(Kiel) Die Ant­wort auf ein Sam­mel­aus­kunfts­er­su­chen der Steu­er­fahn­dung kann nicht mit der Begrün­dung ver­wei­gert wer­den, die Geheim­hal­tung der Daten sei pri­vat­recht­lich ver­ein­bart wor­den.

Dar­auf ver­weist Fach­an­walt für Erb-, Steu­er sowie Han­dels- und Gesell­schafts­recht Dr. Nor­bert Gie­se­ler aus der Nürn­ber­ger Kanz­lei Mein­hardt, Gie­se­ler & Part­ner, Prä­si­dent des DUV Deut­scher Unter­neh­mens­steu­er Ver­band e. V. mit Sitz in Kiel, unter Hin­weis auf die Mit­tei­lung des Bun­des­fi­nanz­hofs (BFH) vom 10.07.2013 zu sei­nem Urteil vom 16. Mai 2013 (II R 1512).

Im Streit­fall ging es dem Finanz­amt dar­um zu erfah­ren, wel­che Nut­zer Ver­kaufs­er­lö­se von mehr als 17.500 Euro pro Jahr über eine Inter­net­han­dels­platt­form erzielt hat­ten. Name und Anschrift der Händ­ler soll­ten eben­so ange­ge­ben wer­den wie deren Bank­ver­bin­dung. Außer­dem soll­te eine Auf­stel­lung der ein­zel­nen Ver­käu­fe vor­ge­legt wer­den. Ab einem Umsatz von mehr als 17.500 Euro pro Jahr ist Umsatz­steu­er zu ent­rich­ten.

Das Sam­mel­aus­kunfts­ver­lan­gen war gerich­tet an die deut­sche Schwes­ter­ge­sell­schaft eines in Luxem­burg ansäs­si­gen Betrei­bers einer Inter­net­han­dels­platt­form. Die in Deutsch­land ansäs­si­ge GmbH hat­te die Inter­net­han­dels­platt­form frü­her selbst betrie­ben. Nach der Über­tra­gung des Geschäfts auf ihre in Luxem­burg ansäs­si­ge Schwes­ter­ge­sell­schaft hat­te sie sich dazu ver­pflich­tet, umfang­rei­che Daten­ver­ar­bei­tungs­leis­tun­gen für die­se auf der Grund­la­ge luxem­bur­gi­schen Rechts zu erbrin­gen. Außer­dem hat­te sie sich ver­pflich­tet, die von ihr zu ver­ar­bei­ten­den Daten nicht an Drit­te wei­ter­zu­ge­ben.

Vor Gericht argu­men­tier­te die Klä­ge­rin, sie kön­ne die von ihr ver­lang­ten Aus­künf­te nicht ertei­len, da sie hier­zu nach den für sie bin­den­den Wei­sun­gen ihrer Schwes­ter­ge­sell­schaft nicht befugt sei. Sie kön­ne ihre Schwes­ter­ge­sell­schaft auch nicht dazu brin­gen, der Daten­her­aus­ga­be zuzu­stim­men. Die Daten stün­den ihr auch tat­säch­lich nicht zur Ver­fü­gung, da sie auf Ser­vern im Aus­land gespei­chert sei­en, die ihr weder gehör­ten noch von ihr ver­wal­tet oder gepflegt wür­den.

Das Finanz­ge­richt (FG) hat dar­auf­hin der Kla­ge statt­ge­ge­ben und das Sam­mel­aus­kunfts­er­su­chen auf­ge­ho­ben, da der Klä­ge­rin die Ertei­lung der Aus­kunft in tat­säch­li­cher Hin­sicht unmög­lich sei. Auf die Revi­si­on des Finanz­amts hat der BFH das Urteil des FG auf­ge­ho­ben und die Sache zurück­ver­wie­sen, so Dr. Gie­se­ler.

Das FG hat — wie sich aus der Begrün­dung des Urteils ergibt — kei­ne aus­rei­chen­den tat­säch­li­chen Fest­stel­lun­gen getrof­fen, dass der Klä­ge­rin der Zugriff auf die Daten aus tech­ni­schen Grün­den unmög­lich ist. Dass die Daten­ser­ver im Aus­land ste­hen, steht dem Zugriff auf die Daten nicht ent­ge­gen. An die tat­säch­li­che Wür­di­gung des FG war der BFH des­halb nicht gebun­den. Das FG hat viel­mehr ent­schei­dend dar­auf abge­stellt, dass sich die Klä­ge­rin gegen­über ihrer Schwes­ter­ge­sell­schaft zur Geheim­hal­tung der Daten ver­pflich­tet hat­te. Die dar­in lie­gen­de recht­li­che Wer­tung hat der BFH ver­wor­fen. Die pri­vat­recht­lich ver­ein­bar­te Geheim­hal­tung kann der öffent­lich-recht­li­chen Aus­kunfts­pflicht nicht mit Erfolg ent­ge­gen gehal­ten wer­den. Das Urteil des FG konn­te des­halb kei­nen Bestand haben.

Das FG muss nun fest­stel­len, ob die Klä­ge­rin tat­säch­lich auf die frag­li­chen Daten zugrei­fen kann. Der BFH hat dem FG außer­dem umfang­rei­che Hin­wei­se für die wei­te­re Bear­bei­tung des Fal­les erteilt.

Dr. Gie­se­ler emp­fahl. dies zu beach­ten und in allen Zwei­fels­fra­gen Rechts­rat ein­zu­ho­len, wozu er u. a. auch auf den DUV Deut­scher Unter­neh­mens­steu­er Ver­band e. V. — www.duv-verband.de — ver­wies.

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