(Kiel) Das Finanz­ge­richt Müns­ter hat in einem soeben ver­öf­fent­lich­ten Urteil klar­ge­stellt, dass aus sei­ner Sicht kei­ne ver­fas­sungs­recht­li­chen Beden­ken an der ab 2005 gel­ten­den Ren­ten­be­steue­rung bestehen und zwar auch nicht in Bezug auf die neu gere­gel­te Besteue­rung von Erwerbs­min­de­rungs­ren­ten.

Dar­auf ver­weist der Kie­ler Steu­er­be­ra­ter Jörg Pas­sau, Vize­prä­si­dent und geschäfts­füh­ren­des Vor­stands­mit­glied des DUV Deut­scher Unter­neh­mens­steu­er Ver­band e. V. mit Sitz in Kiel  unter Hin­weis auf das am 01.12.2009 ver­öf­fent­lich­te Urteil des Finanz­ge­richts Müns­ter (FG) vom 29.10.2009, Az.: 8 K 174507 E.

Im Streit­fall hat­te die Klä­ge­rin eine Ren­te wegen vol­ler Erwerbs­min­de­rung bezo­gen. Das Finanz­amt besteu­er­te die­se in der Ver­gan­gen­heit mit einem Ertrags­an­teil von 4 %,  im Streit­jahr 2005 hin­ge­gen — wie von der Neu­re­ge­lung des § 22 Nr. 1 Satz 3 a) aa) EStG vor­ge­se­hen — mit einem Anteil von 50 %. Nach Auf­fas­sung der Klä­ge­rin ver­stößt die Erhö­hung des steu­er­pflich­ti­gen Anteils um das 12,5- fache gegen den Ver­hält­nis­mä­ßig­keits­grund­satz und die Eigen­tums­ga­ran­tie. Zudem — so die Klä­ge­rin — lie­ge ein Ver­stoß gegen das Gleich­be­hand­lungs­ge­bot vor, da die Erwerbs­min­de­rungs­ren­te, die ledig­lich für einen Zeit­raum von zwei Jah­ren bewil­ligt wer­de, nicht mit einer “nor­ma­len” Alters­ren­te ver­gleich­bar sei.

Der 8. Senat des FG Müns­ter folg­te dem jedoch nicht, betont Pas­sau.

Der durch das Alters­ein­künf­te­ge­setz geän­der­te § 22 Nr. 1 Satz 3 a) aa) EStG erfas­se — dies bestä­ti­ge die Geset­zes­be­grün­dung — alle Leis­tun­gen aus den gesetz­li­chen Ren­ten­ver­si­che­run­gen, d.h. auch Ren­ten wegen ver­min­der­ter Erwerbs­fä­hig­keit und Hin­ter­blie­be­nen­ren­ten. Für eine Fort­gel­tung der Begüns­ti­gungs­re­ge­lung des § 55 Abs. 2 ESt­DV feh­le die gesetz­li­che Grund­la­ge. Das Gericht sah weder ver­fas­sungs­recht­li­che Beden­ken in Bezug auf die seit 2005 gel­ten­de Besteue­rung der Alters­ren­ten. Es schloss sich hier­zu der Auf­fas­sung des Bun­des­fi­nanz­ho­fes (Urteil vom 26. Novem­ber 2008 X R 1507) an. Noch erkann­te es in der seit 2005 deut­lich erhöh­ten Besteue­rung von Erwerbs­min­de­rungs­ren­ten einen Grund­rechts­ver­stoß. Die erheb­li­che steu­er­li­che Mehr­be­las­tung stel­le kei­nen ver­fas­sungs­wid­ri­gen Ein­griff in die Eigen­tums­ga­ran­tie der Klä­ge­rin dar. Ein Ver­stoß gegen den Gleich­be­hand­lungs­grund­satz sei eben­falls nicht gege­ben. Viel­mehr sei — so das Gericht — die vom Alters­ein­künf­te­ge­setz vor­ge­se­he­ne Gleich­be­hand­lung von “regu­lä­ren” Alters­ein­künf­ten und Erwerbs­min­de­rungs­ren­ten sogar fol­ge­rich­tig und gebo­ten.

Der Senat hat die Revi­si­on wegen der grund­sätz­li­chen Bedeu­tung der Sache zuge­las­sen.

Pas­sau emp­fahl drin­gend, einen etwai­gen Fort­gang zu beach­ten und ggfs. steu­er­li­chen Rat in Anspruch zu neh­men, wobei er dabei u. a. auf den DUV Deut­schen Unter­neh­mens­steu­er Ver­band — www.duv-verband.de — ver­wies.

Für Rück­fra­gen steht Ihnen zur Ver­fü­gung:

Jörg Pas­sau
Steu­er­be­ra­ter
DUV Vize­prä­si­dent und
geschäfts­füh­ren­des Vor­stands­mit­glied
Pas­sau, Nie­mey­er & Col­le­gen
Walk­er­damm 1
24103 Kiel
Tel:  0431 — 974 3010
Fax: 0431 — 974 3055
Email: info@duv-verband.de
www.duv-verband.de