(Kiel) Der Bun­des­fi­nanz­hof hat soeben eine Rei­he von Zwei­fels­fra­gen bei sog. inner­ge­mein­schaft­li­chen Lie­fe­run­gen an Unter­neh­mer in ande­re Mit­glied­staa­ten geklärt, ins­be­son­de­re Fra­gen zur betrü­ge­ri­schen Aus­nut­zung der Umsatz­steu­er­be­frei­ung von Lie­fer­ge­schäf­ten inner­halb der Euro­päi­schen Uni­on (EU).

Dar­auf ver­weist der Kie­ler Steu­er­be­ra­ter Jörg Pas­sau, Vize­prä­si­dent und geschäfts­füh­ren­des Vor­stands­mit­glied des DUV Deut­scher Unter­neh­mens­steu­er Ver­band e. V. mit Sitz in Kiel,  unter Hin­weis auf die Mit­tei­lung des Bun­des­fi­nanz­hofs (BFH) vom 13. Juli 2011 zu den Urtei­len vom 17. Febru­ar 2011 — V R 2810 und V R 3010.

Die inner­ge­mein­schaft­li­che Lie­fe­rung ist ähn­lich einer Aus­fuhr­lie­fe­rung umsatz­steu­er­frei. Kor­re­spon­die­rend zu die­ser Steu­er­frei­heit ist im Bestim­mungs­mit­glied­staat ein sog. inner­ge­mein­schaft­li­cher Erwerb zu ver­steu­ern. Steu­er­frei­heit und Erwerbs­be­steue­rung die­nen dazu, die Besteue­rungs­kom­pe­tenz vom Lie­fer- auf den Bestim­mungs­mit­glied­staat zu ver­la­gern. Die­ses Besteue­rungs­sys­tem ist betrugs­an­fäl­lig, da der Waren­ver­kehr mit den Mit­glied­staa­ten der EU anders als der Waren­ver­kehr mit Dritt­staa­ten kei­ner zoll­recht­li­chen Grenz­kon­trol­le unter­liegt, son­dern maß­geb­lich auf den Anga­ben des Lie­fe­rers zur Iden­ti­tät des Abneh­mers beruht.

  • Kei­ne Ver­sa­gung der Steu­er­frei­heit auf­grund “Karus­sell­ge­schäft”

Im Ver­fah­ren V R 3010 ging es um Mobil­te­le­fo­ne, die Gegen­stand eines inlän­di­schen “Umsatz­steu­er-Karus­sells” waren und vom inlän­di­schen Unter­neh­mer in ande­re Mit­glied­staa­ten der EU gelie­fert wur­den. Das Finanz­ge­richt (FG) ver­sag­te die Steu­er­frei­heit für die inner­ge­mein­schaft­li­che Lie­fe­rung allein mit der Begrün­dung, es lie­ge ein “Karus­sell­ge­schäft” vor. Dem trat der BFH ent­ge­gen. Wer­den in einer Ket­te von Umsatz­ge­schäf­ten tat­säch­lich Lie­fe­run­gen aus­ge­führt, kann die­sen im Regel­fall erst auf­grund einer Täu­schung über die Iden­ti­tät des Abneh­mers die Steu­er­frei­heit ver­sagt wer­den. Der BFH hob das Urteil des FG dem­entspre­chend auf und ver­wies die Sache zur wei­te­ren Sach­auf­klä­rung an das FG zurück.

  • Aner­ken­nung von Ver­sen­dungs­be­le­gen auch ohne Unter­schrift des Auf­trag­ge­bers des Spe­di­teurs

Das Urteil V R 2810 betrifft die bei inner­ge­mein­schaft­li­chen Lie­fe­run­gen zu beach­ten­den Nach­weis­pflich­ten. Der Unter­neh­mer, der die Steu­er­frei­heit für der­ar­ti­ge Lie­fe­run­gen in Anspruch nimmt, hat die Vor­aus­set­zun­gen der Steu­er­frei­heit durch Bele­ge und Auf­zeich­nun­gen nach­zu­wei­sen. Bei einer Ver­sen­dung durch einen vom Lie­fe­rer oder Abneh­mer beauf­trag­ten Spe­di­teur kann der Nach­weis auch durch einen sog. CMR-Fracht­brief geführt wer­den. Ent­ge­gen der Ver­wal­tungs­auf­fas­sung gilt dies auch dann, wenn der CMR-Fracht­brief nicht vom Auf­trag­ge­ber unter­schrie­ben ist. Der BFH stütz­te dies auf einen Ver­gleich mit ande­ren Ver­sen­dungs­be­le­gen. In der Sache hob der BFH auch hier das Urteil der Vor­in­stanz auf und wies die Sache zur wei­te­ren Auf­klä­rung an das FG zurück, da Unklar­hei­ten hin­sicht­lich ande­rer Beleg­an­ga­ben bestan­den.

Pas­sau emp­fahl, dies zu beach­ten und ggfs. steu­er­li­chen und/oder steu­er­straf­recht­li­chen Rat in Anspruch zu neh­men, wobei er dabei u. a. auf den DUV Deut­schen Unter­neh­mens­steu­er Ver­band — www.duv-verband.de — ver­wies.

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Jörg Pas­sau
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