(Kiel) Der Bun­des­fi­nanz­hof hat ent­schie­den, dass Auf­wen­dun­gen für die krank­heits­be­ding­te Unter­brin­gung eines Ange­hö­ri­gen als außer­ge­wöhn­li­che Belas­tun­gen steu­er­lich zu berück­sich­ti­gen sein kön­nen. Anders als bei typi­schen Unter­halts­auf­wen­dun­gen kommt ein Abzug aber nur in Betracht, soweit die außer­ge­wöhn­li­chen Belas­tun­gen den Betrag der sog. zumut­ba­ren Belas­tung über­schrei­ten.

Dar­auf ver­weist der Kie­ler Steu­er­be­ra­ter Jörg Pas­sau, Vize­prä­si­dent und geschäfts­füh­ren­des Vor­stands­mit­glied des DUV Deut­scher Unter­neh­mens­steu­er Ver­band e. V. mit Sitz in Kiel,  unter Hin­weis auf die Mit­tei­lung des Bun­des­fi­nanz­hofs (BFH) vom 14. Sep­tem­ber 2011 zu sei­nem Urteil vom 30. Juni 2011 — VI R 1410.

Im ent­schie­de­nen Fall hat­te das Sozi­al­amt die Klä­ge­rin auf Erstat­tung von 1.316 € für die Unter­brin­gung ihres nach einem Schlag­an­fall pfle­ge­dürf­ti­gen Vaters (Pfle­ge­stu­fe II) in einem Alten­pfle­ge­heim in Anspruch genom­men. Ins­ge­samt hat­ten die Kos­ten der Heim­un­ter­brin­gung ca. 37.000 € betra­gen, wovon der Vater rd. 9.000 €, die Pfle­ge­ver­si­che­rung etwa 22.000 € und den ver­blei­ben­den Rest­be­trag das Sozi­al­amt getra­gen hat­ten. Außer­dem hat­te der Vater, der im Streit­jahr 2006 eine Ren­te in Höhe von 24.000 € bezog, sei­ner schwer geh­be­hin­der­ten Ehe­frau Unter­halt in Höhe von ca.15.000 € gewährt. Das Finanz­amt berück­sich­tig­te die von der Toch­ter gel­tend gemach­ten Unter­halts­auf­wen­dun­gen nicht.

Die hier­ge­gen erho­be­ne Kla­ge war erfolg­los, so Pas­sau. Der BFH wies die Revi­si­on der Klä­ge­rin zurück.

Zwar stell­ten Auf­wen­dun­gen, die einem Steu­er­pflich­ti­gen für die krank­heits­be­ding­te Unter­brin­gung eines Ange­hö­ri­gen in einem Alten­pfle­ge­heim ent­stün­den, als Krank­heits­kos­ten eine außer­ge­wöhn­li­che Belas­tung im Sin­ne des § 33 des Ein­kom­men­steu­er­ge­set­zes (EStG) dar. Abzieh­bar sei­en inso­weit nicht nur die Pfle­ge­kos­ten, son­dern auch die Kos­ten, die auf die Unter­brin­gung und Ver­pfle­gung ent­fie­len, soweit es sich hier­bei um Mehr­kos­ten gegen­über der nor­ma­len Lebens­füh­rung han­de­le. Im Streit­fall schei­de ein Abzug der Auf­wen­dun­gen für die Heim­un­ter­brin­gung des Vaters aller­dings aus, weil die Auf­wen­dun­gen der Klä­ge­rin die zumut­ba­re Belas­tung i.S. von § 33 Abs. 3 EStG (hier: 6 % des Gesamt­be­trags der Ein­künf­te) nicht über­stie­gen. Ein von der zumut­ba­ren Belas­tung unab­hän­gi­ger Abzug nach § 33a EStG kom­me nicht Betracht. Denn nach die­ser Vor­schrift sei­en nur typi­sche Unter­halts­auf­wen­dun­gen, ins­be­son­de­re Ernäh­rung, Klei­dung, Woh­nung, Haus­rat sowie not­wen­di­ge Ver­si­che­run­gen, nicht aber Krank­heits- und Pfle­ge­kos­ten des Unter­halts­be­rech­tig­ten zu berück­sich­ti­gen.

Pas­sau emp­fahl, dies zu beach­ten und ggfs. steu­er­li­chen Rat in Anspruch zu neh­men, wobei er dabei u. a. auf den DUV Deut­schen Unter­neh­mens­steu­er Ver­band — www.duv-verband.de — ver­wies.

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