer und Käu­fer einen Bera­tungs­ver­trag ab, wonach der frü­he­re Fir­men­in­ha­ber den Erwer­ber in allen grund­sätz­li­chen Fra­gen der Unter­neh­mens­füh­rung und der Akqui­si­ti­on zu bera­ten hat­te. Das zustän­di­ge Finanz­amt sowie in ers­ter Instanz auch das Finanz­ge­richt Düs­sel­dorf ver­sag­ten dar­auf­hin dem Ver­äu­ße­rer für den Ver­äu­ße­rungs­ge­winn von 86.725 DM den Frei­be­trag nach § 16 Abs. 4 EStG und lehn­ten dar­über hin­aus eine Behand­lung des Ver­äu­ße­rungs­ge­winns als „außer­or­dent­li­che Ein­künf­te“ im Sin­ne von § 34 EStG mit der Begrün­dung ab, dass der frü­he­re Fir­men­in­ha­ber sei­ne bis­he­ri­ge Tätig­keit nach der Ver­äu­ße­rung der Akti­va und Pas­si­va nicht been­det, son­dern über den geschlos­se­nen Bera­ter­ver­trag fort­ge­setzt habe. Die­ser Auf­fas­sung, so Gie­se­ler, ver­moch­te sich der BFH nun in letz­ter Instanz nicht anzu­schlie­ßen und stell­te in dem Urteil fest, dass eine steu­er­be­güns­tig­te Ver­äu­ße­rung in dem vor­ste­hen­den Sin­ne auch dann vor­lie­ge, wenn der Über­tra­gen­de nach der Ver­äu­ße­rung als selb­stän­di­ger Unter­neh­mer für den Erwer­ber tätig wird. Zur Begrün­dung habe das Gericht aus­ge­führt, dass der frü­he­re Fir­men­in­ha­ber mit dem Ver­kauf sämt­li­che wesent­li­chen Betriebs­grund­la­gen sei­nes Gewer­be­be­trie­bes an den Erwer­ber über­tra­gen und sei­ne unter­neh­me­ri­sche Tätig­keit, bezo­gen auf die­ses Betriebs­ver­mö­gen, ein­ge­stellt habe. „Unter­neh­mer­initia­ti­ve“ im Sin­ne des Geset­zes habe der Ver­äu­ßer hier­nach nur noch im Rah­men  sei­nes neu gegrün­de­ten Gewer­be­be­trie­bes als „Bera­ter“ ent­fal­tet und das von ihm zu tra­gen­de Unter­neh­mer­ri­si­ko bezie­he ich nur noch auf die­sen (neu­en) Betrieb. Ab dem Zeit­punkt der Ver­äu­ße­rung habe der Ver­äus­se­rer sei­ne frü­her als Fir­men­in­ha­ber erwor­be­nen Kennt­nis­se und Kun­den­kon­tak­te nicht mehr für sich selbst, son­dern im Inter­es­se des Erwer­bers genutzt.

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Dr. Nor­bert Gie­se­ler
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