(Kiel) Sind Bau­zeit­zin­sen wäh­rend der Her­stel­lungs­pha­se nicht als (vor­ab ent­stan­de­ne) Wer­bungs­kos­ten abzieh­bar, kön­nen sie in die Her­stel­lungs­kos­ten ein­be­zo­gen wer­den, wenn das fer­tig­ge­stell­te Gebäu­de durch Ver­mie­tung genutzt wird.

Dar­auf ver­weist der Kie­ler Steu­er­be­ra­ter Jörg Pas­sau, Vize­prä­si­dent und geschäfts­füh­ren­des Vor­stands­mit­glied des DUV Deut­scher Unter­neh­mens­steu­er Ver­band e. V. mit Sitz in Kiel, unter Hin­weis auf die Mit­tei­lung des Bun­des­fi­nanz­hofs (BFH) vom 11.07.2012 zu sei­nem Urteil vom vom 23. Mai 2012 — IX R 212 —  zu einem Fall, in dem der Steu­er­pflich­ti­ge ein Mehr­fa­mi­li­en­haus errich­te­te, es zunächst ver­kau­fen woll­te, es dann aber auf­grund einer neu­en Ent­schei­dung ab Fer­tig­stel­lung ver­mie­te­te. Solan­ge das Gebäu­de ver­äu­ßert wer­den soll­te, waren die wäh­rend der Bau­pha­se anfal­len­den Finan­zie­rungs­auf­wen­dun­gen kei­ne vor­ab ent­stan­de­nen Wer­bungs­kos­ten. Die Fra­ge stell­te sich aber, ob sie inso­weit in die Her­stel­lungs­kos­ten und damit in die AfA-Bemes­sungs­grund­la­ge ein­be­zo­gen wer­den konn­ten.

Der BFH bejah­te die­se Fra­ge, so Pas­sau.

§ 255 Abs. 3 Satz 2 des Han­dels­ge­setz­bu­ches (HGB) erlaubt den Ansatz von Bau­zeit­zin­sen, also von Zin­sen, die auf den Zeit­raum der Her­stel­lung ent­fal­len. Aller­dings gel­ten die Vor­schrif­ten des HGB zunächst nur für bilan­zie­ren­de Steu­er­pflich­ti­ge: Ihr han­dels­recht­li­ches Ein­be­zie­hungs­wahl­recht wird auch ein­kom­men­steu­er­recht­lich aner­kannt. Nach der stän­di­gen Recht­spre­chung des BFH sind die AfA für den Bereich der Über­schus­s­ein­künf­te indes nach den glei­chen Grund­sät­zen wie für die Gewinn­ein­künf­te zu bestim­men. Da Sys­te­ma­tik und Zweck des Geset­zes kei­ne unter­schied­li­che Aus­le­gung gebie­ten, kön­nen Bau­zeit­zin­sen ganz unab­hän­gig von den wäh­rend der Her­stel­lungs­pha­se ver­folg­ten Zwe­cken in die AfA-Bemes­sungs­grund­la­ge ein­be­zo­gen wer­den, wenn der Steu­er­pflich­ti­ge das fer­tig­ge­stell­te Gebäu­de dazu nutzt, Ein­künf­te aus Ver­mie­tung zu erzie­len.

Pas­sau emp­fahl, dies zu beach­ten und ggfs. steu­er­li­chen Rat in Anspruch zu neh­men, wobei er dabei u. a. auf den DUV Deut­schen Unter­neh­mens­steu­er Ver­band — www.duv-verband.de — ver­wies.

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Jörg Pas­sau
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