(Kiel) Der Bun­des­fi­nanz­hof (BFH) hat in einer am 04.05.2009 bekannt­ge­ge­ben Ent­schei­dung ein an eine Bank gerich­te­tes Sam­mel­aus­kunfts­er­su­chen der Steu­er­fahn­dung für unzu­läs­sig erklärt.

Dar­auf ver­weist der Nürn­ber­ger Steu­er­fach­an­walt Dr. Nor­bert Gie­se­ler, Prä­si­dent des DUV Deut­scher Unter­neh­mens­steu­er Ver­band e. V. mit Sitz in Kiel, unter Hin­weis auf das am 04.05.2009 ver­öf­fent­lich­te Urteil des Bun­des­fi­nanz­ho­fes vom 16. Janu­ar 2009, Az.: VII R 25/08.

In dem Fall hat­te die Klä­ge­rin, eine Bank, Kun­den Bonus­ak­ti­en aus dem sog. zwei­ten und drit­ten Bör­sen­gang der Deut­schen Tele­kom AG (Tele­kom) zuge­teilt und in deren Depots auf­ge­nom­men. Bereits bei der ers­ten Zutei­lung hat­te sie die betrof­fe­nen Kun­den dar­auf hin­ge­wie­sen, dass die Zutei­lun­gen nach Auf­fas­sung des Bun­des­mi­nis­te­ri­ums der Finan­zen der Ein­kom­men­steu­er­pflicht unter­lä­gen.

Die Steu­er­fahn­dungs­stel­le des Finanz­amts hat­te bei einem Kun­den der Klä­ge­rin fest­ge­stellt, dass die­ser Ein­künf­te aus der Zutei­lung von fünf Treue­ak­ti­en nicht in sei­ner Steu­er­erklä­rung für 2000 ange­ge­ben hat­te. Fer­ner hat die Steu­er­fahn­dungs­stel­le eines baden-würt­tem­ber­gi­schen Finanz­amts bei zwei dor­ti­gen Ban­ken Prü­fun­gen durch­ge­führt und der dem Finanz­amt über­ge­ord­ne­ten Ober­fi­nanz­di­rek­ti­on (OFD) 1 500 bis 2 000 Kon­troll­mit­tei­lun­gen betref­fend den Bezug von Treue­ak­ti­en im Ver­an­la­gungs­zeit­raum 2000 über­mit­telt. Deren Aus­wer­tung wur­de von der OFD den Ver­an­la­gungs-Finanz­äm­tern über­las­sen. Bei dem beklag­ten Finanz­amt führ­te die Aus­wer­tung zu dem Ergeb­nis, dass zehn Kun­den die­ser ande­ren Ban­ken Selbst­an­zei­ge erstat­tet haben und dass gegen sechs von deren Kun­den Ermitt­lun­gen ein­ge­lei­tet wur­den. Das durch­schnitt­li­che steu­er­li­che Mehr­ergeb­nis beläuft sich inso­weit auf rd. 190 €.

Das Finanz­amt hat­te die Bank dar­auf­hin auf­ge­for­dert, Name, Anschrift und Geburts­da­tum der Depot­in­ha­ber mit Wohn- und/oder Geschäfts­sitz im Frei­staat Sach­sen, denen Treue­ak­ti­en der Tele­kom aus den Tran­chen II und III zuge­teilt wor­den waren, sowie die Anzahl der jeweils gut­ge­schrie­be­nen Treue­ak­ti­en und den Ein­bu­chungs­tag mit­zu­tei­len.

Die dage­gen von der Bank dage­gen erho­be­ne Kla­ge hat­te Erfolg, woge­gen sich die Revi­si­on des Finanz­amts rich­te­te. Ohne Erfolg, wie Gies­ler betont. Der BFH hat die Revi­si­on nun zurück­ge­wie­sen.

Die all­ge­mei­ne, nach der Lebens­er­fah­rung gerecht­fer­tig­te Ver­mu­tung, dass Steu­ern nicht sel­ten ver­kürzt und steu­er­pflich­ti­ge Ein­nah­men nicht erklärt wer­den, genü­ge nicht, um Sam­mel­aus­kunfts­er­su­chen der Steu­er­fahn­dung als “hin­rei­chend ver­an­lasst” und nicht als Aus­for­schung “ins Blaue hin­ein” erschei­nen zu las­sen. Hier­für bedür­fe es viel­mehr der Dar­le­gung einer über die blo­ße all­ge­mei­ne Lebens­er­fah­rung hin­aus­ge­hen­den, erhöh­ten Wahr­schein­lich­keit, unbe­kann­te Steu­er­fäl­le zu ent­de­cken.

