(Kiel) In zwei am 21.01.2009 ver­öf­fent­lich­ten Ent­schei­dun­gen hat sich der Bun­des­fi­nanz­hof (BFH) mit der Ver­fas­sungs­mä­ßig­keit sog. Man­tel­kauf­re­ge­lun­gen im Kör­per­schaft­steu­er­ge­setz und den ver­schie­de­nen Über­gangs­re­ge­lun­gen dazu befasst. In einem Fall hat der BFH dazu das Bun­des­ver­fas­sungs­ge­richt ange­ru­fen. (BGH AZ: I R 9504 und I R 7801).

In den Ver­fah­ren, so der Nürn­ber­ger Erb- und Steu­er­fach­an­walt Dr. Nor­bert Gie­se­ler, Prä­si­dent des DUV Deut­scher Unter­neh­mens­steu­er Ver­band e. V. mit Sitz in Kiel, ging es um die Vor­schrif­ten über den sog. Man­tel­kauf bei Kapi­tal­ge­sell­schaf­ten, die der Gesetz­ge­ber im Lau­fe der Jahr immer wie­der ver­schärft hat, da er einen miss­bräuch­li­chen Han­del mit Ver­lus­ten befürch­tet.  Ver­schie­de­ne und immer wie­der neu gestal­te­te Rege­lun­gen im Kör­per­schaft­steu­er­ge­setz führ­ten des­halb dazu, dass sol­che nicht genutz­ten Ver­lus­te wegen feh­len­der wirt­schaft­li­cher Iden­ti­tät der Kapi­tal­ge­sell­schaft vor und nach dem Wech­sel eines Anteils­eig­ners steu­er­lich nicht mehr abzieh­bar waren. Die stän­di­gen Neu­re­ge­lun­gen führ­ten in der Ver­gan­gen­heit dazu, dass immer wie­der gesetz­li­che Über­gangs­vor­schrif­ten erfor­der­lich waren, so Gie­se­ler.

 Bei der grund­le­gen­den Ände­rung des § 8 Abs. 4 KStG in der Fas­sung 1996 im Jahr 1997 war danach wie folgt zu unter­schei­den:

- Für sog. Alt­ver­lus­te vor 1997 soll­te die Neu­re­ge­lung erst­mals für den Ver­an­la­gungs­zeit­raum 1997 gel­ten

- Für Ver­lus­te, die im Jah­re 1997 nach dem 6. August 1997, dem Tag der Beschluss­fas­sung im Deut­schen Bun­des­tag, ent­stan­den waren, galt nach den Über­gangs­vor­schrif­ten das­sel­be

- Für Ver­lus­te hin­ge­gen, die im Jah­re 1997 vor dem 6. August 1997 ent­stan­den waren, soll­ten die neu­en Rege­lun­gen dage­gen erst­mals vom Ver­an­la­gungs­zeit­raum 1998 an gel­ten.

In den bei­den anste­hen Fäl­len hat­te das Gericht zum einen über das Inkraft­tre­ten der Neu­re­ge­lun­gen für ‚Alt­ver­lus­te’ und zum ande­ren über sol­che Ver­lus­te zu ent­schei­den, die bereits vor dem 6. August 1997 ent­stan­den waren. Hier­bei hat der BFH die getrof­fe­nen Rege­lun­gen einem Fall für ver­fas­sungs­kon­form erach­tet, in dem ande­ren Fall hin­ge­gen das Bun­des­ver­fas­sungs­ge­richt ange­ru­fen, so Gie­se­ler.

- Bei Ver­lus­ten, die im Jah­re 1997 vor dem 6. August 1997 ent­stan­den sind, hält er die Über­gangs­re­ge­lung für die neu­en Vor­schrif­ten für  ver­fas­sungs­ge­mäß. Es sei nicht zu bean­stan­den, dass der Gesetz­ge­ber die­se Ver­lus­te vom Jah­re 1998 an nicht mehr steu­er­lich aner­ken­nen woll­te. Bei Vor­schrif­ten, die der Miss­brauchs­ab­wehr dien­ten, müs­se der Steu­er­pflich­ti­ge jeder­zeit mit einem ein­schrän­ken­den Ein­grei­fen des Gesetz­ge­bers rech­nen. Ein Steu­er­pflich­ti­ger kön­ne des­halb nicht auf den Fort­be­stand bis­he­ri­ger Rege­lun­gen für alle Zukunft ver­trau­en. Ein Ver­stoß gegen das ver­fas­sungs­recht­li­che Rück­wir­kungs­ver­bot neu­er Geset­ze sei in der Über­gangs­re­ge­lung daher nicht zu erken­nen.

- Die für die Alt­ver­lus­te getrof­fe­ne Über­gangs­re­ge­lung hält der BFH hin­ge­gen für ver­fas­sungs­wid­rig, da sie die Alt­ver­lus­te für das Jahr 1997 ohne sach­li­chen Grund anders als jene Ver­lus­te behan­de­le, die bis zum 6. August 1997 bereits ent­stan­den waren. Hier­in sei ein Ver­stoß gegen das Ver­fas­sungs­ge­bot zu sehen, „fol­ge­rich­ti­ge” Rege­lun­gen zu schaf­fen. Es gel­te jedoch der­sel­be Ver­trau­ens­schutz.

Der BFH hat des­we­gen in die­sem Fall  die Ent­schei­dung des Bun­des­ver­fas­sungs­ge­richts dar­über ein­ge­holt, ob die getrof­fe­ne Über­gangs­re­ge­lung für Kör­per­schaf­ten inso­weit gegen den Gleich­heits­grund­satz nach Art. 3 Abs. 1 GG ver­stößt, als dass die Neu­re­ge­lung für Unter­neh­men,  die ihre wirt­schaft­li­che Iden­ti­tät — gemes­sen an den Maß­stä­ben der Neu­re­ge­lung — vor dem 1. Janu­ar 1997 ver­lo­ren haben, bereits 1997 anzu­wen­den ist, dage­gen für Kör­per­schaf­ten, die ihre wirt­schaft­li­che Iden­ti­tät erst­mals im Jahr 1997 vor dem 6. August ver­lo­ren haben, erst im Jahr 1998.

Im Hin­blick auf die zu erwar­ten­den Ent­schei­dung emp­fahl Gie­se­ler betrof­fe­nen Unter­neh­men  in ähn­li­cher Situa­ti­on, die Recht­spre­chung hier­zu genau­es­tens zu ver­fol­gen und kei­ne Maß­nah­men ohne vor­he­ri­ge aus­führ­li­che steu­er­li­che Bera­tung vor­zu­neh­men, wobei er u. a.  auch auf den DUV Deut­scher Unter­neh­mens­steu­er Ver­band e. V. — www.duv-verband.de — ver­wies.

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