(Kiel) Die Steu­er­frei­heit für die Tätig­keit als Ver­si­che­rungs­ver­tre­ter nach § 4 Nr. 11 UStG 1999 setzt vor­aus, dass die Leis­tun­gen des Unter­neh­mers die spe­zi­fi­schen und wesent­li­chen Funk­tio­nen einer Ver­si­che­rungs­ver­mitt­lung erfül­len, näm­lich die am Abschluss der Ver­si­che­rung inter­es­sier­ten Per­so­nen zusam­men zu füh­ren.

Dies, so der Kie­ler Steu­er­be­ra­ter Jörg Pas­sau, Vize­prä­si­dent und geschäfts­füh­ren­des Vor­stands­mit­glied des DUV Deut­scher Unter­neh­mens­steu­er Ver­band e. V. mit Sitz in Kiel,  ist nach einem am 19.08.2009 ver­öf­fent­lich­ten Urteil des Bun­des­fi­nanz­hofs (BFH) vom 28. Mai 2009, Az.: V R 708 dann der Fall, wenn ein Unter­neh­mer einem Ver­si­che­rungs­mak­ler am Abschluss eines Ver­si­che­rungs­ver­tra­ges poten­ti­ell inter­es­sier­te Per­so­nen nach­weist und hier­für eine sog. “Zufüh­rungs­pro­vi­si­on” erhält.

Nach dem Urteil, so Pas­sau, ist es nach der Recht­spre­chung (EuGH-Urteil Arthur Ander­sen in BFH/NV Bei­la­ge 2005, 188 Rdnr. 36) für die steu­er­freie Ver­si­che­rungs­ver­mitt­lungs­tä­tig­keit wesent­lich, Kun­den zu suchen und die­se mit dem Ver­si­che­rer zusam­men­zu­brin­gen. Die Ver­mitt­lung kann in einer Nach­weis-, einer Kon­takt­auf­nah­me- oder in einer Ver­hand­lungs­tä­tig­keit bestehen, wobei sich die Tätig­keit auf ein ein­zel­nes Geschäft, das ver­mit­telt wer­den soll, bezie­hen muss.

Nicht (umsatz-) steu­er­frei sind hin­ge­gen Leis­tun­gen, die kei­nen spe­zi­fi­schen und wesent­li­chen Bezug zu ein­zel­nen Ver­mitt­lungs­ge­schäf­ten auf­wei­sen, son­dern allen­falls dazu die­nen, als Sub­un­ter­neh­mer den Ver­si­che­rer bei den ihm selbst oblie­gen­den Auf­ga­ben zu unter­stüt­zen, ohne Ver­trags­be­zie­hun­gen zu den Ver­si­cher­ten zu unter­hal­ten, wie z.B. bei der Fest­set­zung und Aus­zah­lung der Pro­vi­sio­nen der Ver­si­che­rungs­ver­tre­ter, das Hal­ten der Kon­tak­te mit die­sen und die Wei­ter­ga­be von Infor­ma­tio­nen an die Ver­si­che­rungs­ver­tre­ter. Dem­ge­mäß sind nach der Recht­spre­chung des BFH nicht steu­er­frei die Tätig­keit eines Scha­dens­ab­wick­lers, der sich mit Scha­dens­mel­dun­gen, Kun­den­an­fra­gen, der Regu­lie­rung von Schä­den und Begut­ach­tung vor Ort befasst, die Tätig­keit eines Wer­be­agen­ten, der Kun­den­da­ten zur Vor­be­rei­tung eines Ver­si­che­rungs­ab­schlus­ses erhebt oder eines “Over­head-Han­dels­ver­tre­ters”, der Betreu­ungs-, Schu­lungs- und Über­wa­chungs­leis­tun­gen erbringt.

Nach die­sen Rechts­grund­sät­zen habe das Finanz­ge­richt hier zu Unrecht die Steu­er­frei­heit nach § 4 Nr. 11 UStG ver­sagt, weil die Tätig­keit der Klä­ge­rin die spe­zi­fi­schen und wesent­li­chen Funk­tio­nen einer Ver­si­che­rungs­ver­mitt­lung erfül­le. Bei der Nach­wei­s­tä­tig­keit der Klä­ge­rin han­de­le es sich auch nicht nur um eine Über­tra­gung eines Teils der mit dem Abschluss von Ver­si­che­rungs­ver­trä­gen ver­bun­de­nen Sach­ar­beit, son­dern um den Kern der steu­er­be­frei­ten Tätig­keit, näm­lich die am Abschluss einer Ver­si­che­rung inter­es­sier­ten Per­so­nen aus­fin­dig zu machen und mit dem Ver­si­che­rer zusam­men zu brin­gen.

Mit die­ser Ent­schei­dung hob der BFH die Steu­er­be­schei­de des zustän­di­gen Finanz­amts sowie das erst­in­stanz­li­che Urteil auf, die die Ein­nah­men der Klä­ge­rin aus Ver­mitt­lungs­tä­tig­keit als umsatz­steu­er­pflich­tig ange­se­hen hat­te.

Pas­sau emp­fahl, die­se Grund­sät­ze zu beach­ten und ggfs. steu­er­li­chen Rat in Anspruch zu neh­men, wobei er dabei u. a. auf den DUV Deut­schen Unter­neh­mens­steu­er Ver­band — www.duv-verband.de — ver­wies.

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Jörg Pas­sau
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