Ein hin­rei­chen­der Anlass für ein (Sammel-)Auskunftsersuchen feh­le nach der Recht­spre­chung des BFH, wenn sich sol­che Ermitt­lun­gen als blo­ße “Aus­for­schung”, als Ras­ter­fahn­dung oder Ermitt­lung “ins Blaue hin­ein” dar­stell­ten (vgl. statt aller Senats­be­schluss in BFHE 198, 42, BSt­Bl II 2002, 495); ein hin­rei­chen­der Ermitt­lungs­an­lass lie­ge hin­ge­gen vor, so hat der Senat u.a. in der eben ange­führ­ten Ent­schei­dung aus­ge­führt, wenn auf­grund ent­we­der kon­kre­ter Anhalts­punk­te oder auf­grund all­ge­mei­ner Erfah­rung die Mög­lich­keit einer Steu­er­ver­kür­zung in Betracht kommt, wobei dies die Pro­gno­se­ent­schei­dung, also eine vor­weg­ge­nom­me­ne Beweis­wür­di­gung erfor­dert, dass Ermitt­lungs­maß­nah­men zur Auf­de­ckung steu­er­erheb­li­cher Tat­sa­chen füh­ren kön­nen.

Anhalts­punk­te dafür, dass bei pro­gnos­ti­scher Beur­tei­lung gera­de bei der Behand­lung der Ein­künf­te in Form des Bezu­ges von Bonus­ak­ti­en durch die Kun­den der Klä­ge­rin eine in die­sem Sin­ne erhöh­te Wahr­schein­lich­keit besteht, dass die­se Ein­künf­te vor­sätz­lich ver­schwie­gen wor­den sind, ver­moch­te der Senat auf der Grund­la­ge der vom Finanz­ge­richt  getrof­fe­nen bin­den­den tat­säch­li­chen Fest­stel­lun­gen nicht zu erken­nen. Dass ein ein­zi­ger von dem Finanz­amt  ent­deck­ter Fall einer Steu­er­hin­ter­zie­hung eines Kun­den der Klä­ge­rin im Zusam­men­hang mit den Bonus­ak­ti­en kei­nen hin­rei­chen­den Anlass für ein Sam­mel­aus­kunfts­er­su­chen der hier strei­ti­gen Art bie­tet, bedür­fe kei­ner ein­ge­hen­de­ren Erör­te­rung.

Sind die durch den Bezug von Bonus­ak­ti­en der Deut­schen Tele­kom AG erziel­ten Ein­künf­te in der von der Bank ihren Kun­den über­sand­ten Erträg­nis­auf­stel­lung nicht erfasst wor­den, die Kun­den aber durch ein Anschrei­ben klar und unmiss­ver­ständ­lich dahin infor­miert wor­den, dass die­se Ein­künf­te nach Auf­fas­sung der Finanz­ver­wal­tung ein­kom­men­steu­er­pflich­tig sind, stel­le dies kei­ne für eine Steu­er­hin­ter­zie­hung beson­ders anfäl­li­ge Art der Geschäfts­ab­wick­lung dar, die etwa mehr als bei Kapi­tal­ein­künf­ten aus bei Ban­ken gehal­te­nen Wert­pa­pier­de­pots sonst dazu her­aus­for­de­re, sol­che Ein­künf­te dem Finanz­amt zu ver­schwei­gen.

Gie­se­ler emp­fahl, die­se Ent­schei­dung zu beach­ten und in Zwei­fels­fäl­len Rechts­rat ein­zu­ho­len, wobei er u. a. auch auf die Unter­neh­mens­steu­er­recht und Steu­er­straf­recht spe­zia­li­sier­ten Anwäl­te und Steu­er­be­ra­ter in dem DUV Deut­scher Unter­neh­mens­steu­er Ver­band e. V. — www.duv-verband.de — ver­wies.

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