(Kiel)  Der Bun­des­fi­nanz­hof (BFH) hat soeben ent­schie­den, dass die Betei­li­gungs­gren­ze von 1% gem. § 17 Abs. 1 Satz 1 des Ein­kom­men­steu­er­ge­set­zes (EStG) i.d.F. des Steu­er­sen­kungs­ge­set­zes vom 23. Okto­ber 2000 (BGBl I 2000, 1433) ver­fas­sungs­ge­mäß ist.

Gewin­ne aus der Ver­äu­ße­rung von im Pri­vat­ver­mö­gen gehal­te­nen Betei­li­gun­gen an einer Kapi­tal­ge­sell­schaft sind danach steu­er­pflich­tig, wenn der Ver­äu­ße­rer inner­halb der letz­ten fünf Jah­re am Kapi­tal der Gesell­schaft zu min­des­tens 1 % betei­ligt war.

Dar­auf ver­weist der Kie­ler Steu­er­be­ra­ter Jörg Pas­sau, Vize­prä­si­dent und geschäfts­füh­ren­des Vor­stands­mit­glied des DUV Deut­scher Unter­neh­mens­steu­er Ver­band e. V. mit Sitz in Kiel,  unter Hin­weis auf die Mit­tei­lung des Bun­des­fi­nanz­hofs (BFH) vom 23.01.2013 zu sei­nem Urteil vom 24. Okto­ber 2012 — IX R 3611.

Der Klä­ger war bis zu der streit­be­fan­ge­nen Anteils­ver­äu­ße­rung im August 2003 zwi­schen 4,9 % und 7 % an einer AG betei­ligt. Den Ver­äu­ße­rungs­ge­winn erfass­te das Finanz­amt unter Anwen­dung des Halb­ein­künf­te­ver­fah­rens als Ein­künf­te i.S. von § 17 EStG, wobei der auf den Zeit­raum bis zum 26. Okto­ber 2000, dem Tag der Ver­kün­dung des Steu­er­sen­kungs­ge­set­zes ent­fal­len­de Wert­zu­wachs nicht besteu­ert wur­de. Strei­tig war vor allem die Ver­fas­sungs­mä­ßig­keit der 1%-Grenze. Das Finanz­ge­richt hat die Kla­ge abge­wie­sen.

Dies hat der BFH auf die Revi­si­on des Klä­gers hin bestä­tigt, so Pas­sau: Die Ent­schei­dung, ob Gewin­ne aus der Ver­äu­ße­rung von Gegen­stän­den des Pri­vat­ver­mö­gens besteu­ert wer­den, sei eine poli­ti­sche. Die Wahl der Unter­gren­ze von 1 % sei von der Gestal­tungs­frei­heit und Typi­sie­rungs­be­fug­nis des Steu­er­ge­setz­ge­bers umfasst. Nicht zu bean­stan­den sei auch die steu­er­li­che Erfas­sung von Wert­stei­ge­run­gen im Zeit­raum von der Geset­zes­ver­kün­dung bis zum Inkraft­tre­ten der 1 %-Gren­ze.

Seit Ein­füh­rung der Abgel­tungs­steu­er auf Kapi­tal­ein­künf­te im Ver­an­la­gungs­zeit­raum 2009 unter­lie­gen die Gewin­ne aus der Ver­äu­ße­rung von Akti­en auch bei einer Betei­li­gung von unter 1% der Besteue­rung nach § 20 Abs. 2 Nr. 1 EStG. Die damit im Zusam­men­hang ste­hen­den Fra­gen waren nicht Gegen­stand des Urteils.

Pas­sau emp­fahl, dies zu beach­ten und ggfs. steu­er­li­chen Rat in Anspruch zu neh­men, wobei er dabei u. a. auf den DUV Deut­schen Unter­neh­mens­steu­er Ver­band — www.duv-verband.de — ver­wies. 

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Jörg Pas­sau
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