(Kiel) Mit Beschluss vom 19. März 2014 (V B 14/14) äußert der Bun­des­fi­nanz­hof (BFH) ernst­li­che Zwei­fel am Fort­be­stand der umsatz­steu­er­recht­li­chen Kon­zern­be­steue­rung (Organ­schaft) im Insol­venz­fall.

Dar­auf ver­weist der Kie­ler Steu­er­be­ra­ter Jörg Pas­sau, Vize­prä­si­dent und geschäfts­füh­ren­des Vor­stands­mit­glied des DUV Deut­scher Unter­neh­mens­steu­er Ver­band e. V. mit Sitz in Kiel, unter Hin­weis auf die Mit­tei­lung des Bun­des­fi­nanz­hofs (BFH) vom 16.04.2014 zu dem Beschluss.

Die umsatz­steu­er­recht­li­che Organ­schaft führt zu einer Zusam­men­fas­sung meh­re­rer Unter­neh­men zu einem Steu­er­pflich­ti­gen. Leis­tungs­be­zie­hun­gen zwi­schen die­sen Unter­neh­men wer­den nicht mehr besteu­ert. Die Kon­zern­ober­ge­sell­schaft (Organ­trä­ger) ist Steu­er­schuld­ner auch für die Umsät­ze, die ande­re ein­ge­glie­der­te Kon­zern­ge­sell­schaf­ten (Organ­ge­sell­schaf­ten) gegen­über Drit­ten aus­füh­ren. Soweit die Steu­er­schuld des Organ­trä­gers auf der Umsatz­tä­tig­keit einer Organ­ge­sell­schaft beruht, steht dem Organ­trä­ger ein zivil­recht­li­cher Aus­gleichs­an­spruch gegen die Organ­ge­sell­schaft zu. Die Organ­schaft soll nach ihrer gesetz­li­chen Kon­zep­ti­on der Steu­er­ver­ein­fa­chung die­nen.

Im Streit­fall wur­de sowohl über das Ver­mö­gen des Organ­trä­gers als auch bei den Organ­ge­sell­schaf­ten das Insol­venz­ver­fah­ren eröff­net und jeweils Eigen­ver­wal­tung ange­ord­net. Auf­grund der Eigen­ver­wal­tung gin­gen Finanz­amt (FA) und Finanz­ge­richt davon aus, dass die Organ­schaft fort­be­stan­den habe. Danach hat­te der Organ­trä­ger die Umsät­ze der Organ­ge­sell­schaf­ten auch wäh­rend des Insol­venz­ver­fah­rens wei­ter zu ver­steu­ern.
Dem trat der BFH mit sei­nem –im Ver­fah­ren des einst­wei­li­gen Rechts­schut­zes ergan­ge­nen und zur amt­li­chen Ver­öf­fent­li­chung bestimm­ten– Beschluss ent­ge­gen. Danach ist es grund­sätz­lich zwei­fel­haft, ob die Organ­schaft im Insol­venz­ver­fah­ren fort­be­stehen kann. Dies gilt unab­hän­gig davon, ob das Insol­venz­ge­richt einen Insol­venz­ver­wal­ter bestellt oder Eigen­ver­wal­tung anord­net.

Der BFH begrün­det sei­ne Ent­schei­dung mit den auf­grund der Insol­venz­eröff­nung nur noch ein­ge­schränk­ten Mög­lich­kei­ten zur Anspruchs­durch­set­zung. So ist im Insol­venz­ver­fah­ren des Organ­trä­gers die auf die Umsatz­tä­tig­keit der Organ­ge­sell­schaft ent­fal­len­de Umsatz­steu­er kei­ne Mas­se­ver­bind­lich­keit und kann daher vom FA nicht durch Steu­er­be­scheid gegen den Organ­trä­ger fest­ge­setzt wer­den. In der Insol­venz der Organ­ge­sell­schaft ist der Organ­trä­ger zudem nicht berech­tigt, sei­nen zivil­recht­li­chen Aus­gleichs­an­spruch gegen die Organ­ge­sell­schaft als Mas­se­ver­bind­lich­keit gel­tend zu machen. Die Ent­schei­dung im Haupt­sa­che­ver­fah­ren steht noch aus.

Pas­sau emp­fahl, den Aus­gang zu beach­ten und ggfs. steu­er­li­chen Rat in Anspruch zu neh­men, wobei er dabei u. a. auf den DUV Deut­schen Unter­neh­mens­steu­er Ver­band – www.duv-verband.de – ver­wies.
 

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Jörg Pas­sau
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