(Kiel) Der Bun­des­fi­nanz­hof (BFH) hat ent­schie­den, dass Auf­wen­dun­gen für ein Erst­stu­di­um auch dann als Wer­bungs­kos­ten abge­zo­gen wer­den kön­nen, wenn vor­her bereits eine Berufs­aus­bil­dung abge­schlos­sen wur­de.

Dar­auf ver­weist der Kie­ler Steu­er­be­ra­ter Jörg Pas­sau, Vize­prä­si­dent und geschäfts­füh­ren­des Vor­stands­mit­glied des DUV Deut­scher Unter­neh­mens­steu­er Ver­band e. V. mit Sitz in Kiel,  unter Hin­weis auf das am 16.09.2009 ver­öf­fent­lich­te Urteil des Bun­des­fi­nanz­hofs vom 18. Juni 2009, Az.  VI R 1407.

In dem Fall besitzt die Klä­ge­rin eine abge­schlos­se­ne Aus­bil­dung als Buch­händ­le­rin. Nach Abschluss der Aus­bil­dung begann sie zunächst ein Son­der­schul­päd­ago­gik-Stu­di­um, wel­ches sie aller­dings auf­grund einer Schwan­ger­schaft nicht been­de­te. Im Jahr 2002 begann die Klä­ge­rin ein Stu­di­um zur Grund-, Haupt- und Real­schul­leh­re­rin.

Bis ein­schließ­lich 2004 berück­sich­tig­te das Finanz­amt — FA — die im Zusam­men­hang mit dem Stu­di­um gel­tend gemach­ten Kos­ten der Klä­ge­rin, für 2002 nach Durch­füh­rung eines finanz­ge­richt­li­chen Kla­ge­ver­fah­rens, als Wer­bungs­kos­ten bei den Ein­künf­ten der Klä­ge­rin aus nicht­selb­stän­di­ger Arbeit. Auch für das Streit­jahr (2005) mach­te die Klä­ge­rin den Abzug der Auf­wen­dun­gen für das Stu­di­um gel­tend, und zwar in Höhe von 6 424 €. Das FA sah die­se Aus­ga­ben nun­mehr als Berufs­aus­bil­dungs­kos­ten i.S. von § 10 Abs. 1 Nr. 7 des Ein­kom­men­steu­er­ge­set­zes (EStG) an und ließ sie nur in Höhe von 4 000 € zum Abzug zu. Auch das Finanz­ge­richt wies die Kla­ge ab, woge­gen sich ihre Revi­si­on rich­te­te.

Zur Recht, wie der BFH nun ent­schied, so Pas­sau.

Die Auf­wen­dun­gen der Klä­ge­rin für das Stu­di­um sei­en als (vor­weg­ge­nom­me­ne) Wer­bungs­kos­ten gemäß § 9 Abs. 1 Satz 1 EStG bei ihren Ein­künf­ten aus nicht­selb­stän­di­ger Arbeit zu berück­sich­ti­gen. Sie sei­en kei­ne Kos­ten der Berufs­aus­bil­dung i.S. von § 10 Abs. 1 Nr. 7 EStG.

Aus den tat­säch­li­chen Fest­stel­lun­gen des FG erge­be sich, dass die Auf­wen­dun­gen der Klä­ge­rin für das Lehr­amts­stu­di­um dem Grun­de nach beruf­lich ver­an­lasst sind. Es bestehe ein hin­rei­chend kon­kre­ter Zusam­men­hang die­ser Aus­ga­ben mit spä­te­ren Ein­nah­men aus der ange­streb­ten Tätig­keit als Leh­re­rin. Mit dem Stu­di­um woll­te sie die erfor­der­li­chen Fach­kennt­nis­se und Fähig­kei­ten für den ange­streb­ten Beruf erwer­ben. Da das Lehr­amts­stu­di­um auch kon­kret und berufs­be­zo­gen auf die spä­te­re Berufs­tä­tig­keit vor­be­rei­tet, nicht “ins Blaue hin­ein” betrie­ben oder aus ande­ren pri­va­ten Grün­den auf­ge­nom­men wor­den ist und damit auf die Erzie­lung von Ein­nah­men gerich­tet sei, sei­en die damit im Zusam­men­hang ste­hen­den Auf­wen­dun­gen dem Grun­de nach als vor­ab ent­stan­de­ne Wer­bungs­kos­ten abzieh­bar.

§ 12 Nr. 5 EStG ste­he einem Wer­bungs­kos­ten­ab­zug nicht ent­ge­gen, weil die Klä­ge­rin vor Auf­nah­me ihres Stu­di­ums bereits eine abge­schlos­se­ne Aus­bil­dung als Buch­händ­le­rin absol­viert hat­te. Auf die Fra­ge, ob das im Jahr 2002 auf­ge­nom­me­ne Stu­di­um im Hin­blick auf das bereits vor­her durch­ge­führ­te, aber nicht abge­schlos­se­ne Stu­di­um der Son­der­päd­ago­gik über­haupt die Vor­aus­set­zun­gen eines “Erst­stu­di­ums” erfüll­te, kom­me es nicht an. Eben­so wenig sind die von den Klä­gern geäu­ßer­ten ver­fas­sungs­recht­li­chen Beden­ken gegen die Wirk­sam­keit des § 12 Nr. 5 EStG ent­schei­dungs­er­heb­lich.

Pas­sau emp­fahl jedoch, die­se Grund­sät­ze zu beach­ten und ggfs. steu­er­li­chen Rat in Anspruch zu neh­men, wobei er dabei u. a. auf den DUV Deut­schen Unter­neh­mens­steu­er Ver­band — www.duv-verband.de — ver­wies.

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