(Kiel) Der Bun­des­fi­nanz­hof (BFH) hat ent­schie­den, dass Auf­wen­dun­gen für die krank­heits­be­ding­te Unter­brin­gung in einem Senio­ren­wohn­stift “zwangs­läu­fig” i.S. des § 33 des Ein­kom­men­steu­er­ge­set­zes (EStG) sind und damit dem Grun­de nach außer­ge­wöhn­li­che Belas­tun­gen dar­stel­len.

Soweit der­ar­ti­ge Auf­wen­dun­gen im Rah­men des Übli­chen lie­gen, ermä­ßi­gen sie daher nach den für Krank­heits­kos­ten gel­ten­den Grund­sät­zen die Ein­kom­men­steu­er.

Dar­auf ver­weist der Kie­ler Steu­er­be­ra­ter Jörg Pas­sau, Vize­prä­si­dent und geschäfts­füh­ren­des Vor­stands­mit­glied des DUV Deut­scher Unter­neh­mens­steu­er Ver­band e. V. mit Sitz in Kiel, unter Hin­weis auf die Mit­tei­lung des Bun­des­fi­nanz­hofs (BFH) vom 2.04.2014 zu sei­nem Urteil vom 14. Novem­ber 2013 — VI R 2012.

Im Streit­fall war die behin­der­te und pfle­ge­be­dürf­ti­ge Klä­ge­rin zunächst mit ihrem Ehe­mann, spä­ter allein, in einem Apart­ment in einem Senio­ren­wohn­stift mit einer Wohn­flä­che von 74,54 m2 unter­ge­bracht. Hier­für wur­de ein Pau­schal­ent­gelt in Rech­nung gestellt, mit dem neben dem Woh­nen und der Ver­pfle­gung u.a. auch die Nut­zung von Gemein­schafts­ein­rich­tun­gen sowie eine all­ge­mei­ne alten­ge­rech­te Grund­be­treu­ung über 24 Stun­den am Tag (z.B. The­ra­pie­an­ge­bo­te, stän­di­ge Not­ruf­be­reit­schaft, Ver­mitt­lung ärzt­li­cher Ver­sor­gung, Grund­pfle­ge bei leich­ten vor­über­ge­hen­den Erkran­kun­gen) abge­gol­ten war. Zusätz­lich hat­te die Klä­ge­rin einen Pfle­ge­ver­trag über die Erbrin­gung von Pfle­ge­leis­tun­gen durch den ambu­lan­ten Pfle­ge­dienst des Wohn­stifts abge­schlos­sen. Die Ent­gel­te hier­für wur­den ihr nach Abzug der anzu­rech­nen­den Leis­tun­gen der Pfle­ge- und Kran­ken­ver­si­che­rung geson­dert in Rech­nung gestellt. Das Finanz­amt sowie das Finanz­ge­richt (FG) haben der Klä­ge­rin den vol­len Abzug der Kos­ten für die Unter­brin­gung nicht zuge­stan­den. Dies sieht der BFH im Grund­satz anders, so Pas­sau.

Krank­heits­be­ding­te Heim­un­ter­brin­gungs­kos­ten sind auch in einer sol­chen Fall­ge­stal­tung zu berück­sich­ti­gen, soweit die Auf­wen­dun­gen nicht in einem offen­sicht­li­chen Miss­ver­hält­nis zum medi­zi­nisch indi­zier­ten Auf­wand ste­hen und sie daher nicht mehr als ange­mes­sen i.S. des § 33 Abs. 2 Satz 1 EStG anzu­se­hen sind. Abzieh­bar sind danach neben den kon­kret ange­fal­le­nen und in Rech­nung gestell­ten Pfle­ge­kos­ten dem Grun­de nach auch die Unter­brin­gungs­kos­ten bzw. das Pau­schal­ent­gelt für die Nut­zung der Woh­nung im Wohn­stift abzüg­lich einer Haus­halts­er­spar­nis.

In wel­cher Höhe die Unter­brin­gungs­kos­ten tat­säch­lich abge­zo­gen wer­den dür­fen, wird das FG nun im zwei­ten Rechts­gang zu ent­schei­den haben. Denn der BFH hat den Rechts­streit an die­ses zurück­ver­wie­sen. Es wird zu klä­ren sein, ob es sich bei dem Pau­schal­ent­gelt im Streit­fall um Kos­ten han­delt, die –z.B. auf­grund der Grö­ße des Apart­ments– außer­halb des Übli­chen lie­gen.

Pas­sau emp­fahl, dies zu beach­ten und ggfs. steu­er­li­chen Rat in Anspruch zu neh­men, wobei er dabei u. a. auf den DUV Deut­schen Unter­neh­mens­steu­er Ver­band – www.duv-verband.de – ver­wies.
 

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