(Kiel) Der Bun­des­fi­nanz­hof hat ent­schie­den, dass im Fall zu hoher Pri­vat­ent­nah­men die auf die Finan­zie­rung von Umlauf­ver­mö­gen ent­fal­len­den Schuld­zin­sen auch dann nur gekürzt abzieh­bar sind, wenn sie auf den Erwerb eines Waren­la­gers ent­fal­len.

Dar­auf ver­weist der Kie­ler Steu­er­be­ra­ter Jörg Pas­sau, Vize­prä­si­dent und geschäfts­füh­ren­des Vor­stands­mit­glied des DUV Deut­scher Unter­neh­mens­steu­er Ver­band e. V. mit Sitz in Kiel,  unter Hin­weis auf die Mit­tei­lung des Bun­des­fi­nanz­hofs (BFH) vom 20. Juli 2011 zu dem Urteil vom 23. März 2011 — X R 2809.

Nach § 4 Abs. 4a des Ein­kom­men­steu­er­ge­set­zes (EStG) ist seit 1999 der betrieb­li­che Schuld­zin­sen­ab­zug beschränkt, soweit der Unter­neh­mer sog. “Über­ent­nah­men” tätigt, also über das ein­ge­leg­te Kapi­tal und bis­he­ri­ge Gewin­ne hin­aus­ge­hen­de Beträ­ge für pri­va­te Zwe­cke ver­wen­det. Aus­ge­nom­men von die­ser Abzugs­be­schrän­kung sind die Zin­sen für Inves­ti­ti­ons­kre­di­te in Zusam­men­hang mit der Anschaf­fung bzw. Her­stel­lung von Wirt­schafts­gü­tern des Anla­ge­ver­mö­gens. Mit der Rege­lung soll die Ver­la­ge­rung von pri­vat ver­an­lass­ten Zin­sen in den betrieb­li­chen Bereich ver­hin­dert wer­den.

Der Klä­ger hat­te im Novem­ber 1998 eine Apo­the­ke erwor­ben und den Kauf­preis fremd­fi­nan­ziert. Vom Gesamt­kauf­preis ent­fie­len 150.000 DM auf den Erwerb des Waren­la­gers. Sei­nen Gewinn ermit­tel­te der Klä­ger nach einem vom Kalen­der­jahr abwei­chen­den Wirt­schafts­jahr (§ 4a Abs. 2 Nr. 2 EStG). Seit der Betriebs­er­öff­nung kam es zu Über­ent­nah­men, wes­halb das Finanz­amt den Gewinn um antei­li­ge Schuld­zin­sen erhöh­te.

Der BFH hat die Abzugs­be­schrän­kung im Grund­satz für recht­mä­ßig erklärt, so Pssau.

Die für Zin­sen auf das Anla­ge­ver­mö­gen gel­ten­de Aus­nah­me erstre­cke sich nicht auf den Zins­auf­wand, der auf ein bei Betriebs­er­öff­nung ange­schaff­tes Waren­la­ger ent­fal­le. Begüns­tigt sei­en nur Auf­wen­dun­gen für betrieb­li­che Inves­ti­tio­nen, die dem Betrieb auf Dau­er zu die­nen bestimmt sei­en.

Aller­dings dürf­ten aus Grün­den des Ver­trau­ens­schut­zes vor dem 1. Janu­ar 1999 getä­tig­te Über­ent­nah­men nicht in die Berech­nung der nicht abzieh­ba­ren Schuld­zin­sen ein­be­zo­gen wer­den. Zur wei­te­ren Sach­auf­klä­rung ver­wies der BFH die Sache an das Finanz­ge­richt zurück.

Pas­sau emp­fahl, dies zu beach­ten und ggfs. steu­er­li­chen und/oder steu­er­straf­recht­li­chen Rat in Anspruch zu neh­men, wobei er dabei u. a. auf den DUV Deut­schen Unter­neh­mens­steu­er Ver­band — www.duv-verband.de — ver­wies.

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Jörg Pas­sau
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